Not eines Kritikers

Aus gegebenem Anlass: Ein "Hoch" auf die Urteilskraft

Wenn es einen Berufsstand gibt, der in Bezug auf die sich auf ihn verdichtenden Feindseligkeiten selbst den der Politessen noch um Längen überbietet, dann der des Kritikers. Kritiker sind von Natur aus eine eigenartige Bande: Es wohnt ihrem Tun bereits ein nicht zu verhehlender destruktiver Kern inne: Alles, was sie tun, ist – wie der Name schon verrät: kritisieren. „Das war nicht schön“, „Das hätte schöner sein können“, usw. ... – wer mag solche ewig herummäkelnden Zeitgenossen schon leiden? Der Kritiker hat es daher nicht leicht. Oft muss er Schmähungen erdulden, mal mehr, mal weniger überzeugend, immer aber ausdrucks- und absichtsvoll vorgetragen von solchen, die anderer Meinung sind, entweder weil sie es sein müssen oder weil sie es sein wollen. Und manchmal muss er sich gar einer Opposition aus den eigenen Reihen erwehren. Künstlers Zorn zu spüren bekam nun mit Gerhard Stadelmaier ein Theaterkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In einem ausführlichen Beitrag mit der anschaulichen Überschrift Angriff auf einen Kritiker berichtet er von außerordentlichen Ereignissen bei der Premiere einer Inszenierung von Eugène Ionescos Das große Massakerspiel oder Triumph des Todes am Frankfurter Schauspiel, deren Zeuge er nicht nur wurde, sondern in deren Zentrum er sich unvermittelt wiederfand.

Ich hatte mich auf die Premiere gefreut. Und hätte gerne über sie geschrieben. Doch das geht jetzt nicht.

Mit diesen nüchternen Worten beginnt Stadelmaier seinen Bericht eines denkwürdigen Theaterabends, den er, wie viele andere, so schnell wohl nicht vergessen wird. Dabei fing es beinahe harmlos an: Von masturbierenden Männern wird berichtet, von schwangeren Frauen, deren Fruchtwasser abgezapft und getrunken wird, von Schauspielern, die pausenlos Wasser erbrechen. Nichts wirklich Besonderes also für das Regietheater des 21. Jahrhunderts, außer vielleicht, dass in dieser Inszenierung die Grenzen zwischen Darstellern und Publikum von Anfang an verschwimmen. Bald gebiert die schwangere Frau einen toten Schwan (H5N1? Man weiß es nicht) – und dann passiert's:

Als ich über den toten Schwan, den die Schwangere aus ihrem Fruchtwasser hervorpreßte, zu lächeln wagte, sagte der Schauspieler Thomas Lawinky zu einer Mitspielerin: „Der da” (und da deutete er auf mich) „hat gerade gelacht. Zeig dem mal das Kind.” Dann legten sie mir den toten Schwan in den Schoß, und Herr Lawinky forderte mich auf: „Schreiben Sie, daß das ein schönes Kind ist, schreiben Sie das. Sie sehen doch so klug aus.” Auf meine leise gemurmelte Replik: „Sie leider nicht”, riß er mir meinen Kritikerblock brutal aus der Hand, rannte auf die Spielfläche, hob meinen schönen Spiralblock wie eine Trophäe hoch und schrie: „Wollen mal sehen, was der Kerl geschrieben hat.” Er konnte aber meine Notizen nicht verstehen und gab mir den Block zurück mit den Worten: „Schreib weiter, Junge, der Abend wird noch furchtbar.”

Als Stadelmaier nach „dieser Attacke auf meinen Körper und meine Freiheit, die nichts weniger als die Freiheit der Presse ist“, den geordneten und vollständigen Rückzug antrat, habe Lawinky ihm noch hinterher gerufen: „Hau ab, du Arsch! Verpiß dich! Beifall für den Kritiker!” Und tatsächlich, so berichtet Stadelmaier, sei vereinzelt applaudiert worden. Die Kritikerkollegen indes blieben auf ihren Plätzen, anstatt solidarisch zusammen mit ihrem geschmähten Kollegen den Ort des Tumults zu verlassen. Einer von ihnen erklärte, er habe wissen wollen, worauf das Ganze hinauslaufe. Eine Neugier, die man ihm nicht ganz verübeln kann. Oder hat er vielleicht auch insgeheim gehofft, selbst noch ins Visier der unberechenbar erscheinenden Bühnenkünstler zu geraten? Judith von Sternburg von der Frankfurter Rundschau blieb ebenfalls bis zum Ende und schrieb in ihrer Rezension:

