Lieben und leben mit der Kunst
In einer weltweiten Premiere gewährt das Wallraf-Richartz-Museum Einblicke in das Leben, die Liebe und das Werk von 13 berühmten Künstlerpaaren. Darunter sind skandalöse Verbindungen wie die von Frida Kahlo und Diego Rivera aber auch harmonische Beziehungen wie die zwischen Paula Modersohn-Becker mit Otto Modersohn und Gabriele Münter mit Wassily Kandinsky. Unter dem Aspekt der persönlichen Lebensumstände der einzelnen Paare wird vor Augen geführt, welche gemeinsamen und unterschiedlichen Vorstellungen von Leben und Kunst sie jeweils geprägt haben und welchen Einfluss dies letztlich auf die künstlerische Produktion hatte. Mit den 100 Exponaten sind Kunstrichtungen vom Expressionismus und der Künstlergemeinschaft Der Blaue Reiter über den russischen Primitivismus und Rayonismus, über Dadaismus und Orphismus bis hin zum amerikanischen Realismus und zum Action Painting vertreten.
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- Auguste Rodin: Der ewige Frühling (um 1884) Foto: © Adam Rzepka/Musée Rodin, Paris
Zu Beginn werden Camille Claudels und Auguste Rodins Skulpturen ausgestellt. Die einen aus Gips, die anderen aus Bronze, übertragen sie alle starke Gefühlsausdrücke, die sich vor allem in den modellierten Gesichtsausdrücken zeigen. Die Bildnisse, die sie voneinander gefertigt haben, datieren aus dem Zeitraum ihres Zusammenlebens. Deren Vergleich verdeutlicht, wie verschieden der Blick war, mit dem der eine den anderen betrachtete: Rodin sah in seiner Geliebten eine zarte, zerbrechliche Schönheit, in sich gekehrt und melancholisch. Camille Claudel stellte Rodin als kraftvollen, dynamischen Charakter dar, dem die Spuren des Alters, er war 24 Jahre älter, markante Gesichtszüge verliehen haben. Die enge Auseinandersetzung mit dem Partner und gegenseitige Inspiration zieht sich wie ein roter Faden durch das künstlerische Werk beider und betrifft die Themenwahl und die Arbeitsweise. Beide schufen Figurengruppen, deren Objekte auch als autonome Kunstwerke existieren konnten. Eine davon, Claudels Flehende, ist in der Ausstellung zu betrachten. In diesem Werk verarbeitete Claudel ihr persönliches Schicksal der dramatisch endenden Beziehung zu Auguste Rodin, der sich von ihr trennte und zu seiner langjährigen Partnerin zurückkehrte. Die Flehende spiegelt Claudels Leid und ihre Verzweiflung, die sie nie überwand. Nach 29-jährigem Psychiatrie-Aufenthalt starb Claudel in völliger Einsamkeit.
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- Otto Modersohn: Sonniger Herbsttag (um 1904) Foto: Worpsweder Kunststiftung Friedrich Netzel/© VG Bild-Kunst, Bonn 2008
Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn verband die Künstlerkolonie Worpswede, die Modersohn mitbegründet hat und in der Paula ihn kennen lernte. Dieser Ort wird in vielen Landschaftsbildern Ottos aufgenommen und häufig ist auch Paula in ihnen zu sehen. In ihrer Anfangszeit in Worpswede befasste sie sich nach Ottos Vorbild mit der Landschaftsmalerei. Häufig malte das Paar zusammen, wählte dieselben Motive und studierte dieselben Modelle. Doch bald beschritt Paula neue Wege: Während es Otto vor allem auf das Einfangen besonderer Stimmungen ankam, arbeitete Paula mit starken Formvereinfachungen. Ihre immer stärker vereinfachende Formsprache, wie in Kniendes Mädchen vor blauem Vorhang, begann Otto zu befremden. Spannungsgeladene Auseinandersetzungen und sogar eine kurze Trennung waren die Folge. Doch die Erwartung eines Kindes führte sie wieder zusammen. Paulas Kinderwunsch, der in den vielen Kinderbildnissen reflektiert wird, erfüllte sich. Das Künstlerpaar gilt heute als vorbildlich, da beide Partner ihren künstlerischen Berufungen folgten, auch wenn sie dafür zeitweise getrennte Wege gehen mussten. Diese Entwicklung inspirierte sie und bereicherte somit ihr Leben.
Bei kaum einem anderen Künstlerpaar waren Leben und Kunst so eng verwoben wie bei Sophie Taeuber und Hans Arp. 28 Jahre verbrachten sie glücklich miteinander in intensivem künstlerischem Austausch. Ihre gemeinsam geschaffenen Werke, die Duo-Arbeiten, zeigen, dass sie ihr Paar-Dasein auch in der Kunst lebten. Zu diesen Arbeiten gehört die Collage, die Hans und Sophie zur Bestimmung ihrer künstlerischen Position nutzten. Ihr Ziel war es dabei, jede persönliche Handschrift im Werk zu vermeiden. Sie verwendeten dazu abstrakte und geometrische Formen, mit denen sie das Unendliche auszudrücken suchten. Den künstlerischen Dialog mit Sophie führte Hans nach deren Tod fort und setzte sich mit ihrer Kunst auseinander.
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- Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely (o. J.) Foto: © Jill Krementz
Neben diesen Künstlerpaaren sind in der Ausstellung Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky, Natalia Gontscharowa und Michail Larionow, Hannah Höch und Raoul Hausmann, Sonia Delaunay-Terk und Robert Delaunay, Georgia O’Keeffe und Alfred Stieglitz, Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely, Lee Krasner und Jackson Pollock und Ray und Charles Eames vertreten. Künstlerpaare – Leben, Kunst, Leidenschaft ist eine sehenswerte Ausstellung, die zum ersten Mal den Partner als gewichtigen Impuls im Leben und Werk eines Künstlers hervorhebt und dessen Einfluss darauf auf interessante und vielfältige Weise pointiert.
Künstlerpaare – Liebe, Kunst und Leidenschaft. Zu sehen bis zum 8. Februar 2009 im Wallraf-Richartz-Museum, Köln (Obenmarspforten; am Kölner Rathaus).
Fotos: © Adam Rzepka/Musée Rodin, Paris (1); Jill Krementz (1); Worpsweder Kunststiftung F. Netzel/VG Bild-Kunst, Bonn (1).
