»Wie man (k)einen erfolgreichen Roman schreibt«
Marcel Diel, 7. November 2004, 16:53 Uhr
Die Literaturzeitschrift Federwelt wird gefördert vom Bundesverband junger AutorInnen (BVjA) und erscheint seit 1998 sechs Mal pro Jahr mit der Zielsetzung, "dem tödlichen Geniekult entgegen[zuwirken], der die deutsche Literatur lange gelähmt hat", indem sie die Ansicht pflegt und vertritt, "dass das Schreiben zum größten Teil ein erlernbares Handwerk ist" und daher in erster Linie "praktische Artikel zu verschiedenen Themenbereichen des Schreibens" präsentiert.
Dieser Zielsetzung folgt auch die aktuelle Ausgabe zum schönen Thema "Wie man keinen erfolgreichen Roman schreibt".
Im Titelbeitrag erläutert Fantasy-Autor Andreas Gruber ebenso unterhaltsam wie lehrreich die typischen Tücken des Romanschreibens:
Verschwenden Sie keine Zeit, um Handlung, Schauplätze und Charaktere zu entwickeln, denn die entwickeln im Laufe des Schreibens ohnehin ein Eigenleben, das Sie als Autor nicht mehr steuern können. Wozu also den Prozess der Kreativität und Spontaneität behindern, etwa durch den Entwurf eines in sich stimmigen Exposés, eines plausiblen Konzepts, raffiniert in die Handlung eingeflochtener Exposition und langwieriger Dossiers aller Protagonisten, die ohnehin kein Mensch braucht, da Sie sowieso nur einen Bruchteil dessen in Ihrem Roman verwenden würden?
Als Faustregel kann daher gelten: Einfach drauf losschreiben! Dadurch ergeben sich zwangsläufig Widersprüche in der Handlung und Unstimmigkeiten der einzelnen Charaktere, wodurch die Elemente der Geschichte zu keinem einheitlichen Ganzen zusammenpassen, sodass sich der Roman zu einem Lesegenuss voller überraschender Wendungen entpuppt, der dem Leser noch lange in Erinnerung bleiben wird.
(Der komplette Artikel findet sich übrigens auch auf der Homepage des Autors.)
Lesenswerte Tipps für Autor/inn/en hält auch Federwelt-Herausgeberin Kathrin Lange bereit, die sich in ihrem Beitrag dem Problem widmet, "… einen Roman fertig [zu] bekommen", und dabei unter anderem auf den "Mythos" der Schreibblockade und probate Mittel zur Eigenmotivation zu sprechen kommt, die so manchen der inzwischen zahlreichen Romanratgeber überflüssig erscheinen lassen (und hier freilich der Motivation zur Anschaffung des Heftes wegen nicht verraten werden sollen).
Des weiteren berichten Axel Klingenberg und Karsten Lieberam-Schmidt von ihren Erlebnissen bei Poetry Slams, und Dieter Wellershoff gibt im Interview nicht nur Einblick in sein Leben, Denken und Schaffen, sondern auch die ein oder andere Empfehlung für "Nachwuchsautoren":
Ich glaube das Entscheidende ist, dass man den Kernpunkt seines Interesses am Leben findet, und man soll das nicht marktorientiert tun. Also ein Autor, so wie ich ihn verstehe, ist nicht jemand, der sich überlegt, was könnte denn jetzt aktuell sein, sondern, was will ich schreiben, was interessiert mich wirklich. Wenn man sein eigenes Interesse am Leben und am Menschen gefunden hat, dann bekommt der Text auch eine Substanz. Wenn man sich etwas ausdenkt, dann fängt man an Figuren in die Richtung eines vorgegebenen Themas zu konstruieren.
Außerdem präsentiert Federwelt Nr. 48 wie gewohnt Rezensionen, den BVjA-Terminkalender mit aktuellen Ausschreibungen zu Literaturwettbewerben und neue Texte sowohl unbekannter wie auch bekannterer Autor/inn/en (siehe Inhaltsverzeichnis auf der Internetpräsenz).
Bestellt werden kann das 56 Seiten starke Heft zum Preis von 3,- Euro (zzgl. Versandkosten) per E-Mail an verlag@federwelt.de. Ob das helfen wird, die Menge halbgelungener Romane der jüngeren Generation in Zukunft zu vermindern, muss freilich dahingestellt bleiben. Vielleicht aber kann es sich der Verlag dadurch bald leisten, die offenbar schon seit längerem vakante Stelle eines Korrekturlesers neu zu besetzen, um damit dem oben erwähnten Anspruch der Zeitschrift, der inhaltlich voll erfüllt wird, auch formal gerecht zu werden…
(7. November 2004)



Hallo,
ich hab zwar noch keine einzige Ausgabe der Federwelt gelesen, aber den Text kenn ich schon ein ganzes Weilchen. Ich habe mich köstlich darüber amüsiert. Was mich aber nachdenklich gemacht hat: Es gibt so wenige junge Autoren, die diese empfohlenen Vorgehensweisen wirklich in Betracht ziehen.
Gruß
Harald
Rotbarts Schreibwerkstatt
[...] & SF-Verfasser in Sachen Creative-Writing-Konzepte ziemlich auf Zack zu sein – siehe hier). Schönster Tipp, passend zum Wochenende: Entspannen Sie sich. Erlauben Sie sich [...]