Nur die Liebe zählt

Die Skandinavischen Filmtage Bonn feiern mit dem Boxerfilm Hymyilevä mies 100 Jahre Finnland

Dieses Jahr gibt es bei den Skandinavischen Filmtage Bonn, die noch bis zum 25. Mai dauern, etwas Besonderes zu feiern: Finnland wird 100 Jahre alt. Aus diesem Anlass zeigten die Macher des Festivals vergangenen Freitag Hymyilevä mies. In Cannes im vergangenen Jahr mit dem Preis Un Certain Regard ausgezeichnet, führt der Film vor Augen, dass es im Leben eines Boxers nicht nur auf den Erfolg im Ring ankommt.

Festivals wie die Skandinavischen Filmtage Bonn haben ihre ganz eigene Dramaturgie. Es passiert immer etwas Besonderes. In Bonn sind es an diesem Abend nicht nur die Zimtschnecken, die anlässlich des 100-jährigen Geburtstags Finnlands verzehrt werden, oder die Begrüßung der Kinobesucher durch die Mitwirkenden des Festivals im Boxerkostüm. Per Videobotschaft meldet sich auch Juho Kuosmanen, der Regisseur des Films Hymyilevä mies, zu Wort. Unterlegt von einigen Standbildern vom Dreh des Films gibt der Regisseur kurz einen Einblick in den Prozess der Entstehung und philosophiert über das Motiv des Erfolgs an sich.

In Hymyilevä mies dreht sich scheinbar alles um den Erfolg und Misserfolg des Boxers Olli Mäki. Anstatt in der bisher ihm gewohnten Leichtgewicht-Kategorie soll er dieses Mal auf Wunsch seines Trainers und Managers Elis Ask in der Fliegengewicht-Kategorie gegen den berühmten Davey Moore antreten, auch wenn er dafür noch zu viel wiegt. Seine Trainingseinheiten werden immer wieder unterbrochen von dem Zusammenkommen mit Raija, in die sich Olli nach und nach immer mehr verliebt. Die Momente, die er mit Raija verbringt, sind so unbeschwert inszeniert, dass sich die Frage stellt, was ihm der professionelle Boxsport im Vergleich zu den rasanten Radfahrten im Regen und schüchternen Küssen überhaupt geben kann.

Neben leichtfüßigen auch aggressive Szenen

Olli nimmt Raija mit zum Vorbereitungstraining in Helsinki, begleitet von seinem besorgten und ehrgeizigen Trainer und dem Wissen, dass er noch mehrere Kilos abnehmen muss, um überhaupt antreten zu dürfen. Dort angekommen, wird er von der Aufmerksamkeit der Medien überrumpelt: Alle wollen Fotos mit ihm machen, Dokumentarfilme seines Trainings drehen und Fragen beantwortet bekommen, denn der Boxkampf wird als Großereignis Finnlands gehandelt. Olli Mäki ist die Unbehaglichkeit anzumerken; sein Gesicht hellt sich erst auf, als er abseits der lauten Menge Raijas Gesicht erblickt. In diesem Moment ist klar, dass nicht der Erfolg seines Boxkampfes darüber entscheidet, ob der Tag zum glücklichsten seines Lebens wird, sondern allein die Frage, ob Raija ihn heiraten wird und sie sich weiter lieben können.

Komplett in Schwarz-Weiß gedreht, führt Hymyilevä mies durch die Tage vor dem Kampf und durch den Boxkampf selbst, zeigt die Anstrengungen, die Olli und sein Manager auf sich nehmen, um vorbereitet antreten zu können und auch, dass Erfolg und Misserfolg manchmal nur einen Faustschlag oder einen Kuss voneinander getrennt sind. Das Blitzlichtgewitter, das den Werdegang begleitet, wirkt im Gegensatz zu anderen Boxfilmen wie eine lästige Kulisse, die einen nur am wahren Leben und Lieben hindert. Neben leichtfüßigen und lebensbejahenden Momenten finden sich auch äußerst aggressive Szenen, die den Film kontrastreich gestalten, die aber nie zu willkürlich wirken, sondern sich immer gut in den Stil und Verlauf des Films einfügen. Dem Boxer Olli kann man dabei jeden Zweifel und jedes verlorene Gramm ansehen. Sein Gesicht ist so prägnant, dass es schon fast alleine ausreicht, um diese Geschichte zu erzählen.

Hymyilevä mies, Regie: Juho Kuosmanen; Cast: Jarkko Lahti, Oona Airola, Finnland / Schweden / Deutschland 2016; 92 min.

 

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