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Crauss.

Mit Bachmann ins Erzbistum

Elmar Funken ist ein »Germanist, der es geschafft hat«

Stefan Andres, 4. November 2009, 16:00 Uhr

Das »Buch der Bücher« gehört sicher zum festen Bestandteil der Lektüre von Elmar Funken, schließlich steht er im Dienste des Erzbistums Köln. Aber mit sozialkritischer Literatur wie Peter Weiss’ Ästhetik des Widerstands weiß er sich ebenso auseinanderzusetzen – und die Lyrik Ingeborg Bachmanns war das Thema des ersten Seminars, das er an der Familienbildungsstätte leitete. Die Erwachsenenbildung war Funkens Berufsziel, und nach seinem Studium der Theologie und der Germanistik stand dem nichts mehr im Wege. Als Leiter des Katholischen Bildungswerkes in Leverkusen stellt er heute selbst regelmäßig unter anderem ein Literaturprogramm mit Lesungen und Seminaren zusammen.

 

Unsere zwölf Fragen, beantwortet von Elmar Funken:

  1. Wie lange und wo haben Sie studiert, welchen Abschluss haben Sie erreicht? War Germanistik Ihr Haupt- oder Nebenfach?

    Von Oktober 1978 bis Sommer 1986 – dazwischen 1 Jahr Zivildienst; Ort: Uni Bonn, Abschluss: 1. Staatsexamen.

  2. Was hat Sie damals dazu bewogen, Germanistik zu studieren?

    Unser super Deutschlehrer am Kaiser-Karls-Gymnasium in Aachen; mein Interesse an Literatur.

  3. Zu welchem Thema haben Sie Ihre Abschlussarbeit eingereicht?

    Die Examensarbeit habe ich in Theologie geschrieben, nicht in Germanistik.

  4. Zu welchen wissenschaftlichen Ergebnissen sind Sie in dieser Arbeit gelangt?

    –––

  5. Wer war Ihr(e) bevorzugte(r) Professor(in) und was machte sie/ihn aus?

    Prof. Norbert Oellers; er behandelte sozialkritische, »linke« Literatur.

  6. Was war / ist Ihr Lieblingsbuch / Lieblingsautor(in) / Lieblingsepoche / Lieblingsgattung / Lieblingsgenre?

    Peter Weiss, Die Ästhetik des Widerstands;
    Autoren: Goethe; Brecht
    Epoche: Sturm und Drang;
    Gattung: Roman.

  7. Wo haben Sie Ihre ersten beruflichen Erfahrungen gesammelt, welche studienbegleitenden Tätigkeiten (Praktika etc.) haben Sie absolviert und dabei ggf. welche Schlüsselqualifikationen erworben?

    Erste berufl. Erfahrung: Ich leitete ein Seminar über die Lyrik Ingeborg Bachmanns in der Familienbildungsstätte Bergisch Gladbach. Weitere Tätigkeiten als Referent in der Erwachsenenbildung, z.B. Leitung von Deutschkursen für Migranten.
    Keine Praktika in Germanistik im Studium.

  8. Wie sind Sie nach dem Studium geworden, was Sie nun sind? Und: Wollten Sie es werden?

    Über die freiberufliche Tätigkeit (s.o.) erhielt ich 1988 eine Anstellung als Pädagogischer Mitarbeiter beim Kath. Bildungswerk Köln. Zwei Jahre später wurde ich Leiter des Kath. Bildungswerks Leverkusen. Beides war auch mein Berufsziel.

  9. Nützt Ihnen das im Studium erworbene Wissen in Ihrem Beruf – und wenn ja: was?

    Ja, die Kenntnis vieler Werke der Literatur ist auch hilfreich beim Planen und Organisieren z. B. von Autorenlesungen, Literaturseminaren etc. in der Erwachsenenbildung.
    Andererseits ist das Entscheidende, was ich für meinen Beruf brauche, etwas anderes, was man im Studium nicht lernen kann: Mit Menschen gut kommunizieren, organisieren, strukturiert arbeiten, Mitarbeiter anleiten und motivieren können, mit Finanzen umgehen können etc.

  10. Würden Sie sich heute wieder für ein Germanistik-Studium entscheiden – und warum (nicht)?

    Ja, würde ich gerne wieder machen. Trotz vieler sekundär-wichtiger Theoriehintergründe im Studium kam immer mal wieder die Freude an der Literatur durch.
    Am besten und lehrreichsten waren übrigens gar nicht die Seminare an der Uni, sondern selbstorganisierte Lerngruppen mit anderen Germanisten.

  11. Wie viele Ihrer (Branchen-)Kollegen haben Germanistik oder ein anderes geisteswissenschaftliches Studium absolviert? Und werden in Ihrem Bereich noch weitere Germanisten bzw. Geisteswissenschaftler gesucht?

    Ca. 3–4 meiner Kollegen/innen im Erzbistum Köln (insgesamt ca. 60) haben auch Germanistik studiert.
    Da in der Erwachsenenbildung seit Jahren gespart werden muss, werden bei uns seit Jahren schon keine weiteren Germanisten gesucht und eingestellt.

  12. Welche Frage haben Sie an heutige Studierende der Germanistik? Und was würden Sie ihnen raten zu tun (oder zu lassen), um den Sprung von der Uni ins Berufsleben zu schaffen?

    Raten würde ich: bereits frühzeitig Praktika absolvieren, freiberuflich während und nach dem Studium arbeiten. Kontakte sind nämlich das A und O.

 

Erlmar Funken (Foto: Erzbistum Köln)Elmar Funken, geboren am 7.2.1960 in Simmerath/Eifel. Nach dem Studium der Theologie und der Germanistik an der Universität Bonn beginnt er 1988 als Pädagogischer Mitarbeiter beim Katholischen Bildungswerk in Köln. 1990 wird er Leiter des Katholischen Bildungswerks in Leverkusen. In dieser Funktion stellt er bis heute die Erwachsenenbildungsprogramme des Erzbistums für Leverkusen mit den Themenbereichen Theologie, Glaube, Spiritualität, aber auch Zeitgeschehen, Kultur und Medien zusammen.

Foto: Erzbistum Köln.

 

Seit 2006 geben ehemalige Germanistik-Studentinnen und -Studenten in der K.A. plus Auskunft über ihren Werdegang und über den Nutzen ihres literaturwissenschaftlichen Studiums. Die zwölf Fragen unseres Fragebogens beantwortete vor Funken zuletzt Literaturlektor, Herausgeber und Journalist Jan Valk. Weitere »Germanisten im Beruf« werden folgen!

(4. November 2009)

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