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Crauss.

Heines Gespenster

Kolloquium und Ausstellungseröffnung im Germanistischen Institut der Uni Bonn

Marcel Diel, 10. Juli 2006, 17:48 Uhr

Heinrich Heine (Selbstportrait, 1829)Am kommenden Donnerstag, den 13. Juli 2006 lädt das Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Uni Bonn ein zu einem Heinrich-Heine-Kolloquium:

Abgesehen von einigen französischen Aristokraten, »alte[n] guillotinierte[n] Menschen mit wieder angenähten Köpfen, wonach sie jedes Mal ängstlich tasten, wenn draußen das Volk murmelt – Gespenster« (Lutezia), sind die Gespenster, die durch Heines Werk spuken, meist deutscher Abkunft: die Gespenster der politischen Reaktion, der Kirche, des Alten, Abgelebten, aber auch die neuen Gespenster der Zukunft – sie alle stehen vor dem Heineschen Werk mit dem Beil des Scharfrichters. Zwar sind sie Gegenstand der Heineschen Ironie, lassen sich jedoch so einfach nicht erledigen. Sie führen – auf ›verdichtete Art‹ – ihr Gespensterleben im Œuvre Heines weiter, das dadurch selbst Züge des Gespenstischen annimmt.

Das Kolloquium, das im Universitätsclub (Konviktstraße 9) stattfindet, beginnt um 13:30 Uhr mit einem Vortrag von Dr. Jürgen Brokoff über »Heine und Platen – eine Gespenstergeschichte«, gefolgt um 14:30 Uhr von Dr. Cornelia Epping-Jäger, die sich den »Stadtgespenstern« in Heines Werk widmet: »›Wie weiße Laken das kranke Paris‹«. Um 16 Uhr schließlich wird Professor Dr. Jürgen Fohrmann unter dem Titel »Gespenster und Gespinste« über die »Gespenster in und vor Heines Texten« sprechen.

Studierende aller Semester, Lehrende und Interessierte sind herzlich zur Teilnahme eingeladen!

Im Anschluss an das Kolloquium findet um 17:20 Uhr in der Bibliothek des Germanistischen Instituts die Eröffnung einer von Studierenden konzipierten Ausstellung statt. Die Idee dazu entstammt einem Hauptseminar, das Professor Fohrmann im vergangenen Wintersemester angeboten hat und das sich dem Spannungsverhältnis von politischem Engagement und ästhetischer Faktur im Werk Heines widmete. Dieser Themenkomplex bildet gleichsam den Subtext zur Ausstellung. Dargestellt werden die Beziehung Heines zu Ludwig Börne, eine Reisereportage über den Loreleyfelsen, Heines Verhältnis zu Deutschland und seinem Pariser Exil, die ›Gespenster‹ in »Deutschland. Ein Wintermärchen«, Heine und die Musik sowie die Rolle der Religion in Heines Leben.

Die Eröffnung wird von den beteiligten Studierenden selbst gestaltet, auch für eine musikalische Umrahmung ist gesorgt. Der Eintritt ist natürlich frei.

Die Ausstellung wird den (seit der aus Brandschutzgründen erfolgten Räumung leer stehenden) Bibliotheksflur zunächst bis in den November hinein schmücken und kann zu den regulären Öffnungszeiten besichtigt werden.

(10. Juli 2006)

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