Ein neues Lied, ein besseres Lied,
Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.
Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.
Es wächst hienieden Brot genug
Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.
Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.
Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.
Ein neues Lied, ein besseres Lied
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei.
Die Sterbeglocken schweigen.
Ja, es ist keiner da, der den Toten noch
Groß mit Totenfeiern Ruhe schafft.
Die Sterbeglocken, mein toter Freund,
Es stimmt: sie schweigen aus anderem Grund:
Es stirbt sich inzwischen so massenhaft,
Wir verrecken so unter dem Hund
Und sind an uns selbst so verdorben
- und darum läuten die Glocken nicht mehr
Es sind ja zu viel gestorben.
Und als mein Vater in Auschwitz brannte,
War auch keine Sterbeglocke zu Hand.
Da 'war ja der Tod schon selber todkrank,
Und über dem Lager wölbte sich nur
Ein irres Leichengekreisch:
Die große Glocke aus dem Gestank
Von verbranntem Fleisch. Doch
Es gibt noch Gedichte nach Auschwitz. Und
Es gibt sogar lustige Lieder. Wir
Sind eben so. Wir gehen ganz und gar
Zugrund. Und erheben uns wieder.
Ein neues Lied, ein besseres Lied,
Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch ...
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