Lebensgrenzen
Die finnische Autorin Riikka Pulkkinen liest am 09.12.2009 im Rahmen der Lesereihe »Reading Europe« im LVR-Landesmuseum
Wer in den letzten Jahren die Literaturszene des hohen Nordens aufmerksam verfolgt hat, der ist an dieser jungen Dame nicht vorbeigekommen. 1980 in Tampere geboren, begeisterte Riikka Pulkkinen, Studentin der Literaturwissenschaft und Philosophie, ihre Heimat Finnland im Jahre 2006 mit ihrem Romandebut Raja / The Border. Seitdem ist sie mit renommierten Preisen ausgezeichnet und von den Medien gefeiert worden. Die Veranstaltungsreihe »Reading Europe: Neue Autoren aus Europa« bietet im LVR-Landesmuseum die Gelegenheit sich ein eigenes Bild zu verschaffen.
Die Lesung, die in englischer Sprache stattfindet, nimmt schon dadurch das Leitthema des Buches auf: Grenzen. Doch nicht die Grenzen der Sprache sollen hier aufgezeigt werden, vielmehr sind es die Grenzerfahrungen des modernen Subjekts. So werden anhand von vier Einzelcharakteren Situationen geschildert und Probleme verhandelt, in denen Menschen an ihre Grenzen stoßen und die einen direkten Anstoß zum Nachdenken geben: Ein sechzehnjähriges Mädchen fügt sich selbst blutende Wunden zu, um an die Realität des eigenen Lebens erinnert zu werden. Sie liebt ihren Lehrer, der trotz eigener Familie mit zwei Kindern dem Sex mit Minderjährigen nicht abgeneigt scheint. Ein weiteres Schicksal ist das einer Literaturprofessorin, die mit sich selbst hadert. Sie erwägt die Möglichkeiten, wie sie ihrem an Alzheimer erkrankten Mann tatsächlich helfen kann. Der Ehemann erwidert die hilflose aber bemühte Fürsorge seiner Frau mit dem hysterischen Verlangen sein Leben zu beenden. Er bittet seine Frau für ihn das zu tun, was er nicht selber kann. Hilflosigkeit kennzeichnet seinen Alltag, jeder Handlungsspielraum ist auf Reaktion reduziert. Er bedarf der Hilfe seiner Frau, um seinen Zustand zu ändern, um seine Hilflosigkeit zu beenden. Hier wird besonders deutlich, welchen Grenzerfahrungen die Figuren dieses Romans ausgesetzt sind.
Der sachlich kühle Stil Pulkkinens erzeugt sehr deutliche Bilder, die den Leser dazu veranlassen hinter die Fassaden der vordergründigen Szenerie zu schauen. Gerade dadurch, dass keine Musterlösung präsentiert oder Gedanken vorweg genommen werden, ist jeder aufgefordert sich in die Situationen hinein zu versetzen und nach zu empfinden. Die Entscheidungsmöglichkeiten changieren irgendwo zwischen Kopf und Herz. Weder die pure Vernunft, noch das reine Gefühl sind zuverlässige Wegweiser durch diese Ausweglosigkeiten. Irgendwo stößt man immer an eine Grenze.
Die Kritische Ausgabe engagiert sich passend zum Thema des aktuellen Heftes als Medienpartner der Lesereihe »Reading Europe: Neue Autoren aus Europa« der Regionalen Vertretung der EU-Kommission in Bonn, des LVR-LandesMuseums Bonn sowie der lab concepts. Im Anschluss an Lesung besteht die Möglichkeit, das Heft vor Ort (Colmanstraße 14–16) zu erwerben.
Riikka Pulkkinen liest am 09.Dezember um 19:00 Uhr im LVR-Landesmuseum. Der Eintritt ist frei.
(4. Dezember 2009)



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