Weil es sich hier um einen relativ bekannten Kritiker der FAZ handelte, muss von Absicht ausgegangen werden. Und so bekam der Abend damit den Untertitel Der Triumph des gekränkten und leider seiner Gekränktheit mit primitiven Worten Ausdruck verleihenden Schauspielers. Hui, wie peinlich.

Lawinky erhielt tags darauf die Kündigung von Intendantin Elisabeth Schweeger (nachdem Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth das gefordert hatte), Stadelmaier, wie er offen bekennt, einen Schock für’s Leben:

Nie auch habe ich mich in meinem über dreißigjährigen Kritiker-Leben so beschmutzt, erniedrigt, beleidigt gefühlt - und so abgrundtief traurig übers Theater.

Freilich räumt er ein, dass die Attacke als Stilmittel der Provokation eine Folge der „strukturellen Logik“ des Regietheaters sei, denn „das blieb als Provokationsmöglichkeit gerade noch übrig“. Das wäre dann nun auch erledigt. Kürzlich sind in der hessischen Metropole die dritten Frankfurter Positionen zu Ende gegangen, deren Thema in diesem Jahr lautete: „Gut ist was gefällt – Versuche über die zeitgenössische Urteilskraft“. Beinahe zynisch klingt nach der Stadelmaier-Attacke das der Veranstaltungsreihe zugrundeliegende Thesenpapier, in dem es unter anderem heißt:

Die Sphäre der Phantasie – die Fähigkeit, Gegenstände in neuen, unvertrauten Weisen zu präsentieren – ist die Domäne der Künste. Also könnten diese vielleicht die Urteilskraft schärfen, doch immerhin sind sie auch auf ein urteilsfreudiges und -fähiges Publikum angewiesen. Ein Teufelskreis?

Im Rahmen der Inszenierung des Ionesco-Stücks, das laut Pressetext „ein Spiel um die Endlichkeit und somit auch um die Eitelkeit der Menschen“ sein will, schloss sich dieser Kreis nun auf fatale Weise, vermischte sich die „Sphäre der Phantasie“ mit der Sphäre der durch den Kritiker vertretenen Öffentlichkeit. Noch einmal Stadelmaier:

Ich bin [aber] nicht im Theater, um mitzumachen. Ich gehöre nicht zum Theater. Ich gehöre zur Öffentlichkeit. Ich bin auch nicht fürs Theater da. Ich bin fürs Publikum da. Wer Kritiker attackiert und beleidigt und anpöbelt, attackiert und beleidigt, bepöbelt das Publikum: die Öffentlichkeit des Theaters.

Bleibt freilich die Frage: Was trieb Lawinky, der sich mittlerweile schriftlich entschuldigt hat, zu seinem Tun? Aus seiner Vita geht hervor, dass er bereits bei einer Inszenierung von Peter Handkes Publikumsbeschimpfung, bei der ebenfalls Sebastian Hartmann Regie führte, mitgewirkt hat. Aber das kann wohl nur sehr bedingt als Erklärungsansatz für das Geschehene dienen. In seinem Online-Bewerbungsvideo stellt Lawinky übrigens entweder Kapitalverbrecher oder Trottel dar. Welche Rolle es war, die er am Donnerstag spielte, darüber dürfte nun noch eine Weile in den Feuilletons gestritten werden – denn das kulturjournalistische Korps wird die gewetzten Messer so schnell nicht beiseite legen.

