Alles andere als Laientheater

Ein Portrait der S.U.B.-Kultur kurz vor der nächsten Premiere

Während auf der Bühne noch am Licht gearbeitet und letzte Hand am Bühnenbild angelegt wird, begeben sich die Schauspieler auf ihre Positionen. Es ist wieder Probenzeit für die Theatergruppe S.U.B.-Kultur in Bonn. Demnächst hat die Inszenierung von Chris Noldes Stück Von der Unschuld des Atmens Premiere. Wer den Mitgliedern der Truppe, die nicht nur Studenten der Uni Bonn sind, vor, auf und hinter der Bühne zusieht, stellt schnell fest, dass hier vor allem Spaß vermittelt werden soll.

Die Theatergruppe Schauspiel Uni Bonn (S.U.B.-Kultur) steht kurz vor der Premiere des Stücks Von der Unschuld des Atmens, die demnächst im Kuppelsaal über der Thalia Buchhandlung am Marktplatz in Bonn aufgeführt werden soll. Die Truppe besteht derzeit aus bis zu 13 Personen, darunter Studenten aus allen Fakultäten, aber auch professionelle Schauspieler. Mitmachen darf jeder, unabhängig von schauspielerischen Vorerfahrungen. Als Schauspieldozent führt Marcus Brien nicht nur Regie, sondern gibt auch Tipps und holt somit das Beste aus jedem raus. Schauspiel Uni Bonn ist damit alles andere als eine Laientheatergruppe. Geprobt wird in der Regel einmal pro Woche und kurz vor den Aufführungen sogar täglich. Dabei ist es nicht immer einfach Studium und Theater zu vereinbaren. Gerne werden auch mal Jobs vernachlässigt oder Prüfungen nicht bestanden. Jeder bringt seine ganz eigene Persönlichkeit ein und setzt seine Aufgabe mit viel Ehrgeiz, aber vor allem auch sehr viel Spaß, um. So wird beim Umbau auf der Bühne gelacht, während gleichzeitig neben der Bühne über mögliche Verbesserungen diskutiert und beraten wird.

Es ist genau dieser Spagat, zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit, der auch in dem aktuellen Stück gelingt. Die Unschuld des Atmens ist nach Der Lohn der Fleißigen das zweite Stück der Trilogie über Arbeit, geschrieben von Chris Nolde, der auch Gründungsmitglied der Theatergruppe ist. Während das erste Stück von Arbeitsbedingungen angesichts von Niedriglöhnen und der Würde des Menschen handelte, stellt das aktuelle Drama die Frage, was Arbeit überhaupt ist. Beginnt Arbeit bereits dann, wenn man kreativ ist oder leisten nur diejenigen einen Beitrag zur Gesellschaft, die Vollzeit im Büro arbeiten und Geld verdienen? Die Kernfigur des Stücks ist ein Schriftsteller, der lange kein Buch mehr veröffentlicht hat und auf einem Campingplatz lebt. Er benötigt Zeit, um seine Schreibblockade zu lösen, ist aber gleichzeitig dem Druck zweier Personen vom Arbeitsamt ausgesetzt. Die Folgen sind Angststörungen und Zweifel. Hilfe bekommt er von einer Gruppe Studenten, die eine Künstlerkommune gründen und ganz neue Geschäftsmodelle ausprobieren möchten. Dabei gibt es Figuren, die orientierungslos sind, sich selbst noch finden müssen und jene, die – so scheint es – der Gesellschaft zum Opfer gefallen sind und einem Job nachgehen, der sich sehr modern anhört, mehr jedoch nicht.

»Die Eigenleistung des Zuschauers ist gefragt«

Gerade junge Menschen werden sich hier sehr schnell wiederfinden, da sie einer Gesellschaft ausgesetzt sind, die Leistung fordert und dem Individuum keine Zeit mehr zur Selbstfindung gibt. Es überrascht heute leider nicht mehr, dass auch im echten Leben viele Menschen unter psychosomatischen Störungen und Burnouts leiden. Jeder Zuschauer wird automatisch über sein eigenes Leben nachdenken, darüber vielleicht, ob der eigene Beruf glücklich macht, bloß dem Geld verdienen dient oder ob andere Möglichkeit zu ganz anderen Wegen geführt hätten. Auch die S.U.B.-Kultur hat in den acht Monaten Probezeit viel über diese Fragen nachgedacht und eigene Standpunkte reflektiert. Zusammen haben sie ein Stück erarbeitet, zu dem jeder einen Zugang finden wird und das komödiantische Elemente sehr gut mit ernsten Themen verbindet, sodass man teilweise nicht weiß, ob lachen angebracht ist oder nicht.

Auf die Frage, wie er den Zuschauer in seinem Theaterstück verortet sieht, entgegnet Chris Nolde, der sich auch als Autor von Prosa-Texten einen Namen gemacht hat, folgendermaßen: »Es ist viel Eigenleistung des Zuschauers gefragt, der keine konkreten Antworten finden wird und vielmehr Antworten aushalten muss. So wie es auch die Gesellschaft aushalten sollte, dass manche Menschen Zeit brauchen, um herauszufinden, was sie eigentlich leisten und zurückgeben möchten.« In dieser Hinsicht sind sich die Mitglieder des Schauspiel Uni Bonn einig: Vielmehr noch als einen schönen Abend, sollen die Zuschauer Spaß am Theater haben und mit einem anderen Zugang zu gesellschaftspolitischen Themen geführt werden. Auf das dritte Stück der Trilogie Arbeit darf man übrigens noch gespannt sein. Es befindet sich derzeit noch in der Textphase. Wer dieser sympathischen Gruppe einmal zugesehen hat, wird das Gefühl nicht los, dass auch daraus etwas Gutes entstehen wird.

Von der Unschuld des Atmens. (c) Chris Nolde

Chris Nolde: Von der Unschuld des Atmens. Gesellschaftskomödie. S.U.B.-Kultur. Inszenierung: Marcus Brien. Premiere u. zugl. Uraufführung: 12. August 2016. Weitere Aufführungen: 13. August und 14. August jeweils um 19:30 Uhr im Kuppelsaal der Thalia Buchhandlung Bonn. Karten sind noch erhältlich unter 0228 463672 und online: www.jt-bonn.de und BONNTICKET.


 

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