Umherirren im Leben

Die Skandinavischen Filmtage Bonn zeigten Aki Kaurismäkis zweiten Teil seiner Flüchtlingstrilogie

Letzte Woche endeten die Skandinavischen Filmtage Bonn. Im breit gefächerten Programm zeigten die Macher auch Aki Kaurismäkis neustes Werk Toivon tuolla puolen, der in diesem Jahr auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. Der Film widmet sich der gegenwärtigen Flüchtlingsproblematik mit Humor, Respekt sowie einer gewissen Tragik und ist damit erstaunlich nah an der Zeit.

Der zweiten finnische Film, den die Skandinavischen Filmtage Bonn in der vergangenen Woche in Kooperation mit Suomi Finland 100, gezeigt haben, ist der neuste Film des renommierten Regisseurs Aki Kaurismäki Toivon tuolla puolen. Besondere Aufmerksamkeit war bei diesem Film, der in diesem Jahr bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde, geboten, denn laut Kaurismäki soll dies sein letzter Film sein, auch wenn der Trilogieaufbau seiner Filme und die Tatsache, dass er schon mal mit solch einer Vorankündigung gedroht hat, durchaus auf einen weiteren Film hoffen lassen.

Der Flüchtling Khaled Ali beantragt nach seiner Odyssee von Syrien bis nach Finnland Asyl und wird in einem Aufnahmezentrum einquartiert. Getrieben von der Hoffnung, seine Schwester wiederzufinden, versucht er die kargen Lebensbedingungen zu akzeptieren und ist sich sicher, dass die Kriegszustände in seinem Heimatland ihn zum anerkannten Flüchtling machen werden und er bald auch wieder arbeiten gehen darf. Zeitgleich krempelt der heimische Finne Wilkström nach der vorläufigen Trennung von seiner Frau sein Leben um. Er verkauft sein Hemdenlager, vermehrt sein Vermögen beim Pokern und kauft ein – nett formuliert – verbesserungswürdiges Restaurant samt Angestellten.

Die Missachtung menschlicher Dramen

Was diese beiden verschiedenen Charaktere zusammenführt, ist die Tragik der europäischen Flüchtlingskrise und der Umgang des finnischen Staates mit ihr. Der Umgang wird nicht zu plump, aber doch sehr einprägsam von Kaurismäki kritisiert: Khaleds Antrag wird abgelehnt, er soll abgeschoben werden, obwohl ihn seiner Heimatstadt Aleppo unter anderem ein Kinderkrankenhaus bombiert wird, unzählige Menschen sterben und die Medien von Krieg reden. Weil Khaled nicht in den Tod geschickt werden möchte, flieht er aus dem Aufnahmezentrum und trifft auf Wilkstöm, der ihn nach einer kurzen Prügelei aufnimmt, obwohl er immer noch versucht sein Restaurant und sein neues Leben zusammenzuhalten.

Mit teilweise schwarzem Humor und absurden Situationen zeigt Kaurismäki in simplen, aber ausgereiften Bildern, was sich auf der anderen Seite der Hoffnung befindet: Die Missachtung menschlicher Dramen aufgrund falscher staatlicher Prioritäten und Ideologien innerhalb bestimmter Bevölkerungsgruppen. Nicht zuletzt lenkt er den Blick aber auch auf das Umherirren im Leben, bei dem man nach allem greift, was diesem zwischen dem Verkauf von Hemden oder Sushi Sinn verleiht.

Toivon tuolla puolen. FI/D 2017; Regie: Aki Kaurismäki; Cast: Sherwan Haji, Sakari Kuosmanen; 98 min.

 

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