Mitgemacht!

Das Biennale-Tagebuch: Uyarca (Der Mitmacher)
Tagebuch zur Biennale Bonn 2008 (Logo)Was erlebt die Betreuung der Festivalleitung? Welche Aufgaben stellen sich dem Betreuer einer Künstlergruppe? Und welche Erfahrungen macht man bei der Begleitung von Veranstaltungen? Unser Tagebuch zur Biennale Bonn :Bosporus 2008 ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen des Festivals und zeigt, wie die Teilnehmer eines Projektseminars am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Bonn an der Organisation der Biennale beteiligt sind und dabei wertvolle Erfahrungen sammeln. Heute berichtet David Prochnow von seinen Erlebnissen bei der Betreuung der Produktion »Uyarca« (Der Mitmacher) des Staatstheaters Istanbul.

 

 
Dienstag, 10. Juni '08

Der Mitmacher von Friedrich Dürrenmatt, auf Türkisch Uyarca, also. Gemeinsam mit einer weiteren Studentin soll ich die Betreuung der 24 Personen umfassenden Gruppe vom Staatsheater Istanbul übernehmen. Gottlob spricht die Kommilitonin Türkisch und ich kann mir auf dem Weg zum Flughafen die Aussprache der Namen erklären lassen. Zunächst kommen zwar nur der Regisseur und fünf Mitarbeiter vom eher technisch-dramaturgischen Personal an, doch die erste Nervosität, möglicherweise etwas falsch zu machen oder gar jemanden zu verlieren, ist natürlich da.

Szenenfoto aus <em/>Der Mitmacher (Uyarca). Inszenierung des Staatstheaters Instanbul (Foto: © Müdjat Çoban)
Szenenfoto aus Der Mitmacher (Uyarca)
Inszenierung des Staatstheaters Instanbul
(Foto: © Müdjat Çoban)

Das Stück soll in den Kammerspielen in Bad Godesberg aufgeführt und die Beteiligten in den Hotels der unmittelbaren Umgebung untergebracht werden. Im Grunde scheint auch alles zu funktionieren, doch auf einmal macht das Gerücht die Runde, dass einer der Mitwirkenden mit seinem Bett nicht zufrieden ist und mit Abreise droht, sollte man ihn nicht möglichst rasch mit einem »french bed« ausstatten. Letztlich wird auch dieses Problem, vom zentralen Festivalbüro in der Oper, aus der Welt geschafft. Später wird die Spielstätte besichtigt und mit dem Aufbau des sehr aufwändigen Bühnenbildes begonnen. Hierbei bin ich von eher geringem Nutzen: Weder kann ich, wie meine türkischsprechende Kommilitonin, als Dolmetscher auftreten, noch habe ich genug Ahnung von Bühne und Technik, um hier hilfreich zur Hand gehen zu können. Immerhin kann ich irgendwann einen Tisch herbeischaffen, auf dem die Pläne für die Beleuchtung ausgebreitet werden. Ansonsten sehe ich vor allem zu, frage die angereisten Gäste ab und an, ob ich ihnen irgendwie behilflich sein könne und bestaune das sich langsam entfaltende Bühnenbild und die Konstruktion von Aufzügen und Hebebühnen.

 
Donnerstag, 12. Juni '08

Heute trifft am Flughafen Köln/Bonn der Rest der Gruppe ein. Doch sind es nicht »nur« die 18 Darstellerinnen, Darsteller und Techniker von »Uyarca«, die ankommen, sondern zusätzlich weitere 17 Gäste, die zu anderen Gruppen gehören. Das Chaos ist perfekt und es fällt schwer, den Überblick über die Gruppen zu behalten, die sich mal hier, mal dort durch den Flughafen bewegen. Schließlich gelingt es jedoch, alle in den Reisebus zu verfrachten und loszufahren. Diesmal scheint auch jeder mit Größe, Farbe und Weichheitsgrad der zugewiesenen Betten zufrieden zu sein. Auch die Proben am Nachmittag verlaufen ohne Zwischenfälle.

 
Samstag, 14. Juni '08

Um 19.30 Uhr soll die erste Aufführung des Stückes stattfinden, doch drei Stunden vorher scheint noch niemand vom Team da zu sein. Erst langsam beginnen die Darsteller herein zu tröpfeln. Ähnlich langsam, so wird im Theater gemunkelt, läuft auch der Kartenverkauf. Schade. Doch trotz einiger offensichtlich schlecht koordinierter Abläufe und einem bei weitem nicht ausgelastetem Theatersaal, hebt sich der eiserne Vorhang, der hier als Ersatz für einen richtigen Vorhang dient und das düstere Bühnenbild perfekt unterstreicht, beinahe pünktlich um kurz nach halb acht. Nach der Vorstellung geht es mit der ganzen Gruppe zur Oper, wo mit Essen im Festival-Zelt, dem letzten Film von »A Wall is a Screen« und der Band »Dolapdere Big Gang« einiges an Programm geboten wird, wovon auch die Gruppe begeistert ist.

Foto: © Müdjat Çoban

 

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