Vor dem Abriss bewahrt: Konzerthaus. Festsaal. Denkmal.

Ein kürzlich erschienener Kolloquiumsband widmet sich den verschiedenen Aspekten um die Bonner Beethovenhalle

Der Entschluss, die Beethovenhalle abzureißen, stand kurz bevor. Für den Neubau eines neuen Festspielhauses gab es die Wahl zwischen von zwei kostspieligen Designerikonen, von denen eine am Standort der Beethovenhalle erstehen sollte. Viele Bürger waren ratlos, es schien keine Möglichkeit zu geben ihre Stadthalle aus der Nachkriegszeit zu retten. Im April 2010 kam dann die Nachricht, dass der Oberbürgermeister und die Vorstandsvorsitzenden der drei Bonner Dax-Unternehmen die Pläne ein Festspielhaus zu bauen vorerst nicht weiter verfolgen werden. Der Unmut der Bürgerschaft und Aktionen für den Erhalt der Halle waren nicht ganz umsonst, wie sich zeigte. Erst einmal ist die Beethovenhalle der Zerstörung entgangen. Ein großes Aufatmen geht durch die Gemeinde der Bürgerinitiative »ProBeethovenhalle« und wahrscheinlich auch durch eine ganze Reihe weiterer Bonner Bürger, die die Beethovenhalle lieben gelernt und sich besonders in den letzten Monaten für ihren Erhalt eingesetzt haben.

»Brennpunkt Beethovenhalle«
Beethovenhalle Bonn, Innenansicht (Foto: © Hans Schafgans)
Innen-Impression aus der Bonner Beethovenhalle
Foto: © Hans Schafgans

 

Die Beethovenhalle ist nur ein Gebäude von vielen, die eigentlich denkmalgeschützt sind bzw. sein sollten, aber trotzdem neuen modernen Bauten weichen sollen. Die Diskussion brandet immer wieder auf: Soll man das Alte vergessen, damit etwas Neues entstehen kann? Soll man das Alte erhalten? Kann man einen Kompromiss finden? Eine pauschale Antwort kann man sicherlich nicht geben. Für jedes Gebäude und Objekt muss die Diskussion wieder neu geführt werden. Hallen, wie die Beethovenhalle, mit einem multifunktionalen Charakter sind in Deutschland in der Nachkriegszeit mehrere entstanden (zum Beispiel die Referenzbauten zur Beethovenhalle, wie die Liederhalle in Stuttgart und dem Kölner Gürzenich) und eine ganze Reihe von ihnen zeigen nun ähnliche Alterserscheinungen auf. Wie die Beethovenhalle müssen sie renoviert und restauriert werden; Denkmalschutz eben. Wie das aussehen kann, zeigt die Stuttgarter Liederhalle. In den 1990er Jahren wurde diese erfolgreich modernisiert und instandgesetzt. 96 Prozent der ursprünglichen Betonfassade des dortigen Beethovensaals, welche unter Wetter und Alter gelitten hatte, konnte nach der Sanierung erhalten bleiben. Eine Mischung aus reversiblen Umbauten, dauerhaften Veränderungen und Reparaturen, sowohl Innen als auch Außen, haben zum Ergebnis, dass die Liederhalle wieder in ihrem ursprünglichen Glanz erstrahlt; ein Abriss des Denkmals war unnötig. Auch der Kölner Gürzenich, ursprünglich ein mittelalterlicher Profanbau, gab Mitte der 1990er Jahre Anlass zu einer lebhaften Diskussion um Erhalt von originaler Bausubstanz im Gegensatz zu neuen modernen Einbauten, wie etwa Personenaufzügen. Hier wurde in Zusammenarbeit mit dem Denkmalpflegeamt eine Lösung gefunden, die zur »Erhaltung eines der wichtigsten Dokumente der Kölner Wiederaufbauphase« beigetragen hat. Diese Fallbeispiele von Restauration statt Abriss finden sich auch im Kolloquiumsband. Die Autorin Marion Grams-Thieme betont dabei besonders das »konstruktive und vertrauensvolle Miteinander« aller am Bau beteiligter Parteien. Dies ist auch der Bonner Beethovenhalle in Zukunft zu wünschen.

Eine Ehrung für die Initiative

Die »Inititative Beethovenhalle«, die durch besonderes Engagement und herausragende Eigeninitiative der Studenten des kunsthistorischen Institutes der Universität Bonn ins Leben gerufen und konsequent weitergeführt wurde, wird nun auch von öffentlicher Seite geehrt. Am 8.11.2010 wird der »Initiative Beethovenhalle« in Kiel der Deutsche Preis für Denkmalschutz verliehen, die höchste Auszeichnung in diesem Bereich. Das Präsidium des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz begründet seine Entscheidung mit den Worten:

Die Silberne Halbkugel erhalten: […] Initiative Beethovenhalle, Bonn, für ihren großen Einsatz und ihre Phantasie zur Rettung eines Denkmals der 1950er Jahre. Durch zahlreiche öffentlichkeitswirksame Aktivitäten hat die studentische Initiative in vorbildlicher Weise die baukünstlerische und denkmalwürdige Bedeutung der Bonner Beethovenhalle einer breiten Öffentlichkeit ins Bewusstsein gebracht.

 

Martin Bredenbeck/Constanze Moneke/Martin Neubacher (Hrsg.): BEETHOVENHALLE BONN. Konzerthaus. Festsaal. Denkmal. Bonn: Weidle Verlag, 2010. 208 Seiten. 19,90 Euro. ISBN 978-3-938803-28-8.

 

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