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Crauss.

Der Evel Knievel deutscher Poesie trifft auf einen österreichischen Berliner – und beide machen doch Prosa!

Am 13. November 2009 sind Crauss und Florian Neuner unsere Gäste und bestreiten in der Bar Ludwig eine gemeinsame Lesung mit Musik

Karolina Anna Juchnik, 9. November 2009, 12:27 Uhr

Crauss, der selbst bei Wikipedia nur unter »Crauss« auftaucht, und Neuner, welcher den »Florian« vor seinem Nachnamen noch nicht leugnet, geben am kommenden Freitag eine Vorstellung ganz eigener Art. Zwischen den Kacheln der alten Küche des Hotels Beethoven in Bonn erwartet die Zuschauer ab 20 Uhr eine Mischung aus verschiedenen Mixturen zweier Autoren, die sogar bereit sind zur Suppenkelle zu greifen.

Plakat zur Lesung Crauss/Neuner
(Zur vergrößerten Ansicht bitte anklicken)
 

Zum ersten Mal in seiner Schriftstellerkarriere verlässt Crauss die trüben Gefilde der Lyrik und konvertiert zur Prosa. In Motorradheld offenbart er seine ersten verslosen Ergüsse verpackt in mehr als nur einer verrückten Story mit Helden wie dem Stuntman Evel Knievel oder James Last, dem Meister des Easy-Swing. Der Autor orientiert sich am greifbaren Leben und zelebriert dessen Vielfalt in einer sprachlichen aus Gesprächsnotizen, erzählenden Kurzgeschichten, fingierten Zeitungsmeldungen, Essays oder Montagen. Gleichzeitig jedoch erzielt er durch seine taktvolle Konzeption eine komponierte Ganzheit. So eröffnet Crauss den künstlerischen Freiraum des Subjekts und trägt seine Obsession für die Beat- und Pop-Generation nach außen. Texte von Hölderlin, Kleist, Winkler, Hubert Fichte oder Brinkmann werden in einer Methode des Remix neu aufgemischt und treiben ihn zu einer »Poesie über explodierenden Krokussen«.

Auch Florian Neuner konfrontiert den Rezipienten mit einer Struktur aus intermedialen Montagetechniken und konsequenten Autorreflexionen. In seinem neusten Prosaprojekt Zitat Ende konstruiert er eine Kollage aus Fundstücken, deren Material er Medien, Literatur, Theorie, Alltagsschutt und seiner eigenen Biographie entzieht. Martin Kubaczek schreibt über Neuners Buch, es läge »in einer Form durchkomponierter Textgestaltung vor, die weitgehend mit Fremdtext arbeitet, assembliert ist an literarische trouvées, die allerdings nicht zufällig sind, sondern programmatisch nach Kriterien, Motiven und Interessen recherchiert, selektiert und angeordnet werden.«

In der Bar Ludwig werden die beiden Autoren nicht nur in ihrer verschriftlichten Eloquenz den Ton angeben. Nach ihren textlichen Beiträgen wechseln sie kurzerhand das Handwerk und widmen den letzten Teil ihrer Lesung einer musikalischen Darbietung ohnegleichen. Ihrer freihändigen Kreativität wird dann limitlose Entfaltung gewährt, sowohl den Inhalt, als auch die Wahl der Instrumente betreffend. So stückhaft und dennoch harmonisch ihre Texte auf den Leser wirken, so erwartet den Zuhörer eine Musikkomposition höchster Spontanität, bei der eventuell Küchen- oder andere Alltagsgegenstände zweckentfremdet werden könnten. Denn die Bühne ist für Crauss und Neuner Ort der Komposition und gleichzeitigen Performance.

Die K.A. lädt ein zur Lesung mit Musik am Freitag, den 11. November, um 20 Uhr in der Bar Ludwig (Rheingasse 26). Der Eintritt beträgt 5 Euro.

(9. November 2009)

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