»Fragen, Fragen, Fragen ...«

Eigentlich ist Ditta Kloth ja gar keine Germanistin: Sie hat ihr Germanistik-Studium abgebrochen und sich der – nach ihrem Geschmack – exotischeren Hispanistik zugewandt. Doch heute übt sie einen Beruf aus, der sicherlich auch ein Traum für viele angehende Germanisten sein dürfte: Sie ist Lektorin im belletristischen Lektorat des Rowohlt Taschenbuch Verlags.Eigentlich ist Ditta Kloth ja gar keine Germanistin: Sie hat ihr Germanistik-Studium abgebrochen und sich der – nach ihrem Geschmack – exotischeren Hispanistik zugewandt. Doch heute übt sie einen Beruf aus, der sicherlich auch ein Traum für viele angehende Germanisten sein dürfte: Sie ist Lektorin im belletristischen Lektorat des Rowohlt Taschenbuch Verlags. Schon während ihres Studiums hegte Ditta Kloth diesen Berufswunsch und absolvierte einige Praktika in Verlag, Presse sowie in der Veranstaltungsorganisation. Nach ihrem Studium arbeitete sie nebenher als freie Mitarbeiterin für diverse Verlage. Den beruflichen Einstieg schaffte sie schließlich im Bereich wissenschaftliches Sachbuch, von wo der Schritt zum Traumjob im belletristischen Lektorat nicht mehr weit war und mit einer Portion Glück schließlich auch klappte. Was ihr das Studium für ihren heutigen Beruf gebracht hat und warum sie sich heute vielleicht doch für ein Germanistik-Studium entscheiden würde, verrät sie uns in unserem Fragebogen für »Germanisten, die es geschafft haben«.

 

Unsere zwölf Fragen, beantwortet von Ditta Kloth:

  1. Wie lange und wo haben Sie studiert, welchen Abschluss haben Sie erreicht? War Germanistik Ihr Haupt- oder Nebenfach? Ich habe sechs Jahre lang in Bonn, Madrid und Hamburg auf Magister studiert: anfangs Germanistik, Romanistik und Hispanistik. Aber das war mir schnell zu einseitig, weshalb ich die Literatur schließlich auf die vermeintlich exotischere Hispanistik reduziert habe und in meinen Nebenfächern zu Politikwissenschaften und Neuerer Geschichte gewechselt bin.
  2. Was hat Sie damals dazu bewogen, Germanistik zu studieren? Die Germanistik in Bonn war völlig überlaufen und wirkte auf mich – auch in Hinblick auf meine berufliche Zukunft – daher eher abschreckend. Ein kleineres Seminar erschien mir letztlich geeigneter fürs Studium, was aber sicher vom Typ abhängig ist. Ich fühlte mich in der Germanistik einfach nicht so aufgehoben, obwohl ich unbedingt Sprachen studieren wollte. In der Hispanistik hingegen bot sich dann gleich noch die Möglichkeit eine neue Sprache zu lernen, weswegen ich mich entschloss, damit weiterzumachen.
  3. Zu welchem Thema haben Sie Ihre Abschlussarbeit eingereicht? Zum Roman Terra Nostra des mexikanischen Schriftstellers Carlos Fuentes.
  4. Zu welchen wissenschaftlichen Ergebnissen sind Sie in dieser Arbeit gelangt? In meiner Arbeit behandelte ich Fragen der Darstellung und Darstellbarkeit von Geschichte bzw. Geschichtsschreibung in der Kunst, genauer: in der Literatur. Es ging um das Geschichtsbild der Eroberung Lateinamerikas und die Möglichkeit der Literatur auch die Geschichte der Eroberten darzustellen bzw. verschiedene Perspektiven nebeneinander zuzulassen.
  5. Wer war Ihr(e) bevorzugte(r) Professor(in) und was machte sie/ihn aus? Ich mochte vor allem Dozenten, die in ihrem Beruf und ihrem Fachgebiet aufgegangen sind und sich Studenten gegenüber offen und interessiert zeigten.
  6. Was war / ist Ihr Lieblingsbuch / Lieblingsautor(in) / Lieblingsepoche / Lieblingsgattung / Lieblingsgenre? Die Lieblinge sind so zahlreich wie die Bücher im Regal … Aber der persönliche Geschmack verändert sich, deshalb fällt mir eine Aussage schwer.
  7. Wo haben Sie Ihre ersten beruflichen Erfahrungen gesammelt, welche studienbegleitenden Tätigkeiten (Praktika etc.) haben Sie absolviert und dabei ggf. welche Schlüsselqualifikationen erworben? Eigentlich habe ich immer neben dem Studium gearbeitet, um Geld zu verdienen, aber auch um etwas »Handfestes« zu machen. Zu den wichtigeren Jobs zählten eine Stelle als Tutorin, als wissenschaftliche Hilfskraft sowie Praktika in Verlag, Presse und in der Veranstaltungsorganisation.
  8. Wie sind Sie nach dem Studium geworden, was Sie nun sind? Und: Wollten Sie es werden? Durch Praktika, freie Mitarbeit und Kontakte – und eine gehörige Portion Glück. Ich wollte schon während des Studiums Lektorin werden, habe aber lange nicht geglaubt, dass es mich auch tatsächlich zu meinem Traumberuf in die Belletristik verschlagen würde. Mein beruflicher Einstieg erfolgte dann im Bereich wissenschaftliches Sachbuch in einem der Universität Hamburg angeschlossenen Institut. Ich hatte dort bereits als studentische Hilfskraft gearbeitet. Wenige Monate nach meinem Abschluss bekam ich zunächst eine halbe Stelle, später dann eine Vollzeitstelle angeboten. Nebenbei habe ich als freie Mitarbeiterin für andere Verlage (u.a. für das belletristische Lektorat im Rowohlt Taschenbuch) gearbeitet. Und dann war ich offensichtlich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort …
  9. Nützt Ihnen das im Studium erworbene Wissen in Ihrem Beruf – und wenn ja: was? Das akribisch erworbene Fachwissen nützt mir wahrscheinlich weniger, als die Fremdsprachen, das Sprachgefühl und der gesunde Menschenverstand, den man im Studium schulen kann.
  10. Würden Sie sich heute wieder für ein Germanistik-Studium entscheiden – und warum (nicht)? Heute würde ich vielleicht tatsächlich Germanistik studieren und mich nicht von der Flut der Studenten abschrecken lassen. Manchmal merke ich nämlich, dass mir in diesem Bereich etwas fehlt. Vor allem, wenn es um Vergleiche von Autoren geht, um Anspielungen auf bestimmte Strömungen etc. Ein Studium ohne persönliche Motivation und Leidenschaft halte ich allerdings nach wie vor für falsch.
  11. Wie viele Ihrer (Branchen-)Kollegen haben Germanistik oder ein anderes geisteswissenschaftliches Studium absolviert? Und werden in Ihrem Bereich noch weitere Germanisten bzw. Geisteswissenschaftler gesucht? Alle Lektoren in der Belletristik, die ich kenne, haben Sprach- bzw. Literaturwissenschaft studiert, darunter hauptsächlich Germanistik und Anglistik.
  12. Welche Frage haben Sie an heutige Studierende der Germanistik? Und was würden Sie ihnen raten zu tun (oder zu lassen), um den Sprung von der Uni ins Berufsleben zu schaffen? Ich würde fragen: Was willst du mit dem Studium später machen? (Auch wenn ich die Frage damals selber gehasst habe!) Einen besonders klugen Rat habe ich nicht. Aber man sollte sicher – gerade auch außerhalb der Uni – Augen und Ohren offen halten. Und Fragen stellen. Fragen, Fragen, Fragen …

