11.12. - Irgendwo zwischen Liebe und Verletzlichkeit

2010: Von den geheimen Dynamiken im Leben einer Familie

Ab dem Jahr 2010 erscheint die Kritische Ausgabe regelmäßig mit zwei Ausgaben pro Jahr. Die erste in diesem Jahr widmet sich ganz der Familie. Das Thema »Familie« kann niemand so ganz ausblenden, gerade in der Weihnachtszeit: Jeder hat eine Familie, mit der er oder sie auf genetische und emotionale Weise verbunden ist. Historisch betrachtet hat sich das Konzept der Familie einem starken Wandel unterzogen, wobei unter anderem die Emanzipation der Frau, aber auch die Befreiung aus dem starren Ideal der zweigeschlechtlichen Ehe eine entscheidende Rolle gespielt hat.

Unser Heft #18 zeigt, dass die Familie in Literatur und Film eine vielseitige Verarbeitung gefunden hat. Die Verletzlichkeit und Instabilität des Konstrukts Familie spiegeln sich darin auf unerwartete Weise. Ausgerechnet in den Märchen der Gebrüder Grimm tauchen mit der Figur der bösen Stiefmutter oder dem Vater, der seine eigene Tochter heiraten will, Familienbilder auf, die einer harmonischen Vorstellung von Vater, Mutter und gemeinsamen Kindern drastisch widersprechen. Dennoch zielen sie laut Mareike Bohnen auf das richtige Ideal ab: »Die Botschaft der Grimmschen Märchen ist eindeutig: Familie soll Schutz bieten, ein Ort der Gerechtigkeit und gegenseitigen Solidarität sein«.

Zuwachs für die Familie

Ähnlich ambivalent behandelt Michael Haneke das Thema Familie in seinen Filmen. Unkommentiert zeigt er Ausschnitte aus dem Leben erfundener Familien, die in sich keinen emotionalen Bezugspunkt mehr finden, deren Mitglieder vielmehr isoliert voneinander leben und sich nur nach außen als Einheit präsentieren. Auch der Literaturteil dieser Ausgabe spiegelt facettenreich die individuellen Probleme im Gefüge einer Familie: heimliche Liebschaften des Vaters, Trennungen, finanzielle Schwierigkeiten, Alkoholsucht. Und dennoch scheint zwischen den Zeilen immer wieder durch, warum die Familie es wert ist, sich so viele Gedanken über sie zu machen: Weil es um die Liebe zu den Menschen geht, bei denen man sich zu Hause fühlt.

So pessimistisch die Perspektiven auf die Familie in diesem Heft auch ausfallen mögen, die Kritische Ausgabe blickt optimistisch in die Zukunft: Im Jahr 2010 kommt die Idee für die Edition Kritische Ausgabe auf, in der in der Folge - auch dank der Zusammenarbeit mit dem Bonner Weidle-Verlag - weitere Veröffentlichungen zu Themenkomplexen der Germanistik und verwandter Disziplinen erscheinen. Die K.A.-Produktfamilie wächst auf diese Weise und bekommt mit den neuen Bänden neben der Zeitschrift und dem Online-Magazin ein drittes Mitglied.

 

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