Das Geheimnis der 16 Geheimnisse

Mara & David legen mit sixteen secrets ein vielversprechendes Debütalbum vor

Kunst und Kunstfertigkeit sind, wortfamiliär, eng verwandte Begriffe – und mitunter doch sehr verschieden. Dieser Unterschied ließe sich zum Beispiel daran erklären, daß es zwar von hoher Kunstfertigkeit zeugt, ein Lied der Vorlage gleich nachzuspielen, ihm keine aber eigene Note zu verpassen. Kunst dagegen wäre dann, ein Lied zu covern, indem ihm die Musizierenden neues Leben einhauchen. Wie wenig das im Interesse der Plattenbosse ist, haben uns in den letzten Jahren etliche Radiofetzen, die uns in den Kaufhäusern rund um den Globus belästigten, bewiesen. Wer aber Musik macht und dies aus einer eigenen Passion heraus, kommt nicht umhin, gerade auch wenn Kunstfertigkeit vorhanden ist, seine eigene Note mit einfließen zu lassen und somit dem Originalitätsanspruch gerecht zu werden. Für den Hörer ist dabei das Endergebnis wichtig, und nicht, ob dies vielleicht gar nicht Ziel der Coverversion war. Entscheidend für das Endergebnis ist natürlich auch die Instrumentierung. Ein wunderbares Beispiel für die Authentizität, die durch diese Faktoren entsteht, liefern die Sängerin Mara von Ferne und der Gitarrist David Sick mit ihrem Debütalbum sixteen secrets. Zwischen den Eigenkompositionen stehen hier, für den Nichtkenner der Vorlagen unfindbar, zwei Coverversionen: »Disarm« von den Smashing Pumpkins und »Jukebox« von Ani DiFranco. Ist es vermessen, seine eigene Musik in die anerkannter Künstler einzuordnen? Sicherlich nicht, ist doch das Nachspielen von Liedern eine sehr alte Menschheitstradition und auch das Covern alter Volksweisen bringt oft erstaunliches zutage, wie Beispielsweise John Cale mit »Streets of Lorado« in den 80ern bewiesen hat. Bei näherem Vergleich verschiedener Aufnahmen des gleichen Titels zeigt sich, daß und wie sehr jede Band nur mit Wasser kocht. Denn es ist eben die Instrumentierung und das individuelle Können, das hier je das Eigene ausmacht. Um so beachtlicher ist das Ergebnis, das Mara und David erzielen, »Disarm« und »Jukebox« auf diese Weise neben den eigenen Kompositionen zu hören. Deutlicher hätten sie ihre Virtuosität als Gitarrist und Sängerin kaum unter Beweis stellen können. Mara & David: »sixteen secrets« (Cover)Gute Melodien verlieren oft durch überbordende Arrangements ihre Wirkung. In der Einfachheit der Arrangements mit Gitarre und Gesang liegt auch die Stärke der eigenen Songs. Und David Sick zeigt besonders auf dem Instrumentalstück »Big Bang«, daß er das Instrument in Dresden nicht blutleer studiert hat, sondern auch seine Begeisterung an der Musik ausdrücken kann. Andere Eigenkompositionen können dagegen eigentlich nur abfallen, da Mara und David die Chance versäumt haben, das Deutsche in einem Musikstil auszuprobieren, der von Tuck & Patti, Joni Mitchell und Jonatha Brooke zur Genüge zelebriert wurde. So bleibt bei einer kritischen Betrachtung ein leichtes Unbehagen nicht aus. Doch ist dies der fast schon der einzige Kritikpunkt, der beim Hören der Platte denn auch nicht in den Vordergrund rückt. Für angenehme Abwechslung sorgen die etwas rockigeren Stücke wie »Just a Game« und »High«. Einige der ruhigeren Stücke wie »Someone who loves« und »Between the Walls« allerdings sind zu gekonnt, der Gesang zu typisch für diese Art Musik. Das Eigene, das sich bei den Coverversionen so gut zeigt, findet hier nicht den rechten Ausdruck. Schade ist das vor allem, weil das Potential, Neues zu schaffen, erkennbar vorhanden ist und Mara & David mit etwas mehr Mut mehr als ein nur fast perfektes Album vorgelegt hätten. Mara & David: sixteen secrets. Song Ways. Borchen 2007. 49 Min. Spielzeit. Ca. 16,– Euro.

 

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