Malerische Reise eines Vagabunden

Ein Engländer, eine Geige und die große weite Welt

Unterwegs zu sein in einer aufregenden Zeit, das ist nicht ohne. In An einem hellem Morgen ging ich fort erzählt der Autor Laurie Lee von seiner Reise nach Spanien, wo gerade der Spanische Bürgerkrieg tobt. Der autobiographische Roman, der bereits 1969 erschien und längst ein Klassiker der Reiseliteratur ist, liegt nun in einer Neuübersetzung vor. Sie besticht durch eine Sprache, in der selbst Witz und Humor nicht zu kurz kommen.

»Niemand kam. Ich war frei. Bis zum Überdruss frei. Das Schweigen des Tages sagte: Geh, wohin du willst. Dir steht alles offen. Du hast es so gewollt. Jetzt liegt es bei dir. Du bist auf dich gestellt, und niemand wird dich aufhalten.« Mit diesem Worten beginnt im Roman An einem hellen Morgen ging ich fort die Reise eines jungen Mannes namens Laurie Lee, der sein Heimatdorf verlässt, um in die Welt zu ziehen. Nur mit ein wenig Wäsche, einem Zelt, Nahrung und einer Geige ausgerüstet, wandert er zu Fuß über London bis nach Spanien. Er schlägt sich immer wieder als Straßenmusiker durch und lernt schnell, den Musikgeschmack der Menschen einzuschätzen.

In London verdient er sich sein Geld zusätzlich als Hilfsarbeiter auf dem Bau und nachdem sich diese Arbeit dem Ende neigt, beschließt er weiter zu ziehen. Nur wohin? Lee erinnert sich, dass er einmal den Satz »Würden Sie mir bitte ein Glas Wasser geben?« auf Spanisch gehört hat. Damit ist die Entscheidung gefallen. Sein nächstes Ziel lautet Spanien, genauer gesagt führt ihn seine Reise in das Dorf Almuñécar. Lee macht Bekanntschaft mit Menschen, deren Sprache er nicht versteht, und gerät nicht zuletzt auch in die Wirren des Spanischen Bürgerkrieges, ehe er von einem britischen Zerstörer gerettet wird.

Packend durch Witz und Humor

Die Geschichte dieses Vagabunden ist keine Fiktion, sondern gehört zu einer insgesamt drei Teile umfassenden Autobiographie, deren zweiter Teil ebendieser Reisebericht ist. 1914 in Slad, Gloucestershire geboren und 1997 ebendort auch gestorben, hat Lee, der auch als Drehbuchautor arbeitete, durchaus etwas zu erzählen. Mit 15 Jahren verlässt er die Schule und wird Botenjunge. Mit 20 Jahren lebt er schließlich ein Jahr in London und macht sich von dort aus nach Spanien auf, wo er als Freiwilliger gegen Francos Nationalisten kämpft.

Lee hat mit An einem hellen Morgen ging ich fort, das bereits 1969 unter dem Titel As I Walked Out One Midsummer Morning erschienen ist und nun in einer Neuübersetzung ins Deutsche vorliegt, einen großartigen Roman geschaffen. In England ist das Buch nicht nur ein Bestseller, sondern auch ein Klassiker der Reiseliteratur. Lee gelingt es, seine Erfahrungen und Erlebnisse auf ausdrucksvolle Art und Weise zu beschreiben. Kunstvolle Metaphern ziehen sich durch das gesamte Buch und genaue Beschreibungen der Orte nehmen den Leser gewissermaßen mit auf die Reise.

Man hat das Gefühl, während des Lesens mit ihm zu wandern und die Welt zu entdecken. Doch damit nicht genug. Neben diesem besonderen Einblick in das Leben und die Erfahrungen des jungen Engländers, erhält der Leser immer wieder auch Einsicht in verschiedenste Kulturen. Gerade Lees Witz und Humor verwandeln den Reisebericht dabei in eine packende Erzählung, die dazu animiert selbst aufzubrechen. Eine schöne Wiederentdeckung, die sich definitiv zu lesen lohnt.

Laurie Lee: An einem hellen Morgen ging ich fort. Wien: Milena Verlag, 2016. ca. 280 Seiten. 23,90 Euro. ISBN 978-3-90295-073-4. – Auch als E-Book erhältlich.

 

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