Geklickt, geschickt & angefangen

Nicht, dass wir es dem Goethe-Institut in London nicht durchaus gönnen würden. Aber an Nicole Maus ist höchstwahrscheinlich eine großartige Journalistin verloren gegangen. Folgen wir der Darstellung in ihrer Antwort zu Frage sieben in unserem »Germanisten-Fragebogen«, so müssen wir respektvoll den Hut ziehen und eingestehen: Es sieht ganz so aus, als vereinte sie schon zu Schulzeiten Eigenschaften auf sich, um die sich noch manche ganze Zeitschrift glücklich schätzen würde ...Nicht, dass wir es dem Goethe-Institut in London nicht durchaus gönnen würden. Aber an Nicole Maus ist höchstwahrscheinlich eine großartige Journalistin verloren gegangen. Folgen wir der Darstellung in ihrer Antwort zu Frage sieben in unserem »Germanisten-Fragebogen«, so müssen wir respektvoll den Hut ziehen und eingestehen: Es sieht ganz so aus, als vereinte sie schon zu Schulzeiten Eigenschaften auf sich, um die sich noch manche ganze Zeitschrift glücklich schätzen würde. Ebenso leichthändig, wie sie die Schülerzeitung einst quasi im Alleingang erscheinen ließ, ergatterte sie, scheint's, auch ihren Job: Im rechten Moment geklickt, ist sie nun dem Goethe-Institut behilflich, dem Vereinigten Königreich in dessen Kapitale German Culture zu providen. Übrigens: Nicole Maus ist am Freitag, 27. Juni 2008, um 18 Uhr Gast der vom Institut für Germanistik und dem Alumni-Netzwerk der Uni Bonn organisierten Veranstaltung »Germanisten im Beruf«: Gemeinsam mit ihr berichten im Hauptgebäude der Universität Bonn, Institut für Germanistik, Übungsraum im 3. OG, Verlagsmitarbeiterin Barbara Wermann und Unternehmensberater Marius Kursawe über ihren Werdegang nach dem Germanistik-Studium.

 

Und nun – unsere zwölf Fragen, beantwortet von Nicole Maus:

  1. Wie lange und wo haben Sie studiert, welchen Abschluss haben Sie erreicht? War Germanistik Ihr Haupt- oder Nebenfach? Ich habe in Bonn von 1996 bis 2003 Germanistik und Philosophie auf Magister studiert: Neuere Deutsche Literatur im Hauptfach, Philosophie und Altgermanistik als Nebenfächer. Ich war auch häufig bei Veranstaltungen der Komparatisten, Skandinavisten und Anglisten. Zwischendurch war ich ein Jahr in Oxford und habe dort einen Master of Studies in European Literature gemacht, bin aber 2001 wieder nach Bonn zurückgegangen, um pflichtschuldig meinen Bonner M.A. zu beenden (was ein strategischer Fehler war, da es nach 2001 eigentlich keine Stellen für Berufsanfänger mehr gab).
  2. Was hat Sie damals dazu bewogen, Germanistik zu studieren? Ich konnte nicht anders. Ich habe damals quasi rund um die Uhr gelesen, und konnte mir nicht vorstellen, mehrere Jahre meines Lebens an ein Fach zu vergeuden, bei dem die Literatur nicht im Mittelpunkt steht.
  3. Zu welchem Thema haben Sie Ihre Abschlussarbeit eingereicht? »Die Rolle der Medien in Thomas Manns Zauberberg«.
  4. Zu welchen wissenschaftlichen Ergebnissen sind Sie in dieser Arbeit gelangt? Es ging um Initiation, Anatomie und Erkenntnis, um Tod und Verwesung und um das besagte Röntgenbild, das Hans Castorp und Clawdia Chauchat zwischen den Kapiteln austauschen. All das in Verbindung mit einer Kulturgeschichte des Sehens gesetzt zeigte, daß Hans Castorp den gesamten Roman über versucht, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln den Tod aufzuheben, der ihm klar vor Augen steht, als er in Hofrat Behrens’ Dunkelkammer auf das Röntgenbild seiner eigenen durchleuchteten Hand blickt.
  5. Wer war Ihr(e) bevorzugte(r) Professor(in) und was machte sie/ihn aus? Helmut Schneider von der Uni Bonn. Ihn zeichnete aus (und zeichnet es wohl noch immer [Anm. d. Red.: Fraglos!]), daß er ungemein inspirierend, belesen, eloquent, geistreich, querdenkend und humorvoll ist.
  6. Was war / ist Ihr Lieblingsbuch / Lieblingsautor(in) / Lieblingsepoche / Lieblingsgattung / Lieblingsgenre? Der Zauberberg von Thomas Mann, aber auch Uwe Johnsons Jahrestage, Schillers Räuber und Goethes Faust und Juli Zehs gesammelte Werke. Genre fast immer Romane und Erzählungen, Lyrik selten. Lieblingsepoche Ende 19./frühes 20. Jahrhundert und heute.
  7. Wo haben Sie Ihre ersten beruflichen Erfahrungen gesammelt, welche studienbegleitenden Tätigkeiten (Praktika etc.) haben Sie absolviert und dabei ggf. welche Schlüsselqualifikationen erworben? Ich habe einen Haufen Praktika gemacht, die alle sinnvoll waren, aber im Nachhinein habe ich das meiste gelernt, als ich in der 7. Klasse auf der Realschule die Schülerzeitung gegründet und nahezu alleine vollgeschrieben habe. Von den restlichen Mit-Schreibern die Artikel einzutreiben, Werbeanzeigen bei den Geschäften in der Nachbarschaft zu besorgen, trotz aller Tücken die Zeitung pünktlich zum Druck zu bringen und nach der Veröffentlichung den Ärger zwischen Redaktion und dem Lehrerkollegium glattzubügeln, hat mich eigentlich gut auf mein berufliches Leben vorbereitet.
  8. Wie sind Sie nach dem Studium geworden, was Sie nun sind? Und: Wollten Sie es werden? Ich habe mich beworben, so einfach das klingt, und vorher zur rechten Zeit auf die Website des Goethe-Institut Londons geklickt. Bewerbung abgeschickt, eingeladen worden, Zusage erhalten, angefangen. Mir war es vorher nie in den Sinn gekommen, PR für ein Kulturinstitut zu machen. Ich kannte niemanden beim Goethe-Institut und habe auch nie ein Praktikum dort gemacht.
  9. Nützt Ihnen das im Studium erworbene Wissen in Ihrem Beruf – und wenn ja: was? Im Studium, und gerade in einem etwas chaotisch organisierten Massenfach wie Germanistik, lernt man zwangsweise, sich zu organisieren und sich Gehör zu verschaffen. So wie das Studium zu Magisterzeiten organisiert war, hatten wir außerdem den Freiraum, über die Fächergrenzen hinauszudenken und unkonventionelle Fragestellungen anzugehen. Gründlichkeit und genaues Argumentieren nimmt man im Idealfall auch mit, sowie eine Sensibilität für Sprache.
  10. Würden Sie sich heute wieder für ein Germanistik-Studium entscheiden – und warum (nicht)? Ja, sicher – das Studium hat Spaß gemacht, ich habe viel gelernt und ich kann mit der Qualifikation in dem Bereich arbeiten, der mich interessiert.
  11. Wie viele Ihrer (Branchen-)Kollegen haben Germanistik oder ein anderes geisteswissenschaftliches Studium absolviert? Und werden in Ihrem Bereich noch weitere Germanisten bzw. Geisteswissenschaftler gesucht? Kurze Umfrage in den anliegenden Büros – fast alle meiner Kolleginnen und Kollegen haben ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert.
  12. Welche Frage haben Sie an heutige Studierende der Germanistik? Und was würden Sie ihnen raten zu tun (oder zu lassen), um den Sprung von der Uni ins Berufsleben zu schaffen? Warum studieren Sie Germanistik? Ein Ratschlag paßt selten auf alle, daher zwei allgemeine, so allgemein gehalten wie möglich: Machen Sie das, was Ihnen Spaß macht. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten werden sich Ihre Prioritäten mehrmals ändern, doch das, was Sie schon immer gerne gemacht haben, werden Sie vermutlich auch noch Ihr Leben lang gerne machen. Sie werden unglaublich viel Zeit in Ihren Jobs verbringen, also überlegen Sie (und probieren Sie aus), welcher Beruf zu Ihnen paßt. Und gehen Sie mal woanders hin. Das muß nicht notwendigerweise zu einer Anstellung führen, schadet jedoch selten.

