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Crauss.

Euro-asiatischer Brückenschlag im Reich der Wissenschaft

Oder: Warum die Biennale besonders für Studierende der Asienwissenschaften interessant ist

Kaan Mustafa Orhon, 11. Juni 2008, 12:30 Uhr

Biennale Bonn 2008 (Logo)Wie bei den vergangenen zwei Theaterfestivals in den Jahren 2004 und 2006 helfen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Studenten bei der Organisation der Biennale mit. Die Vorbereitung erfolgte im Rahmen des Projektseminars »Bosporus am Rhein. Biennale Bonn 2008« am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft. Aber nicht nur Studenten der Germanistik sind vor und während der Biennale engagiert, zum Team gehören etliche Studenten verschiedenster Fachrichtungen, darunter auch mehrere aus dem Bereich der Asienwissenschaften. Mit dieser Fachrichtung ist die Kooperation im Rahmen der diesjährigen Biennale zum Themenschwerpunkt Bosporus besonders eng. Nicht nur unter den Studenten, auch unter den Lehrenden ist das Interesse hier groß, und einige haben sich bereits an den zahlreichen Veranstaltungen im Vorfeld der Biennale beteiligt.

Auf Anhieb mag manchem nicht klar sein, wo hier die Verbindung herzustellen ist, denn auch, wenn die Türkei immer wieder als eine »Brücke zwischen Europa und Asien« bezeichnet wird, denken wohl nur die wenigsten Leuten an sie, wenn sie zum ersten mal den Begriff »Asienwissenschaften« hören. Erfahrungsgemäß wird von Studenten dieses Fachs meist pauschal angenommen, sie beschäftigten sich mit Japan, China oder Indien, den vielzitierten »Mächten der Zukunft«. Dabei hat auch die Beschäftigung mit dem islamischen Orient und seinen drei wichtigsten Kulturräumen, dem arabischen, dem persischen und eben dem türkischen, an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität eine lange Tradition, die bis in die Gründungszeit der Bonner Universität zurückreicht. In seiner langen Geschichte durchlief der Orient- und Asienwissenschaftliche Bereich zahlreiche Veränderungen und Umstrukturierungen, an deren Ende im Jahre 2005 das Institut für Orient- und Asienwissenschaften (IOA) stand, unter dessen Dach gegenwärtig etwa 2200 Studierende eingeschrieben sind. Im Zuge der Herausbildung des Instituts entstand zum Wintersemester 2004/05 dann auch der Bachelor/Master-Studiengang Asienwissenschaften. Der Studiengang vereint unter anderem die ehemaligen Studiengänge Japanologie, Sinologie, Islam- und Vergleichende Religionswissenschaft sowie den Übersetzer-Studiengang. Im Sprachenangebot des Studiengangs finden sich insgesamt elf asiatische Sprachen, darunter auch Türkisch. Die Auswahl der Sprache ist es auch, welche den Schwerpunkt des Studiengangs ausmacht und darüber hinaus den Grundstein für die spätere regionale und thematische Spezifizierung legt. Denn in den ersten beiden Semestern hören noch alle Studenten gemeinsam Vorlesungen über die Geschichte und die gegenwärtige Lage in allen Regionen Asiens, in denen grundlegendes Wissen vermittelt wird, bevor ab dem 3. Semester eine breite Auswahl von Modulen verschiedener Disziplinen zur Auswahl stehen. Diese lassen sich thematisch grob in geographische Blöcke einteilen, die von den Studenten in der Regel auf die erlernte(n) Sprache(n) abgestimmt belegt werden. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Veranstaltungen anderer Fächer zu besuchen, etwa aus den Bereichen Jura oder BWL, und sich diese als Leistung im Rahmen des eigenen Studienganges anerkennen zu lassen.

Naturgemäß sind es vor allem die Islamwissenschaften und die Türkisch-Abteilung, die sich mit der nahenden Biennale beschäftigen. In Kooperation mit der Abteilung für Islamwissenschaften läuft seit Beginn des Semesters eine wöchentliche Ringvorlesung, in der Eindrücke von den vielen Facetten türkischer Gegenwartskultur vermittelt werden. Beteiligt sind neben Vertretern der Biennale, etwa dem künstlerischen Leiter Steffen Kopetzky, und Lehrenden des IOA (zum Beispiel der Leiterin der Türkisch-Abteilung, Dr. Hedda Reindl-Kiel) eine Reihe von Kennern der türkischen Kultur aus ganz Deutschland, der Türkei und verschiedenen anderen Ländern. Die Moderation obliegt dabei dem bekannten Bonner Islamwissenschaftler Dr. Bekim Agai, der auch schon im Rahmen einer »Biennale- Preview« über die Geschichte des Osmanischen Reichs informierte.

Für die Studierenden des IOA, in erster Linie natürlich für jene, deren sprachlich-kultureller Schwerpunkt der Orient oder speziell die Türkei ist, ist die Biennale nicht nur eine großartige Möglichkeit, einen Einblick in die Kulturlandschaft der Türkei zu gewinnen, die selbst denen, die Wurzeln in der Türkei haben, noch viel Neues und Interessantes zu bieten hat. Die Arbeit als Hospitanten ermöglicht es zudem, wertvolle Kontakte zu knüpfen und eben jene interkulturellen Kenntnisse und Fähigkeiten auszubilden, auf die in unserem Studium größter Wert gelegt wird.

(11. Juni 2008)

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