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Crauss.

Will review for food

Rochus Wolff

Eigentlich keine dumme Geschäftsidee, die die Herren drüben bei .txt da ausfindig gemacht haben bei der Literaturzeitschrift Ixlibris: Sich für's Rezensieren von Verlagen und AutorInnen bezahlen zu lassen – man nehme halt, von wo am nötigsten.

Diese Zeitschrift, die sich ganz kleinmütig Literaturzeitschrift für Deutschland nennt und auch sonst in ihrer Selbstdarstellung mit Zurückhaltung auffällt, will sich mit herausragend ehrenwerten Motiven profilieren.

Es ist das Anliegen von Ixlibris, als überregionales Medium gerade der neuen Literatur ein Forum zu geben und nicht den Verkaufserfolg als Vorbedingung einer Rezension zu setzen.

Weil ja gerade die überregionalen Zeitungen dafür bekannt sind, daß Sie erst einmal abwarten, ob ein Buch zum Bestseller wird, bevor sie einen Redakteur darauf ansetzen. Ääääähh —

Ironie beiseite, derlei Einfalt schmerzt; sie spiegelt sich in der sprachlich und inhaltlich eher mäßigen Qualität der Beiträge wider, so scheint es mir nach Durchsicht einiger Rezensionen. Diese sind zwar nicht alle von den Verlagen gekauft, möglich ist es aber immerhin, denn, und hier kommen wir endlich zu Ixlibris' Spezialangebot:

Autoren (und Verlage) können bei der Ixlibris Redaktion ein Buch zur Rezension anmelden. Dafür wird eine Redaktionsgebühr erhoben (bis 300 Buchseiten € 150,00, für jede weitere Buchseite € 0,50). [...] Autoren und Verlag eines besprochenen Buchs können den Rezensionstext für die Buchwerbung frei verwenden. Mit der Zahlung der Redaktionsgebühr erwerben Autor oder Verlag alle Rechte am Text, um ihn beliebig zu verwenden.

Für sein Geld bekommt der Verlag dann aber auch einen Text, der sich wirklich für die Werbung eignet, denn es gilt:

Bücher, die negativ zu rezensieren wären, werden nicht besprochen. Die Redaktion ist daher frei darin, den Auftrag zu einer Buchbesprechung abzulehnen. Wird eine Buchbesprechung abgelehnt, fällt die Redaktionsgebühr nicht an.

Ein hübsches Modell: Der Geschäftspartner wird für sein Geld nicht vor den Kopf gestoßen, und die Leserin kann sich im Glauben wiegen, daß das Buch tatsächlich nicht so schlecht sein mag, sonst wäre die Rezension ja gewiß abgelehnt worden.

Natürlich ist das naiv; denn wer mag erstens der Versuchung leicht verdienten Geldes schlechter widerstehen als ein unterbezahlter, hungriger Rezensent, und welcher Verlag verspürt zweitens das Bedürfnis, seinen Büchern mit Geld zu mehr Bekanntheit zu verhelfen? Wohl nur ein Verlag mit Geld im Überfluß, und der ist entweder noch nicht erfunden oder vermutlich unseriös. Ich muß das nicht im Detail ausführen, ich bekomme hier ja kein Zeilengeld.

Aber der Versuchung gebe ich gerne nach und werde das jetzt auch einmal probieren, nicht, wie andere, für Naturalien (hat das eigentlich jemand ausprobiert?), sondern für wahres Bares, aber mit, versprochen, Ernsthaftigkeit, Textschärfe und sprachlicher Eleganz – deshalb darf's hier auch etwas teurer sein. Für nur 75 Cent pro Buchseite – bei kurzen Werken also ein Schnäppchen! Quasi: ein Tarif ohne Grundgebühr! – bespreche ich Ihr Buch hier, auf den Seiten der Kritischen Ausgabe. Ein paar Bedingungen sollten aber klar sein: Ob ich bespreche (und Sie zahlen müssen), bestimme immer noch ich. Ob die Rezension publiziert wird, bestimmt der Chef. Jede so entstandene Rezension wird eindeutig erkennen lassen, daß sie gegen Geld entstanden ist. Und der Text bleibt mein geistiges Eigentum, der Kritischen Ausgabe, und zunächst nur der, zur Nutzung überlassen.

Und natürlich garantiere ich keine Lobeshymnen. Au contraire: Für Geld bin ich extra kritisch. Nur ernst gemeinte Vorschläge bitte an speichellecker@rochuswolff.de.

(26. Oktober 2005)

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3 Kommentare »

Kommentar von Marcel Diel Subscribed to comments via email
am 26. Oktober 2005 um 0:58 Uhr

[...] und welcher Verlag verspürt zweitens das Bedürfnis, seinen Büchern mit Geld zu mehr Bekanntheit zu verhelfen?

Und wozu haben Verlage eigentlich PR-Abteilungen? Warum also irgendeinen unbekannten, womöglich auch noch völlig unerfahrenen Fremdrezensenten engagieren, wenn das die Paktikantin im eigenen Hause doch genauso gut kann?

Sachen gibts… ;-)

 
Kommentar von Oliver Gassner Subscribed to comments via email
am 26. Oktober 2005 um 8:49 Uhr

a) Kleinere Verlage haben ggf. keine PR-Abteilung. Oder eine schwer belastete, dei auch Lesungen organisiert und komplett für Presse/Werbung zuständig ist. (Wir reden hier von 3-5 Leuten “für alles”.)

b) BOD… etc. (Siehe Literaturwelrt Blog, da hab ich mit nem Agenten geredet, der sozusagen anmietbare PR-ler für nen BOD-Verlag sucht.

c) Also ich hab auf der Messe 1x opulent gefühstückt und einmal OK Mittag gegegssen (was eher am Restaurant lag als an der Einladenden.)

Die Einträge finden sich so: http://blog.literaturwelt.de/index.php?s=catering

Im Linkspace hab ich bisher noch keien negativen Äußerungen gefunden ;)

 
Kommentar von Hella Streicher Subscribed to comments via email
am 26. Oktober 2005 um 14:46 Uhr

Zu gekauften Rezensionen vgl. http://hoehereweltenblog.twoday.net/stories/1058901/. Kaum zu glauben, aber wahr.

 
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