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Crauss.

Archive for Juni, 2000

Das Ende der Pop-Literatur

Donnerstag, Juni 1st, 2000

1.   neulich fragte mich jemand, ob es wirklich notwendig sei, um einen gegenstand zu definieren, auch sein gegenteil zu kennen. also zum beispiel, um zu sagen, was nass ist, trockenheit erklären zu können. ex negativo nennt man das, glaube ich. el cattivo ist ein böser mann. ist sein gegenteil nun eine böse frau, ein braver mann — oder sogar: eine liebe frau?

Gedichte

Donnerstag, Juni 1st, 2000

(SCHREIB)MASCHINE BIN ICH
(für Anja)

So ist es auch eine Art von
Völkerwanderung
wenn die Worte zu Kriegern werden:

und bringst es nicht fertig, daheim zu bleiben

Donnerstag, Juni 1st, 2000

Zitate aus Filmtiteln, Eintauchen in die Stadt der Städte. Untergehn. Björn Kuhligk hasst diese Stadt, zumindest mag er sie nicht besonders. Vielleicht, weil er sie zu gut kennt. 1975 dort geboren, irgendwo in einem grauen Hinterhof, möchte man meinen, aus einer ähnlichen Situation heraus wie Oskar Mazerath oder Jean Baptiste Grenouille; jedenfalls in Reichweite der Mauer, in der stacheldrahtverkeimten Wunde

Wörter

Donnerstag, Juni 1st, 2000

Ihr habt uns Wörter gegeben und Regeln, wie wir sie benutzen sollen. Wir haben die Wörter nicht benutzt. Und sie waren glücklicherweise freundlicher zu uns als ihr. Die Wörter haben sich uns angeschlossen. Wir sind Verbündete und die Wörter fressen uns aus der Hand. Wir geben sie nicht her …

Die Grenzen fließen

Donnerstag, Juni 1st, 2000

K.A.: Ulla, so ganz klar war uns anfangs nicht, was wir dich hier eigentlich fragen wollen. Ich schlage vor, dass wir einfach ein kleines Gespräch führen und einmal schauen, was dabei herauskommt. Im Grunde hat ja niemand eine wirkliche Vorstellung was aus Germanisten eigentlich wird.

Ulla Fröhlingsdorf: Alles oder nichts …

»Ich überlebte ein Praktikum im Emons Verlag Köln«

Donnerstag, Juni 1st, 2000

Na ja, so schlimm war’s dann doch nicht. Und – zugegebenermaßen – stammt dieser Satz auch nicht von mir, sondern von dem T-Shirt, das mir zum Abschied von meinen Kurzzeit-Kollegen überreicht wurde. Und in diesem Zusammenhang kündet diese Aussage auch eher von der angenehmen familiären Atmosphäre, die mich dort umgab, als von den Leiden einer geplagten Praktikantin. Doch gibt es nicht nur von liebenswerten und verständnisvollen KollegInnen und Chefs zu erzählen, sondern auch von einem interessanten und erkenntnisreichen Einblick in die Arbeit und die Abläufe eines Regionalverlages, dessen Erscheinungsbild vielschichtiger ist, als man zunächst vermutet …

Dominus Illuminatio Mea (Mehr Licht!)

Donnerstag, Juni 1st, 2000

Wenn das Trimester zu Ende ist, wird Oxford ruhiger. Die Undergraduates sind fast alle fort (soweit ihr Zuhause nicht mehr als dreitausend Kilometer weit weg ist), und die Colleges und Kneipen werden nahezu bewohn- und -tretbar. Dafür fallen jetzt, es wird Frühling, neben den Pheromonen die TouristInnEn wie Hornissen über die dreaming spires der College-Bienenstöcke her. In Scharen folgen sie den roten Regenschirmen, sie hören ehrfurchtsvoll die Geschichte von jenem Pub, in sich dem der Legende nach J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis stritten, wer die meisten Initialien hatte (Lewis gewann, aber er hat gemogelt) …

Der K.A.-Fragebogen an John von Düffel

Donnerstag, Juni 1st, 2000

Versuch über den geglückten Tag?

Morgens von 6.30 Uhr bis 10.00 Uhr eine Seite schreiben, dann eine gute Probe bis 14.00 Uhr, ein bißchen telefonieren und Post erledigen im Büro, abends am Rhein entlang nach Hause radeln und ein gutes Buch lesen …

Geschwätzigkeit und Monologe

Donnerstag, Juni 1st, 2000

Vor einiger Zeit begab sich folgendes: Während einer Aufführung von Schillers Willhelm Tell auf der Aachener Schauspielbühne lamentierte das zumeist aus Schülern bestehende Publikum so laut, dass sich einer der Darsteller dazu hinreißen ließ, seine Arbeit zu unterbrechen, um das junge Auditorium darüber aufzuklären, wie Theater im allgemeinen funktioniert: Auf der Bühne wird gesprochen, die Herrschaften unterhalb der Bühne haben gefälligst zu schweigen. Punkt aus und basta …