Spaß an der Vernichtung

Zugegeben: Der Kritiker an sich, das gehört zu seinem frechen Wesen, trägt die Beschimpfungen, denen er ausgesetzt ist, wie Auszeichnungen, frei nach dem Motto: Je dümmer oder heftiger die Replik, desto besser und treffender muss vorab die Kritik gewesen sein. Und längst sind die Rezensenten (und ihre Verleger) ungeniert genug, Bücher herauszugeben, die ausschließlich aus Verrissen bestehen. Sie erheben damit den Verriss irrtümlich zum vornehmsten Ausdruck ihrer Daseinsberechtigung. Das muss freilich in letzter Konsequenz den Groll der Künstler wecken. Der Kabarettist Wolfgang Nitschke bietet als „Hannibal Lector der Buchkritik“ ein Programm mit dem Titel Bestsellerfressen, in dem nichts anderes geschieht, als Bücher und andere Druckwerke zu verreißen, mit allen dazugehörigen Faxen. (Zugegeben: Sein vornehmliches Ziel sind solch denkwürdige Meisterwerke wie die Autobiographien von Dieter Bohlen oder Boris Becker, insofern: chapeau!) Das zeigt immerhin: Das Volk will ihn lesen, den gnadenlosen Verriss, will lesen, wie eine Inszenierung / ein Roman / eine CD in Grund und Boden geschrieben wird. Kurzum: Die Öffentlichkeit hat Spaß an der Vernichtung. Dafür zahlt sie Geld, folglich gibt es einen Markt dafür. Und im Glücksfall will das Publikum dann auch noch selbst lesen oder hören, wie grrrässlich das Werk denn tatsächlich ist oder ob das Theaterstück dank der angeblich missglückten Inszenierung wirklich an die Wand gefahren wird. Beispiele für Uneinigkeiten zwischen den „Sphären“ sind Legion: Für KStA-Theaterrezensentin Susanne Staerk etwa scheint Köln eine Art Diaspora der Schauspielkunst darzustellen, wohingegen die Kölner Theatermacher (denen die Lokalpolitik freilich einen Knüppel nach dem andern zwischen die Beine wirft), konkret befragt, selbstredend jede Provinzialität bestreiten und sich der Fußballmetaphorik bedienen, um verzweifelt etwas internationales Flair um sich herum zu verbreiten: „Wir kratzen am Uefa-Cup!“

„So ein Käse!“

Apropos Fußball: Dispute sind natürlich keineswegs nur auf die schönen Künste beschränkt. Auch Sportler reagieren gerne gereizt auf die über sie berichtenden Journalisten. Erinnert sei daran, dass es selbst ein „Sympathieträger“ wie Rudi Völler einst in einer improvisierten „So ein Käse!“-Rede live und in Farbe unternahm, TV-Moderator Waldemar Hartmann nach Kritik am Spiel zu unterstellen, er habe gut reden, schließlich habe er sich das Spiel gemütlich mit drei Weißbier angeschaut. Also selbst dort, wo sich Aufwand und Ertrag weitestgehend unzweideutig in zählbaren Resultaten ausdrücken, gibt es scheinbar noch eine Menge Diskussions- und Konfliktpotenzial. Aber zurück zur Kunst, zur Literatur, wo Zahlen in der Regel erst in der Verlagsbilanz eine Rolle spielen. Joachim Unseld von der Frankfurter Verlagsanstalt hielt erst kürzlich in einem Radiointerview ein Hohelied auf die professionellen Kritiker: Nur gutbezahlte und als solche fest angestellte Kritiker seien in der Lage, sich die Zeit und die Muße zu nehmen, um ein möglicherweise komplexes Werk eines Schriftstellers überhaupt erfassen und angemessen besprechen zu können. Das geschehe zum Wohle der Leser und damit auch zum Wohle der Verlage. Darauf könne man im Literaturbetrieb schlichtweg nicht verzichten. Diesen „Hoheitsanspruch“ legt etwa die österreichische Schriftstellerin Marlene Streeruwitz wiederum so aus, dass es in erster Linie gar „nicht um die Qualität der Literatur gehe“, sondern um eine „Zugangsregelung zum Territorium Literatur“ und damit „vor allem um Macht“.

