Eingeschränkt leben

In Brief an meinen Sohn berichtet Manuel Bauer in aller Aufrichtigkeit vom Alltag mit seinem an Epilepsie erkrankten Sohn

Über die schwierigen genauso wie die glücklichen Momente im Leben mit seinem behinderten Sohn Yorick berichtet der Fotograf Manuel Bauer in seinem neuen lesenswerten Buch. Es handelt sich nicht nur um eine Liebeserklärung an das Leben, sondern auch um einen emotionalen Brief, der in dem Wissen, dass es keine Antwort geben wird, einen ungeschönt ehrlichen Einblick in eine Welt liefert, die sich gänzlich den Prinzipien der gegenwärtigen Leistungsgesellschaft entzieht.

Seit der Geburt seines mittlerweile zehnjährigen Sohnes Yorick gehört es für Manuel Bauer zum wichtigsten Teil seines Lebens, sich besonders um seinen Sohn zu kümmern. Denn der Junge leidet unter Epilepsie: Sekündliche Störungen in Hirn verursachen epileptische Anfälle, plötzliche Spannungen der Muskeln und Verkrampfungen des Körpers. In Brief an meinen Sohn berichtet Manuel Bauer ungeschönt und ehrlich von den Schwierigkeiten im alltäglichen Leben mit einem behinderten Kind.

Yorick kann nicht sprechen. Sein Vater würde sich sehr freuen, wenn er zumindest »Ja« und »Nein« sagen oder sich nonverbal verständlich machen könnte. Neben einem Rollstuhl gehören spezielle Gerätschaften wie ein Essstuhl, ein Toilettenstuhl und ein Stehbrett zum Umgang mit seinem Sohn dazu. Tägliche Vorgänge wie das Aufstehen oder das Zubettgehen nehmen viel Zeit und Geduld in Anspruch: So dauert das Aufstehen anderthalb und das Schlafengehen drei Stunden. Trotz der Arbeit ist Bauer dankbar für eine vollständige Infrastruktur, die ganz auf Yorick abgestimmt ist und es seinem Sohn sogar ermöglicht eine Schule zu besuchen.

Die Liebe zwischen Vater und Sohn

Neben einem berührenden und aufrichtigen Einblick in den Alltag mit Yorick, zeichnet Bauer das liebevolle Bild eines Kindes, das in der Musik pure Freude findet und es liebt zu spielen. Da Yoricks Entwicklung aufgrund der Krankheit stark beeinträchtigt ist, kauft Bauer seinem Sohn beispielsweise zu Weihnachten seit nunmehr zehn Jahren immer wieder dasselbe Spielzeug. Yoricks Freude darüber ist alle Jahre wieder ungetrübt.

Bauers Bericht entstand aus den Einträgen seines Tagebuchs, die er zu einem sehr intimen Brief an seinen Sohn zusammengestellt hat. Darin thematisiert er seine Rolle als Vater, aber auch den beruflich bedingten Zeitmangel, sich um seinen Sohn zu kümmern. Bauer ist hauptberuflich freischaffender Fotograf. Nach einer Ausbildung zum Werbefotografen ist er vorwiegend im Fotojournalismus für internationale Medien tätig und ist beruflich viel im In- und Ausland unterwegs. Seit 1990 fotografiert er in Tibet, Kalkutta und in Indien die Tibetische Diaspora. Die Betreuung des Sohns teilt er sich Bauer mit seiner Ex-Frau.

In Brief an meinen Sohn lassen sich auf jeder Seite die Hoffnungen und die Liebe eines Vaters zu seinem Kind herauslesen. Trotz aller Arbeit und Anstrengung in seinem Leben mit Yorick ist es gerade die emotionale Nähe zwischen Vater und Sohn, die diesen Text bestimmt und ihn zu einem lesenswerten Bericht über ein Leben mit Einschränkungen macht.
                                                                                    
Manuel Bauer: Brief an meinen Sohn. Über die Liebe zu einem behinderten Kind. Zürich: Limmat Verlag, 2017. 96 Seiten. ISBN 978-3-85791-826-1. 17,00 Euro.

 

Spendenaufruf

Die »Kritische Ausgabe – Zeitschrift für Literatur im Dialog« sowie das Online-Magazin wird von einer jungen, ehrenamtlichen Redaktion betreut. Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, mit unserer Arbeit weiterzumachen.

Detaillierte Hinweise für Spenden finden Sie im Impressum.

Wenn Sie mögen, können Sie uns auch ganz einfach unterstützen, während Sie online einkaufen, einen Flug oder Ihren nächsten Urlaub buchen – ohne, dass es Sie mehr als ein paar zusätzliche Mausklicks kostet. Wenn Sie vor dem Einkauf bzw. der Buchung über nachstehenden Button zu einem Online-Shop gehen und dort dann wie gewohnt einkaufen, bekommt die »Kritische Ausgabe« automatisch eine kleine Spende von etwa fünf Prozent des Einkaufswertes gutgeschrieben. Ihnen entstehen dadurch garantiert keine Mehrkosten!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!