Gegen die Zeit

Theresia Enzensberger positioniert sich mit ihrem Debütroman auch als politische Autorin

Morgen geht die Literaturshow Import/Export in eine weitere Runde. Diesmal ist die Autorin Theresia Enzensberger bei Dorian Steinhoff im Literaturhaus Bonn zu Gast. In diesem Jahr hat die Autorin ihren Debütroman Blaupause veröffentlicht, der von der Protagonistin Luise Schilling handelt. Angeregt durch den Wunsch Architektur zu studieren, zieht es sie Anfang der 1920er Jahre nach Weimar.

Den Namen Theresia Enzensberger verbindet man, abgesehen von ihrem berühmten Vater, vor allem mit Journalismus. Nach dem Studium der Filmwissenschaften hat die Autorin immer wieder Beiträge für die ein oder andere große Zeitung verfasst. Seit 2014 gibt sie das Block-Magazin heraus. Charakteristisch für das Medium, das 2016 bei den Lead Awards mit dem Preis als bestes Newcomermagazin ausgezeichnet wurde, ist nicht nur das Geschäftsmodell, sondern auch der Themenmix. Essays reihen sich an Reportagen, aber auch künstlerische Beiträge kommen nicht zu kurz. Das Magazin ist im besten Sinne Beispiel für wildes Denken und versteht sich dabei auch als Antwort auf das »Relevanzgehechel«, das den Journalismus anderswo prägt.

Bei allem, was Enzensberger als Journalistin veröffentlicht, merkt man, dass es ihr vor allem um das Erzählen von Geschichten geht. Kein Wunder also, dass in diesem Jahr ihr Debütroman Blaupause erschienen ist. Das Buch erzählt die Geschichte der Studentin Luise Schilling, die sich nach Weimar aufmacht, um am dortigen Bauhaus bei Lehrern wie Walter Gropius und Johannes Itten Architektur zu studieren. Enzensberger gibt mit ihrem Werk Einblicke in eine Zeit, in der es trotz der Möglichkeit, dass Frauen Kunst studieren können, zu dem ein oder anderen Ressentiment kommt. Es ist eine Phase, die auch maßgeblich durch die politische Stimmung Anfang der 20er Jahre geprägt ist.

Kein typischer Campusroman

Das Zentrum des Debüts bildet aber nicht nur das Bauhaus, das angesichts von Diskussionen über die mangelhaften künstlerischen Fähigkeiten von Frauen, wie sie beispielsweise von Johannes Itten geäußert wurden, längst nicht nur Sinnbild für Revolution ist. Neben dem Kratzen am Mythos der altehrwürdigen Institution schildert Enzensberger in ihrem Roman auch die Geschichte einer Emanzipation. Egal, was auch passiert, Luise Schilling gibt nicht auf und verfolgt ihren Traum weiter.

In Zeiten, in denen die politische Rechte wieder Auftrieb erfährt und auch das Thema Sexismus im Fokus der öffentlichen Debatten ist, ist Blaupause keine bloße Mutmachgeschichte, die im studentischen Milieu angesiedelt ist. Mit ihrem Debüt positioniert sich Enzensberger auch als politische Autorin und liefert ein Statement zur Gegenwart. Man darf gespannt sein, was Enzensberger am morgigen Dienstag um 20 Uhr noch alles zu sagen hat, wenn sie bei Dorian Steinhoff in der Literaturshow Import/Export des Literaturhaus Bonn zu Gast ist.

Theresia Enzensberger: Blaupause. München: Hanser Verlag, 2017. 256 Seiten. ISBN 978-3-446-25643-9. 22 Euro – Auch als E-Book erhältlich.

 

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