„Schlagt ihn tot, den Hund! Er ist ein Rezensent!“

Machtansprüche hin oder her: Lawinky hat sich mit seiner Aktion wohl in die übrigens durchaus prominent besetzte Top-Ten der Kritiker-Beschimpfer katapultiert. Unangefochten auf Platz 1 dieser ungeschriebenen Rangliste: J. W. v. Goethe mit seinem Sturm-und-Drang-Vers: „Schlagt ihn tot, den Hund! Er ist ein Rezensent!“ Freilich war der gute Goethe selbst ein fleißiger Rezensent, der übrigens zwischen „produktiver“ und „zerstörender Kritik“ unterschied. Die Brüder Friedrich und Wilhelm Schlegel setzten in der Romantik die Tradition der Literaturkritik fort, „unterhaltsam“ (weil: persönlich) wurde es aber erst mit Heinrich Heine und Ludwig Börne (die darob schließlich aneinander gerieten). Und Franz Grillparzer verspottet in einem Gedicht den Kritiker Wolfgang Menzel, der den „Musenpapp / vermischt mit seinem Geifer“ in die Münder des Publikums träufele. Auf den Plätzen folgen unter anderem Martin Walser mit seinen Mordphantasien gegen einen Literaturkritiker in dem Roman Tod eines Kritikers. Nicht wenige wollen nämlichen Kritiker als Marcel Reich-Ranicki wiedererkannt haben, als erster übrigens FAZ-Feuilletonchef Frank Schirrmacher, der den Skandal damals erst ins Rollen brachte und der im Fall Stadelmaier nun schon wieder seine schützende Publizistenhand über einen Kritiker aus den eigenen Reihen halten muss. Bodo Kirchhoffs Schundroman blieb dabei nur die Rolle der zweiten Geige, zumal er unmittelbar nach Walsers Roman erschien und sich wohl auch kein Kritiker persönlich wiedererkannte. (Kirchhoff gegen Walser verteidigte übrigens einst Frank Auffenberg in der Kritischen Ausgabe.) Auch Günter Grass pflegte einen lange anhaltenden Groll gegen Reich-Ranicki, nachdem der seinen Roman Ein weites Feld verrissen hatte. Und Journalistenschelte gegen den Kronen-Zeitungs-Kolumnisten mit dem Pseudonym „Staberl“ betrieb Elfriede Jelinek mit dem Drama Stecken, Stab und Stangl.

Beschimpfen Sie uns!

Als Konsequenz aus diesem „Massakerspiel“ möchten wir Sie, sehr verehrte Leserinnen und Leser, daher abschließend freundlichst dazu auffordern: Beschimpfen Sie uns! Kritisieren Sie unsere Kritiken nach Kräften, mäkeln Sie an unserem Urteil herum, machen Sie uns fertig! Es hängt nichts weniger als unser Renommee davon ab! Wir sind schließlich die, bitteschön, Kritische Ausgabe. Unsere Kommentar-Funktion lechzt geradezu nach Schmähung und Beschimpfung, Allgemeinplätzen („Sie würden wohl selbst gerne mal einen Roman schreiben!“) und Unterstellungen („Sie haben das Buch doch gar nicht gelesen!“). Trauen Sie Ihren Vorurteilen! Unsere Rezensionsrubrik bietet für alle etwas Passendes an – schauen Sie einfach mal rein! Wer von Ihnen indes mehr auf einfache Buchtipps oder gar Gefälligkeitsrezensionen steht, der ist woanders sicherlich besser aufgehoben. Dort kann man mitunter auch auf Autoren stoßen, die ihre eigenen Werke rezensieren und die ihrer Kollegen verreißen. Und mit etwas Fleiß sogar selbst als „Top-Rezensent“ in die digitalen Annalen dieses kapitalen Druckwerk-Umschlagplatzes eingehen. Schön, dass wir drüber gesprochen haben!

 

Addendum (21.2.2006): In der Sache Lawinky / Stadelmaier hat sich die zu erwartende Reaktionswelle nach dem Wochenende durchaus merklich eher zu Gunsten des Darstellers und zu Ungunsten des Kritikers ergossen. Unter anderem erklärte Claus Peymann, der allen Unkenrufen zum Trotz wohl noch immer als Intendant des „Berliner Ensembles“ gelten darf, Lawinky sei eingeladen, Mitglied des "BE" zu werden:

"Im Gegensatz zu Frankfurt sind im Berliner Ensemble die Haupttugenden des Theaters ausdrücklich erwünscht: Phantasie und Improvisation, Frechheit und Toleranz, Selbstironie, Sex, Geschmacklosigkeit, Subversion, Unsittlichkeit, Irrsinn und Gelächter, Obszönität, Blasphemie, Ironie, Publikums-, Kritiker- und Selbstbeschimpfung und so weiter und so fort bis ans Tor der Hölle."

