Das 2. Türchen

Bücher:

  • Kultur (Julia Scho)Angelika Overath: Nahe Tage (bei amazon.de bestellen)
    Mein Favorit für 2005. Wenn Ihr wissen wollt, warum, lest meine Rezension – demnächst in der K.A. plus! ;-)
  • Ovid: Metamorphosen (bei amazon.de bestellen)
    Lesen!!! Lesen!!! Lesen!!! Der pure Rausch des Entzückens... Die zweisprachige Reclam-Ausgabe bietet übrigens eine äußerst gelungene Übersetzung!
  • Amélie Nothomb: Kosmetik des Bösen (bei amazon.de bestellen)
    Der Text besteht einzig aus dem Dialog zweier Menschen, die sich scheinbar zufällig in einer Flughafen-Wartehalle treffen. Den weiteren Inhalt verrate ich nicht – schließlich möchte ich ja denjenigen, die die Lektüre noch vor sich haben, nichts vorwegnehmen. Aber die psychologisch-philosophische Brachialität dieses Dialoges, mit der die Diskrepanz zwischen Ursprung der Empörung und Anlass zur Empörung so schonungslos überbrückt wird, hat einen kathartischen Effekt. Ich las das Buch im Zug von Freiburg nach Bonn und bekam einen 4-stündigen intellektuellen Orgasmus. Seitdem bin ich mit einem komparatistischen Embryo schwanger, um dessen Zukunft ich mir ernsthafte Gedanken mache...
  • Clarice Lispector: Nahe dem wilden Herzen (bei amazon.de bestellen)
    An dieser Stelle muss ich Hélène Cixous für mich sprechen lassen: „Rilke schreibt 24 Gedichte über die Rose. Aber Clarice Lispector lässt uns das stille Atmen einer Rose erleben.“ Leider hat man mir dieses Buch gestohlen und nun fühle ich mich um kostbare Wörter betrogen, die mir gerade „berührbar“ geworden waren. Man liest doch viel zu wenig Lispector, habe ich den Eindruck...
  • Tahar Ben Jelloun: Das Schweigen des Lichts (bei amazon.de bestellen)
    „Dieser Roman beruht auf wahren Begebenheiten und verdankt seine Entstehung dem Augenzeugenbericht eines ehemaligen Inhaftierten des Kerkers von Tazmamart“, schickt Ben Jelloun voran. Doch der authentische Gestus des Romans ist nicht nur dieser Tatsache zu verdanken, sondern nicht zuletzt Ben Jellouns poetisch-psychologischem Einfühlungsvermögen in seinen Protagonisten. Eine poetische Annäherung an die Coping-Strategien eines Traumatisierten.
  • Janet Flanner: Darlinghissima (bei amazon.de bestellen)
    Der nicht-fiktive, intelligente Briefwechsel zweier „Wahnsinnsfrauen“, die mit Stift, Papier, Herz und Verstand – ohne sich dessen in den Augenblicken des Schreibens bewusst gewesen zu sein – ein Stück kulturelle Zeitgeschichte festgehalten haben. Der besondere Reiz an diesem Briefwechsel ist Janet Flanners eigenwilliger Stil: Anteilnahme und kritische Reflexion, ein ironisch-zärtlicher Ton, analytische Schärfe und allseits interessiert-beobachtende Aufmerksamkeit. Flanner zu lesen hat denselben Effekt, wie sich morgens das Gesicht mit klarem, kaltem Wasser zu waschen. Aufweckend und belebend.
  • Carson McCullers: Die Ballade vom traurigen Café (bei amazon.de bestellen)
    Ein Buch, das mich in einen Dämmerzustand versetzt hat: Mittagsschlaf und Langeweile, träge, aber rührende und zugleich hilflos anmutende Figuren bewegen sich langsam und schwerfällig durch einen Raum, in dem die Luft so sehr von Feuchtigkeit getränkt zu sein scheint, dass sie nicht nur deren Schultern zu beugen vermag, sondern auch beim Lesen einen schalen Geschmack von falschem Mitleid auf der unbewegten Zunge hinterlässt...

Filme:

Zu meinem eigenen Vorteil besitze ich kein Fernsehgerät, kann mir Filme daher nur auf DVD ausleihen und oft erst „Jahre“ später sehen, wenn über sie schon längst kein Wort mehr verloren wird... Nichts Neues also in dieser Rubrik.

  • David Fincher (R.): Fight Club (bei amazon.de bestellen)
    Ein in seiner Tiefe oft unterschätzter Film über das Zerbrechen eines Individuums in sich selbst. Ich hätte allerdings einen anderen Film-Titel für passender gehalten: „Ground Zero“ – Null-Punkt. Denn es geht doch darin tatsächlich nicht um das Verherrlichen von Gewalt in Form organisierter Anarchie, sondern um eine fundamentale Gesellschaftskritik unseres auf Konsum ausgerichteten Kulturkreises. Das (Ver-) Sinken. Mit anderen Worten: „Wahnsinn und Gesellschaft“.
  • Lisa Cholodenko (R.): High Art (bei amazon.de bestellen)
    Fotographie, Dekonstruktion, Liebe und Drogen: Zutaten für einen künstlerisch gestalteten Unterhaltungsfilm auf einem hohen intellektuellen Niveau.
  • David Fincher (R.): Se7en (bei amazon.de bestellen)
    Nochmal Fincher, nochmal abgründig, nochmal gut: gesellschaftskritischer Tiefgang, doch diesmal mit den Zutaten Literatur und Katholizismus – eine hübsche Kulisse für eine grausam-subtile, enttäuschte und missbrauchte Ethik.
 

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