Mehr Weiblichkeit wagen

SPRING: Ein Magazin von Frauen – aber nicht nur für Frauen!

Wer sich für Comics interessiert, kommt um das SPRING-Magazin nicht herum. Jedes Jahr erscheint eine neue Ausgabe, die nicht nur wegen der Bilder, sondern auch durch feministische Inhalte Zeichen setzt. Besonders deutlich wurde dies im vergangenen Jahr, als unter dem Titel »Privée« ein spannendes Thema der Gegenwart in den Mittelpunkt rückte. Wie bei den anderen Ausgaben schon, überzeugt auch hier die sprudelnde Kreativität der 14 Zeichnerinnen. Ihre Comics machen die Lektüre zu einem besonderen Erlebnis.

Das SPRING-Magazin, 2004 in Hamburg gegründet, publiziert jedes Jahr bemerkenswerte Comics, die sich mal mehr und mal weniger auch aktuellen Fragen der Zeit widmen und dabei eine weibliche Perspektive einnehmen. Doch wer glaubt, es entstünden hier nur Comics für Frauen, irrt. Seit dem vergangenen Jahr gehört die Zeitschrift, in der ausschließlich Frauen publizieren, zum Programm des mairisch verlags. Es ist ein höchst anregendes Projekt von Ausgabe zu Ausgabe unterschiedliche Zeichnerinnen zu versammeln und ihnen auf diese Weise die Möglichkeit zu geben, ihren ganz eigenen Zeichenstil zu verewigen.

Während sich die jüngst erschienene Ausgabe dem Land Indien widmet und dabei auch den Blick auf die Rolle der Frau lenkt, präsentiert sich das SPRING-Magazin im vergangenen Jahr mit dem Titel »Privée« im Kontext feministischer Diskussionen ganz grundsätzlich. Schon zu Beginn der Lektüre begeistert die Aufmachung des Katalogs (selbst die Anzeigen am Ende sind ein künstlerisches Erlebnis): Strahlendes Blau und das Bild einer nackten Frau neben einer Katze auf dem Cover machen neugierig und laden zum Stöbern ein. Die gesamte Ausgabe, die mit 200 Seiten auch recht umfangreich daherkommt, ist in ausgewähltem blau, grün und gelb gehalten. Jede Zeichnerin hat ausreichend Platz für persönliche Geschichten und Bilder.

Auch Raum für sexuelle Phantasien

Der Gegensatz von ›öffentlich‹ und ›privat‹, der den Alltag des Menschen – gerade aber auch der Frauen – prägt, erlaubt es Fragen wie die folgende zu stellen: Wie und vor allem wie sehr beeinflussen diese beiden wichtigen Teile des Lebens uns und die Menschen in unserer Umgebung? Die Antwort darauf fällt individuell aus. Ähnlich verhält es sich auch mit den Comics, die in die 12. Ausgabe des SPRING-Magazins Einzug gefunden haben. Jeder setzt ganz eigene Akzente. So macht der erste Comic der Ausgabe, »Curtains« von Carolin Löbbert, mit seinem Bilderreigen darauf aufmerksam, dass Privatheit bedeutet den Schein zu wahren, während sich Familientragödien hinter geschlossenen Vorhängen abspielen. Vergleichbare Lebensnähe zeigt sich auch bei Katharina Gschwendtners »Kratzen, Nagen, Träumen«. Ein junges Mädchen erlebt darin den Tod ihrer Haustiere. Von ihren Schuldgefühlen sehr mitgenommen träumt sie auf düstere und anrührende Weise von sämtlichen ihrer kleinen Freunde. Die Geschichte ist so packend, dass man sich als Leser automatisch in frühere Lebensabschnitte zurückversetzt fühlt.

Mut zur Hässlichkeit beweist der Comic »Marleen, Heinz, Peter, Gisela, …« von Ulli Lust. Die vier titelgebenden und recht korpulenten Protagonisten werden darin bei sexuellen Spielen begleitet. Auch Partnertausch ist hier Gegenstand der Szenerie. In direkter Verbindung mit dieser Geschichte steht Katrin Stangls »Frag nicht«. Dieser abstrakt gestaltete Comic thematisiert Weiblichkeit, Persönlichkeit und Intimität. Sexuelle Phantasien, wie diese sich von Mensch zu Mensch – oder in diesem Fall von Frau zu Frau – unterscheiden, werden nicht nur angesprochen, auch die Akzeptanz dieser Individualität wird gefordert. Doch Privatheit zeigt sich auch an anderer Stelle und macht dabei gerade auf die Schattenseiten des Feminismus aufmerksam. So beleuchtet der Comic »Cotton Candy« von Shorouk El Hariry und Larissa Bertonasco die Folgen der religiös bedingten körperlichen Verhüllung. Das in dieser Form anzusprechen, ist ein deutliches Zeichen – auch allein schon deshalb, weil es zeigt, wie ambitioniert die weibliche Comic-Szene ist.

Ludmilla Bartscht / Larissa Bertonasco / Ulli Lust / Moki / Katia Fouquet / Almuth Ertl / Katharina Gschwendtner / Line Hoven / Carolin Löbbert / Sophia Martineck / Nina Pagalies / Katrin Stangl / Maria Luisa Witte / Stephanie Wunderlich: SPRING #12: Privée. Hamburg: mairisch verlag, 2015. ca. 200 Seiten. 18 Euro. ISBN 978-3-938539-36-1.

 

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