Roman »Meere« ist nicht mehr verboten

Alban Nikolai Herbst teilt mit, dass sein verbotener Roman Meere seit Dienstag wieder frei sei. Das Berliner Landgericht, so verkündet er in seinem Weblog »Die Dschungel. Anderswelt«, habe das Verbot aufgehoben, nachdem er zuvor einer geänderten Fassung zugestimmt habe.

Diese geänderte, wie er sie nennt: »Persische« Fassung , die »in Einzelheiten bezüglich einiger Personen der Handlung differiert, aber weder in der poetischen Form und Valenz, noch in den laut manchen Presseberichten vorgeblich inkriminierten Stellen«, werde er nun »öffentlich vertreten«. Zu diesem Entschluss sei er »aus eigener Entscheidung und ohne Druck von außen« gekommen. Die neue, letztgültige Fassung habe sogar noch eine weitere Ebene hinzugewonnen.

Wo diese Fassung freilich veröffentlicht werde, das lässt Herbst noch offen. Denn der Marebuchverlag in Hamburg, wo Meere in der von Denis Scheck als Herausgeber betreuten »marebuchbibliothek« 2003 als Band zehn erschienen ist, erklärt, für den Verlag habe sich durch dieses Urteil nichts geändert.

Herbst äußert sich wie folgt dazu: »MEERE wird, so viel will ich bereits verraten, in kürzester Zeit wieder für Sie in einer Druckfassung am Markt erreichbar sein. Wie und in welcher Gestalt, darüber möchte ich spannungshalber gern noch ein bißchen schweigen.« Das Urteil sei für ihn, Herbst, »leider aber noch nicht für den marebuch-Verlag rechtsgültig erfolgt«. Er geht aber davon aus, dass »diese letzte Fassung von ihm veröffentlicht werden dürfte.«

Der Roman war richterlich verboten worden, nachdem sich eine Person in dem Roman wiedererkannt hatte und damit ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sah. Ein ähnlicher Fall ist der Roman »Esra« von Maxim Biller. Dieses Buch ist nach wie vor verboten.

In diesem Zusammenhang wollen wir auf eine sehr treffende Besprechung zu Bernhard von Beckers »Fiktion und Wirklichkeit im Roman. Der Schlüsselprozess um das Buch ›Esra‹« von Jan-Frederik Bandel in der zweiten Ausgabe der Zeitschrift »Kultur & Gespenster« hinweisen. Der Artikel ist leider nicht online verfügbar.

Wenn es zunächst auch nur wie

Wenn es zunächst auch nur wie eine juristische Feinheit erscheint, so können wir dennoch absolut verstehen, dass Sie, sehr geehrter Herr Herbst, Wert auf die Unterscheidung zwischen "zugestimmt" und "vorgeschlagen" legen. Daher vielen Dank für Ihren Hinweis!
Unseren Lesern möchten wir indes nicht verschweigen, dass die VOLLTEXT die angedeutete "Persische Fassung" von "Meere" in ihrer April-Ausgabe abdrucken wird, und zwar erstaunlicherweise komplett. Ein Interview mit VOLLTEXT-Chefredakteur Thomas Keul zu diesem Thema bringt der BuchMarkt.

Ich habe nicht "zugestimmt",

Ich habe nicht "zugestimmt", sondern aus eigener Entscheidung selbst vorgeschlagen - übrigens bereits 2003 zu Anfang des Prozesses. Nachdem sich vor dem Landgericht Berlin am 6. 3. 2007 nach meinem Widerspruch die gegen mich erwirkten Einstweiligen Verfügungen erledigt hatten, habe ich aus freien Stücken und ohne Zwang meine Entscheidung zu Protokoll gegeben, "ohne Anerkennung einer Rechtspflicht", wie so etwas in juristischem Deutsch genannt wird. Es ist mir wichtig, daß das so auch verstanden wird. Der Kläger verstand es, die Richter verstanden es - weshalb also sollten es nicht auch die Leser der Kritischen Ausgabe verstehen?

ANH

 

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