Kunst ganz ungekünstelt
Kunst. Leben. Und keine Kluft dazwischen. Nach den Leiden des jungen Werther bringt der Theaterregisseur Stefan Herrmann nun Geschichten auf die Bühne der Bonner brotfabrik, wie sie nur das Leben schreibt. Authentisch, wahr, unmittelbar und deshalb berührend. Geschichten über Glück und Unglück, Streben und Scheitern, erfüllte und geplatze Träume, von Bonner Laienschauspielern erlebt und erzählt. Eingebettet wird dieses bunte Mosaik aus Einzelschicksalen in die dramatisierte Romanhandlung von Hans Falladas Kleiner Mann, was nun? (1932).
Indem Herrmann Falladas Erfolgsroman mit den Lebensgeschichten der Laiendarsteller parallelisiert und konfrontiert, transzendiert er die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit, durchbricht er Zeit und Raum und holt den Roman in unsere Gegenwart: In der Geschichte der beiden Roman-Hauptfiguren Pinneberg und Lämmchen (gespielt von den Profi-Schauspielern Lisa Bihl und Philip Schlomm) wie in den anekdotischen Einsprengseln der acht Laienschauspieler spiegeln sich die sozialen Verwerfungen unserer wie jener krisenhaften Weimarer Endzeit wider. Wie das junge, frisch verheiratete Paar Pinneberg und Lämmchen wissen auch die schauspielerisch ambitionierten Bonner Bürger von wirtschaftlicher Not, Ausbeutung und Arbeitslosigkeit zu berichten. Immer wieder nehmen sie von den Romanfiguren Impulse oder Stichwörter auf und unterbrechen die Handlung, um ihre eigenen Erfahrungen in Diskussionen und Monologen in das Stück mit einzuweben. Auf einen zärtlichen Kuss des Romanpärchens folgt beispielsweise die amüsante Erzählung einer Liebe auf den ersten Blick. Zeitweise schlüpfen die Laien sogar in die Rollen weiterer Romanfiguren, um etwa als Pinnebergs Vorgesetzter oder Lämmchens Mutter die Handlung weiter voranzutreiben. Trotz seiner komplexen Anlage kommt das Stück ganz ungekünstelt daher. Es ist der beste Beweis dafür, dass Kunst und Leben einander nicht widersprechen, sondern ineinandergehen. Und es ist der beste Beweis für die Aktualität und damit Klassizität von Falladas Roman Kleiner Mann, was nun?. Prädikat: besonders sehenswert! Kleiner Mann was nun?. Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman von Hans Fallada. Regie: Stefan Herrmann. brotfabrik Bonn. Premiere: 17.11.2010 um 20 Uhr. Weitere Vorstellungen: 18./19./20.11.2010 jeweils um 20 Uhr. www.das-streben-nach-glück.de www.brotfabrik-bonn.de Foto: Benedikt Frings Neß. info@benfn.de.
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gelungene Inszenierung,
Verfasst von jugops (nicht überprüft) am 19 November, 2010 - 09:43.
gelungene Inszenierung, ausgezeichnete Regieleistung von Stefan Herrmann, Idealbesetzung mit Philip Schlomm und Lisa Bihl, großes Engagement der Laiendarsteller. Ein Theatererlebnis vom Feinsten!