Theaterregisseur Christoph Schlingensief, Vorsteher aller Grenzüberschreiter in deutschen Theatern, erläuterte in einem Interview mit der Netzeitung relativ lakonisch zu Stadelmaier: "Seine Zeiten als Starkritiker sind vorbei." Vor allem wird die Kündigung Lawinkys, die offenbar auf Weisung von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth erfolgte, vielstimmig und nachdrücklich in Frage gestellt. Peter Michalzik von der Frankfurter Rundschau zitiert in seinem heutigen Beitrag unter anderem den Regisseur Nicolas Stemann:

"Es ist erstaunlich, wie schnell und widerspruchslos sich die Leitung des Theaters sowie die Regierung der Stadt mit der subjektiven Gefühlswelt eines einzelnen Kritikers synchronisieren, anstatt zunächst einmal ihre Künstler und deren Arbeit zu verteidigen und zu stützen - selbst wenn diese zu weit gegangen sein mögen. Ein Bekenntnis zur Freiheit der Kunst sucht man in allen Stellungnahmen vergebens! Wie der in die Vorfälle verwickelte Kritiker ja selbst schreibt, ist man im Theater mittlerweile einiges gewohnt - dass aber ein einzelner Kritiker eine Stadt und ein Theater offensichtlich so fest im Griff hat, dass er deren Personalpolitik diktieren kann, ist meines Wissens neu und macht aufhorchen!"

Und dann ist da noch in selbigem FR-Artikel dieser Klammersatz:

(siehe auch das Interview mit Schweeger im Lokalteil)

..., der uns irgendwie völlig unvermittelt an diese Meldung erinnert hat. Immerhin ist das aufschlussreiche Interview im Internet auch überregional abrufbar. Thomas Lawinky selbst kommt ebenfalls zu Wort, in diesem Beitrag aus dem Tagesspiegel sowie in diesem Interview. Mit Gerhard Stadelmaier sprach die Süddeutsche, keineswegs unkritisch. Die FAZ veröffentlichte am Montag nur noch die kurze Meldung, dass Lawinky entlassen worden sei. Aber, ja, besonders wollen wir darauf hinweisen, dass sich ein Leser der FAZ scheinbar dazu aufgefordert fühlte, in einem Kommentar auf Stadelmaiers Beitrag ("Bravo Herr Lawinky !!!") in Bezug auf die Kritiker im Allgemeinen zu fordern:

Schafft doch endlich diesen überflüssigen Berufsstand ab !!!

Wie lautete noch gleich dieser Slogan zu den FAZ-Lesern? Ach ja: "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf!" Addendum (27. März 2006): Lawinky gibt der SZ ein interessantes Interview, Stasi-Geständnis inklusive: Deckname: Beckett.

[...] Man muß ja den

[...] Man muß ja den “Theaterskandal”, über den jetzt allenthalben herumgewurschtelt wird, nicht unbedingt ernstnehmen. Der Regisseur findet es befremdlich, wie Politik und Theaterleitung reagierten, und wenn man das wehleidige Interview liest, das Gerhard Stadelmaier der Süddeutschen gegeben hat, dann ahnt man, daß hier noch anderes im Spiel sein könnte. Nicht unbedingt die “Mann oder Memme”-Frage, die Thomas Knüwer ins Gespräch brachte. (Der damit zugleich ganz unschöne Geschlechterfragen touchiert: Darf denn ein Mann keine Memme, kein verweichlichter Kritiker sein? Doch, darf er. Auch wenn’s nervt.) [...]

Goethe gibt einem den Rat,

Goethe gibt einem den Rat, man solle einem Rezensenten niemals antworten, es sei denn, er behaupte in seiner Rezension, man habe zwölf silberne Löffel gestohlen – [...]

Mit diesem Rekurs auf den Alten aus Weimar beginnt Max Frisch einen sehr lesenswerten Abschnitt in seinem Tagebuch 1946–1949 (GW II, 638-642), in dem er schon über die Thematik »Rezensionen« sinniert und im Übrigen konstatiert: »Es ist schwierig ein Rezensent zu sein.« ;-)

 

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