 

Ditta Kloth, geboren 1975 in Münster, studierte von 1996-2003 in Bonn, Madrid und Hamburg die Fächer Spanisch, Geschichte und Politik. Sie hat zahlreiche Auslandsaufenthalte und Praktika absolviert. Nach ihrer Lektorentätigkeit im Bereich wissenschaftliches Sachbuch und als freie Mitarbeiterin bei diversen Verlagen arbeitet sie seit 2006 im belletristischen Lektorat des Rowohlt Taschenbuch Verlags.

 

In unserer Serie Germanisten im Beruf haben seit 2006 bereits über dreißig ehemalige Germanistik-Studentinnen und -Studenten Auskunft über ihren Werdegang und den Nutzen ihres Studiums gegeben; der Reihe nach: Martin Sonneborn (Titanic-Redakteur) – Jan Sting (freiberuflicher Journalist) – Axel Joerss (Journalist und Fotograf) – Christine Henschel (Wissenschaftslektorin) – Nikola Richter (Schriftstellerin und Journalistin) – Burkhard Spinnen (Schriftsteller) – Kathrin Passig (Autorin und Geschäftsführerin der »Zentralen Intelligenz Agentur«) – Adam Soboczynski (ZEIT-Redakteur) – Cornelia Schu (wiss. Referentin beim Wissenschaftsrat) – David Eisermann (Kulturjournalist und WDR-Radiomoderator) – Swantje Lichtenstein (Schriftstellerin und – seit Frühjahr 2007 – Professorin an der FH Düsseldorf) – Carla Christiany (Deutschlektorin an der Università di Bologna) – Christoph Wenzel (Mitbegründer und -herausgeber der Literaturzeitschrift [SIC]) – Christian Eichner (promovierter Rechtsanwalt und Germanistik-Habilitand) – Olaf Kutzmutz (Programmleiter Literatur der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel) – Andreas Wilink (Mitbegründer, -herausgeber und leitender Redakteur des Magazins K.WEST – das Feuilleton für NRW) – Tilman Krause (Literaturkritiker und leitender Literatur-Redakteur bei der Welt) – Andrea Vetsch (TV-Moderatorin im Schweizer Fernsehen) – Axel von Ernst (Schriftsteller und Verleger) – Bernd Draser (freiberuflicher Dozent) – Yvonne Büdenhölzer (Dramaturgin) – Reiner-Ernst Ohle (Theaterreferent) – Antje Schnadwinkel (Lektorin) – Maxim Hofmann (Kabarettist) – Sandra Heinrici (Organisationsassistentin der Biennale Bonn 2008) – Nicole Maus (PR-Beauftragte des Goethe-Instituts London) – Marius Kursawe (Unternehmensberater) – Barbara Wermann (Lektoratsassistentin) – Volker Oppmann (Verleger) – Jürgen Kaube (FAZ-Redakteur) – Andrea Essers (Freie Buchredakteurin) – Luzia Braun (aspekte-Moderatorin). – Weitere »Germanisten, die es geschafft haben«, folgen!

 

 

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