»Nur bloß keine Negativgedanken!«

Kathrin Röggla liest am 25. Januar an der Uni Bonn aus ihrem neuen Erzählband die alarmbereiten

»der ständige alarm habe zur folge, dass mir niemand mehr zuhören wolle.« Kathrin Röggla zeichnet in ihrem neuen Erzählband die alarmbereiten ein Szenario, in dem wir alle Protagonisten in einem bombastischen Katastrophenfilm sind. Menschen werden zu »Recherchegespenstern«, zu zur Passivität verurteilten Monstern, die nur noch zusehen, nicht mehr handeln können. Röggla behandelt, wie bereits in ihren früheren Büchern, politische Themen: den Klimawandel, die Wirtschaftskrise oder die Übermacht der Massenmedien gegenüber dem menschlich-physischen Miteinander. Sieben Geschichten, die alles sein können, nur nicht kurzweilig. Röggla beobachtet, sie dokumentiert, wie beispielsweise in der Prosaerzählung »wilde jagd«, in der die Geschichte Natascha Kampuschs behandelt und der mediale Umgang mit ihr kritisch überzeichnet wird. Die Autorin, ganz im Antagonismus zu ihren Protagonisten, handelt, sie lehnt sich engagiert auf und zeigt sprachgewaltig eine neue Kultur des »anonymen Gemurmels«. In ihrer Übertreibungswut werden nach und nach Stereotypen unserer gegenwärtigen Realität kreiert, die einen angsteinflößenden Wiedererkennungswert evozieren. Die FAZ vergleicht die 1971 in Salzburg geborene Autorin lobend mit Thomas Bernhard, auch die SZ lobt überschwänglich »[…] nicht nur Sprachspiel, sondern auch intelligente politische Kritik«. Eine Mischung, die es in sich hat. Ihr 190 Seiten schmales Werk hat sie komplett im Konjunktiv verfasst, ein Entwurf einer Katastrophengrammatik, der einen so schnell nicht wieder los lassen wird. Kathrin Röggla klagt die programmatische Passivität des menschlichen Daseins im 21. Jahrhundert an und bewegt zum Nachdenken. Lösungsvorschlag: »erstmal luft holen«, dann habe es sich schnell »sozusagen ausalarmiert«. Kathrin Röggla wurde 2004 mit dem Preis der SWR-Bestenliste für ihren dokumentarischen Bericht wir schlafen nicht und im letzten Jahr mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. Jetzt wird Röggla, vier Jahre nach ihrer ersten Lesung an der Universität Bonn, aus ihrem neuen Text lesen. Die Lesung findet am 25.01.2011 um 18 Uhr im Übungsraum 3. Obergeschoss im Rahmen des Praxismoduls des Instituts für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Bonn statt.

 

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