Das 5. Türchen

Hier empfehlende Hinweise auf meine Lektüre des vergangenen Jahres, unschön alphabetisch geordnet:

  • Foto: Julia SchoThomas Bernhard: Wittgensteins Neffe (bei amazon.de bestellen)
    Seit geraumer Zeit lese ich Thomas Bernhard mir (und anderen) immer laut vor. Faszinierend seine Sprachmelodie, ergreifend die Tragikomik seiner Lebens-, seiner Geistesmenschen. Wer mit Schreibblockaden zu tun hat: Bernhards Prosafluß wirkt befreiend...
  • Christoph Bauer: Jetzt stillen wir unseren Hunger (bei amazon.de bestellen)
    Ein in der Nachfolge Bernhards geschriebener philosophischer Liebesroman, konsequent zu Ende gedacht und gelacht. Nicht durchgängig auf höchstem Niveau, aber mit vielen gelungenen Passagen.
  • Tilmann Buddensieg: Nietzsches Italien (bei amazon.de bestellen)
    Ein Sachbuch über „Städte, Gärten und Paläste“, mit eigenem Tonfall und einer Fülle wunderbarer Nietzsche-Zitate zur Kunst und Architektur. Man möchte gleich losreisen – und auch loslesen: nämlich Nietzsche im Zusammenhang.
  • Eduardo Galeano: Zeit die spricht (bei amazon.de bestellen)
    333 kurze Geschichten des Schriftstellers aus Uruguay, der auch ein lesenswertes Fußball-Anekdotenbuch geschrieben hat. Seine Kürzestgeschichten staunen in poetisch-kindlicher Weise über die Schönheit und Dummheit der Welt.
  • Julien Green: Tagebücher (bei amazon.de bestellen)
    Egal, welchen Band man sich herausfischt: der so alt gewordene Green ist ein Jahrhundert-Literat. Seine Lebensthemen (Homosexualität, altkatholischer Glaube) gehen einem zwar manchmal auf die Nerven, aber welche Bilder seiner Einsamkeit, seiner Reisen, Lektüre, Begegnungen: Identitätsvergewisserungen, nachzulesen am besten in schlaflosen Nächten.
  • Peter Handke: Gestern unterwegs (bei amazon.de bestellen)
    In der Tradition seiner früheren Aufzeichnungen („Das Gewicht der Welt“). Dieser Handke beschäftigt mich unentwegt. Mit seinen dicken Romanen tue ich mich schwer, doch seine Notate leuchten ins Verborgene; sie bleiben entschlossen im Diesseits, das aber bei Handke einen seltsamen Heiligenschein bekommt, besonders die Kinder. Und wie er gegen den Lärm allerorten polemisiert. Grandios.
  • Willigis Jäger: Die Welle ist das Meer (bei amazon.de bestellen)
    Nein, kein literarisches Werk. Und welch ein esoterisch kitschiger Titel. Aber sein Inhalt ist bemerkenswert: Glaube und Wissenschaft, Orient und Okzident werden hier nüchtern in eins gesehen. Annäherung an die Mystik. Ein einziges Loblied auf den Großen Geist.
  • Vladimir Nabokov: Die Mutprobe (bei amazon.de bestellen)
    Ein autobiographisches Werk, nicht das genialste, aber schon mit allen Vorzügen des Literaturschmugglers N.; ein listiger Autor, der zum genauen Lesen zwingt. Ein Meister der Anschaulichkeit, der Bilder. Wie glaubwürdig gestaltet er Sentimentales wie Verliebtheit und Heimweh. Und auch hier ist die Hauptfigur ein Mensch, dessen Verschwinden das Rätsel der Existenz offenhält.
  • Jules Renard: Journal (bei amazon.de bestellen)
    Es gibt eine deutsche Auswahl („Ideen, in Tinte getaucht“). Tucholsky hat ihn gefeiert, Sartre u.v.a., feinsinnigste Schnappschüsse aus dem ländlichen Familienleben wie aus dem Pariser Kulturbetrieb damals vor dem Ersten Weltkrieg, und fortan gültig für alle Zeit. („Das ist schön, aber häßlich.“)
  • Hans-Dieter Zimmermann: Martin und Fritz Heidegger (bei amazon.de bestellen)
    Das Leben der Brüder Heidegger nacherzählt, mit Sympathie für den humorvollen Fritz, auch er ein Philosoph, ein Original, Fastnachtsredner, wegen eines Sprachfehlers keine höhere Ausbildung, Kassierer bei der Meßkircher Volksbank. Viel Katholisches, viel Provinz. Ein ernstes Buch.

Zum Autor:

Heiner FeldhoffHeiner Feldhoff, geboren 1945 in Steinheim (Westfalen), aufgewachsen in Duisburg, Studium in Münster, lebt in Lautzert (Westerwald). Schreibt Lyrik, Prosa, Übersetzungen, Biographien (Henry David Thoreau, Albert Camus).

Zuletzt erschien 2005 sein Erzählband Der löchrige Himmel im Frankfurter Verlag Brandes & Apsel (bei amazon.de bestellen).

[Anm. d. Red.:] Von Heiner Feldhoff erschien in K.A. 2/2001 der Beitrag: Hui Wäller? –Allemol! Ein literarhistorischer Gruß aus dem Westerwald (PDF).

 

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