Moskau – eine europäische Stadt nach dem Atomschlag

Stellen Sie sich vor, Sie betreten wie jeden Tag die U-Bahn – und sehen erst 25 Jahre später das Tageslicht wieder! Die Zukunft. Ein verheerender Krieg hat weite Teile der Welt in Schutt und Asche gelegt. Nur in den gigantischen U-Bahn-Netzen der Städte haben die Menschen überlebt. Dort unten, in der Tiefe, haben sie eine neue Zivilisation errichtet. Eine Zivilisation, wie es sie noch nie zuvor gegeben hat. Die Zeit: Das Jahr 2033. Der Ort: Moskau.

So empfängt einen die Website zu Dmitry Glukhovskys Roman Metro 2033, den es seit einem Jahr auf Deutsch gibt und der in der Übersetzung mit rund 780 Seiten mehr als doppelt so umfangreich ist wie das russische Original. Das verhindert keineswegs einen soliden Erfolg, denn der Autor tourt gemeinsam mit Schauspieler Robert Stadlober durch die Republik, das Publikum interessiert sich fürs Buch genauso wie für das nach dem Buch entstandene Computerspiel und fragt bei Lesungen bereits nach einer Verfilmung. Der Autor gibt sich unbescheiden, behauptet, kleinere Angebote bereits abgelehnt zu haben und lieber auf eines aus den USA zu warten. Metro 2033 soll ein Blockbuster werden. Dmitry Glukhovsky: Metro 2033Dmitry Glukhovsky, 1979 in Moskau geboren, hat Internationale Beziehungen studiert und arbeitete als Kreml-akkreditierter Journalist für Russia Today und die Deutsche Welle. Gegen die Bezeichnung »Science-Fiction-Autor« wehrt er sich mit dem Hinweis darauf, dass seine Texte ohne Weltall-Monster-Topoi auskommen und, wichtiger, die Wirklichkeit technologische Phantasien schneller einholt als man sie aufschreiben könne. So hält er zwar Russland und Amerika nicht für die politischen Hauptantagonisten, einen Atomschlag infolge von Konflikten unter Schwellenländern aber für wahrscheinlicher denn je. Daher spielt sein Erstling Metro 2033 auch nach einem verheerenden Atomkrieg. Die Moskauer Metro ist der letzte Zufluchtsort weniger Überlebender, die Tunnelzivilisation ist in Fraktionen zerfallen. Es gibt das Handelsimperium der Hanse, arme Schlucker, Faschisten, Kommunisten, Wilde, die dem technikfeindlichen Kult des »Großen Wurms« huldigen, und einiges mehr. Man ernährt sich vor allem von Pilzen und Tee. Zum Teetrinken jedoch bleibt dem jugendlichen Helden Artjom wenig Zeit, da seine Heimatstation von Invasoren attackiert wird. So bricht er zu einer Odyssee durch die Unterwelt auf: Jede Station kann eine dramatische Wende bereithalten … »Auch wenn man die Blaupause solcher Geschichten kennt«, schreibt Ulrich Baron in seiner Spiegel-Besprechung, »gelingt es dem Autor, bekannte Fantasy-Muster originell und spannend zu variieren. Zudem entführt der von David Drevs kongenial übersetzte Roman nicht nach Mittelerde, sondern in eine Welt, deren ursprünglichen Plan man in jeder Moskauer Metrostation betrachten könnte.«

 

Dmitry Glukhovsky und Robert Stadlober bei ihrer Lesung in Berlin (Foto: Crauss.)

Dmitry Glukhovsky stellte sein Buch am 11. März 2009 im Russischen Theater in der Berliner Kulturbrauerei vor. K.A.-Redakteur Crauss war vor Ort, um die Lesung aufzuzeichnen. Die ausschnittsweise Wiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Heyne Verlags.

 

[audio:Glukhovsky110309_1.mp3] Einführung: Dmitry Glukhovsky über die Idee zu seinem Roman, Handlungsorte und Figuren und die Faszination der Moskauer Metro (auf Englisch; ca. 7 min.) [audio:Glukhovsky110309_2.mp3] Lesung: Dmitry Glukhovsky liest eine kurze Passage aus dem russischen Original, anschließend Robert Stadlober ein Kapitel aus der deutschen Übersetzung (ca. 20 min.)

 

Eine ausführliche Leseprobe gibt es auf der Verlagsseite.

 

(Foto: Crauss.)

 

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