Von einer, die auszog, das Glück zu suchen und die Forschung zu verwirren

Donnerstag, Juni 1st, 2000

Was bewegt eine junge Frau, gerade mal dem Mädchenalter entwachsen, Elternhaus Elternhaus sein zu lassen und vom jecken Köln ins weite Berlin zu ziehen? – So oder ähnlich könnte eine Frage lauten, die von der Irmgard-Keun-Forschung in den letzten zwanzig Jahren gestellt wurde. Wunderlich nur, dass diese Frage allzu sehr aus einem der Keunschen Romane entsprungen sein könnte …

Neopans Wortkunst

Donnerstag, Juni 1st, 2000

Viel los in Arkadien. Neopan ist ständig geil, aber Ganymed so einfach nicht zu finden. So macht sich der junge Wald- und Wiesengott auf die Suche nach dem Begehrten. Auf der Reise aber lässt der potente Arkadier kaum etwas aus. „Ab da ist alles klar und wird prall pornographisch. Man greift einander an die Schwänze, Neopan zeigt Marsyas, wie man bläst, was dem total gefällt, weil´s neu ist und extrem gut kommt. Dann soll Marsyas blasen und muss alles schlucken, muss auch ein paar mal würgen. Dann wird wieder gewechselt, und Marsyas knickt fast weg, als er ausläuft. Krallt sich in Neopans Schultern, zuckt zweimal. Knirscht mit den Zähnen. Dann Heimfahrt.“

»Das Wort das von Liebe spricht«

Donnerstag, Juni 1st, 2000

Martin C. Stoffel ist kein Meister der großen Worte, der Schachtelsätze, der rhetorischen Stilmittel-Palette – und doch ein Autor, in dem große Worte einen Meister gefunden haben. Etwa das Wort Liebe. Es zu meistern bedeutet, sowohl um das Erhebende seines Wesens als auch um die ihm innnewohnende Banalität zu wissen, und Loving Lena schafft diese Balance beinahe spielerisch …

»… zieh dich aus wenn ich mit dir rede.«

Donnerstag, Juni 1st, 2000

Was ist das: Vor Morgen? Wie soll man es beschreiben? Vielleicht als eine Skizze, eine Vielzahl von Bildern, Episoden, eine Assoziation, ein Gedicht? Es handelt von Menschen, einer fremden Stadt, in der es immer regnet und vom Fortgehen. Die vier Teile des Buches scheinen, außer durch das gemeinsame Ich nicht miteinander verbunden. Man wird von Bild zu Bild getragen – manchmal gestoßen – und durch krasse Metaphorik entfremdet und gleichzeitig beheimatet …

Wer liebt schon Brian Adams?

Donnerstag, Juni 1st, 2000

„Geschmacksterrorist“ oder „Popstar unter den deutschen Jungautoren“: Benjamin von Stuckrad-Barre ist mit seinem Erstlingsroman Soloalbum (1998) in jedem Fall ein guter Auftritt gelungen! Bevorzugt beheimatet in einer Großstadt (Hamburg, Köln), findet er in der nächsten Umgebung den Nährboden für seine Texte. „Meine Aufgabe als Autor ist eigentlich nicht das Schreiben, sondern vielmehr das Sammeln.“

Thomas Meinecke: The Church of John F. Kennedy

Donnerstag, Juni 1st, 2000

Thomas Meinecke macht ernst. In Zeiten, in denen Pop und Postmoderne als Tabula-rasa-Begriffe im Einsatz sind, läßt der niederbayerische Musiker, DJ und Schriftsteller den Worten endlich Taten folgen. Sein letzter Bucherfolg Tomboy ist dabei nur die Spitze des Eisberges. Bereits 1996 hat er mit seinem ersten Roman The Church of John F. Kennedy gezeigt, was das feuilletonistische Rumoren über Indifferenz, Fraktur und Zitat wirklich bedeuten kann …

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Aktuell

In der K.A. plus

Eine »essentielle und essentialistisch gesellschaftliche Grundlage«
Die neue Kritische Ausgabe widmet sich dem Thema Familie in der Literatur
Der Bibliotheken-Engel
Manfred Poser wurde schon Hilfe vom Engel zuteil, aber verlassen sollte man sich nicht auf ihn – sein Auftauchen ist eine Gnade
Erleuchtete Dichter
Die Erleuchtung durchs Frühjahr wird kommen – und bis dahin tröstet uns Manfred Poser mit erleuchteten Dichtern
Raunende Dialoge am warm-wirren Strand.
Ein investigativer Sonntagsbesuch in der Ausstellung »James Cook – Die Entdeckung der Südsee«
Zwischen Klischee und Realität »sehen« lernen
Auslandserfahrungen unserer Korrespondentin aus Paris
Aus der Redaktion

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