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Crauss.

»Thrown into space«

Jenny Weisgerbers Debüt-CD »When Worlds Collide«

Benedikt Viertelhaus, 19. Januar 2006, 14:31 Uhr

Jenny Weisgerber: When Worlds CollideKann Musik schön-langweilig sein? Eine schwierige Frage, und doch stellt sie sich beim Hören des Albums When Worlds Collide von Jenny Weisgerber. Ziemlich schnell nämlich stellt sich das Gefühl ein: Alles schon einmal gehört! Das klingt so sehr nach Joni Mitchell wie nach Jonatha Brooke und allen, die in dieser Musikrichtung in den letzten 40 Jahren etwas hervorgebracht haben. Ein Phänomen, an dem viele Künstler scheiterten oder, wenn sie den Stil einer gerade romantisierten Zeit treffen, Erfolge feierten (s. Franz Ferdinand und Umgebung). Die immer zugänglicher werdende Aufnahmetechnik und die einfache Reproduzierbarkeit von Tonträgern macht Vergleiche solcher Musik erst möglich. So wird heute in die Welt geschickt, was früher vielleicht nur abends auf kleinen Bühnen oder in der Fußgängerzone hätte dargeboten werden können.

Wer einmal einem Live-Konzert beiwohnte, weiß: da gibt es einen Unterschied! Bei Jenny Weisgerbers Musik kann man sich vorstellen, dass erst ein Konzert von ihr die Musik zu dem erhebt, was sie eigentlich ist: Ein emotionales Stimmungsbild. Das trägt sie auf der Platte gekonnt vor und auch ein Funke vermag überzuspringen. Doch was man schnell vermissen wird, ist das Neue, das Eigene. Die Instrumentierung mit Gitarre, Klavier, Bass und Gesang schränkt nicht gezwungenermaßen die Kreativität ein, dennoch plätschert ihre eigentlich recht schöne Musik letztlich doch ohne weiteren Aufenthalt an uns vorbei – kein Aufschrecken, kein Stehenbleiben. Auch die Texte geben wenig Anlass zum Nachdenken:

When worlds collide
It happens without warning
You’re thrown into space
In the middle of the morning

Dies ist nicht etwa der Anfang eines Liedes mit weltkritischem Bezug. Wie sich in den letzten Zeilen klärt, geht es vielmehr nur um einen Zusammenstoß zweier Menschen:

It happened to me
When I ran into you and how could we know
It would turn out this way
With a bang and a whimper
You blew me away

Eine Geschichte mit wenigen Worten zu erzählen ist das eine, es aber mit Bildern zu tun, die ziemlich abgegriffen sind, hätten sie und ihr Produzent, der diesen Text beisteuerte, sich ruhig sparen können.

In einem anderen Stück heißt es:

I see you lying peacefully in my bed
Forget the dream I just had in my head
Are you the one who was with me last night?
C’mon wake up and tell me all those lies

Dies mündet in der Erkenntnis: »I can be lonely on my own«, die vielleicht gar nicht so unpassend ist, aber besser hätte klingen können! Denn der fade Geschmack, der sich hier beimischt, hätte wohl schon vermieden werden können, wäre Weisgerber bei ihrer Muttersprache geblieben. Auch die Musik hätte dann vielleicht die Chance habt, sich von den offensichtlichen Vorbildern zu lösen – denn Sprache formt Musik. Bei dem Versuch, etwas in diesem Stil auf Deutsch zu machen, wäre wohl auch mehr individuelle Ausdruckskraft zur Geltung gekommen, die man so vermisst. Ein Konzert kann sicherlich einen großen Teil dieses Unbehagens kompensieren – doch ist das im Zeitalter der digitalen Aufnahme nicht etwas zu wenig?

Jenny Weisgerber: When Worlds Collide. SoulMaid Records 2005. Ca. 35 Min. Spielzeit. Ca. 17,- Euro. Jenny Weisgerber im Internet: www.jennyweisgerber.de

(19. Januar 2006)

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