 

Nicole Maus (Foto: privat)Nicole Maus, geboren am 9. Mai 1977 in Köln, lebt in London und ist am dortigen Goethe-Institut für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Vorher Germanistik-Studium in Bonn und Oxford, währenddessen freie Journalistin bei der Kölnischen Rundschau, danach freiberufliche Drehbuchlektorin.

(Foto: privat.)

 

In unserer Serie Germanisten im Beruf haben seit 2006 bereits mehr als zwei Dutzend ehemalige Germanistik-Studentinnen und -Studenten Auskunft über ihren Werdegang und den Nutzen ihres Studiums gegeben; der Reihe nach: Martin Sonneborn (Titanic-Redakteur) – Jan Sting (freiberuflicher Journalist) – Axel Joerss (Journalist und Fotograf) – Christine Henschel (Wissenschaftslektorin) – Nikola Richter (Schriftstellerin und Journalistin) – Burkhard Spinnen (Schriftsteller) – Kathrin Passig (Autorin und Geschäftsführerin der »Zentralen Intelligenz Agentur«) – Adam Soboczynski (ZEIT-Redakteur) – Cornelia Schu (wiss. Referentin beim Wissenschaftsrat) – David Eisermann (Kulturjournalist und WDR-Radiomoderator) – Swantje Lichtenstein (Schriftstellerin und – seit Frühjahr 2007 – Professorin an der FH Düsseldorf) – Carla Christiany (Deutschlektorin an der Università di Bologna) – Christoph Wenzel (Mitbegründer und -herausgeber der Literaturzeitschrift [SIC]) – Christian Eichner (promovierter Rechtsanwalt und Germanistik-Habilitand) – Olaf Kutzmutz (Programmleiter Literatur der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel) – Andreas Wilink (Mitbegründer, -herausgeber und leitender Redakteur des Magazins K.WEST – das Feuilleton für NRW) – Tilman Krause (Literaturkritiker und leitender Literatur-Redakteur bei der Welt) – Andrea Vetsch (TV-Moderatorin im Schweizer Fernsehen) – Axel von Ernst (Schriftsteller und Verleger) – Bernd Draser (freiberuflicher Dozent) – Yvonne Büdenhölzer (Dramaturgin) – Reiner-Ernst Ohle (Theaterreferent) – Antje Schnadwinkel (Lektorin) – Maxim Hofmann (Kabarettist) – Sandra Heinrici (Organisationsassistentin der Biennale Bonn 2008). – Weitere »Germanisten, die es geschafft haben«, folgen!

 

 

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