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Crauss.

Archive for Juni, 2001

Animalisches Lamento

Freitag, Juni 1st, 2001

1

Mein Körper ist ein altes Raubtier,
erschöpft von der Jagd
kehrt es zurück in gnädiges Dunkel,
vielleicht im Schlaf,
dass es nach Beute schnappt.

Gedichte

Freitag, Juni 1st, 2001

haute coiffure

der goldene schraubstock des spiegels hielt den blick:
sie mit roten nägeln, ich mit weißem
tuch bedeckt wie ein museumsstück.

Leichter Trab

Freitag, Juni 1st, 2001

I

in der vorzeit, als die vorhaut klemmte, am staketenzaun.
vor der wandzeitung stehend, vor dem durchfallplan.
alle, die durchfall haben, lernen & wissen.
lernen den trab. wissen, zu traben.

Gedichte

Freitag, Juni 1st, 2001

unterm Schutt IV
(für Inge Müller)

was auf dir lag war das Land, blindgegangen
unter weißroten Fahnen,
die Steine gelöscht durch alliierten Stahl

Das Loch in der Friedhofsmauer

Freitag, Juni 1st, 2001

»Und…? Wollen Sie sich auch verabschieden?« wurden wir in jenem Urlaub oft gefragt. Immer verneinten wir diese Frage. Bis auf dieses eine Mal an unserem vorletzten Urlaubstag im ungarischen Sopron.

Nichts war in jenem Sommer so wie in all den Jahren zuvor, in denen wir am Balaton unseren dreiwöchigen Campingurlaub verbracht hatten …

Zwischenmenschliches Gemetzel

Freitag, Juni 1st, 2001

Ein Unterhaltungsroman sollte, naturgemäß, unterhalten. Nicht dass ich dem neuesten Wurf Elfriede Jelineks unterstellen möchte, dass er dies nicht tut, doch lässt sich ein fader Beigeschmack nicht verleugnen. »Gier« vermag nur in zweiter Hinsicht zu unterhalten, in erster weiß dieser Roman zu verwirren, zu verstören und will man es auf die Spitze treiben: zu quälen …

six-six-seven

Freitag, Juni 1st, 2001

HINTERGRUND: Am 13. Juni 1997 ertrinkt der sechsjährige Joseph Kantelberg-Abdulla im Freibad der sächsischen Kleinstadt Sebnitz. Am 23. November 2000 veröffentlicht als erste die Bild-Zeitung, basierend auf gesammeltem Material der Mutter des Jungen, einen Artikel, in dem einer Gruppe von 50 Neo-Nazis, die sich unter den ca. 300 Badbesuchern befunden haben soll, die Schuld am Tode Josephs gegeben wird; der Fall wird daraufhin von den übrigen Medien aufgegriffen und aufbereitet …

Sel-le-rie, so ist nun mal das Leben …

Freitag, Juni 1st, 2001

In einer Zeitschrift, die sich dem Thema DDR-Literatur widmet, muß auch auf den Text hingewiesen werden, welcher als der Wenderoman und erste adäquate literarische Umsetzung der jüngeren deutschen Geschichte von der Kritik freudig begrüßt wurde: Simple Storys von Ingo Schulze …

Die arme Seele und die Zeiten

Freitag, Juni 1st, 2001

Ist das Buch ein neues Grass’sches »Weites Feld«? Nein! Aber das Thema ist nicht abgeschlossen, noch oder vielmehr gerade heute nicht, in der Ära der historischen Amnesie, vermag so etwas zu überraschen, bitterböse zu faszinieren: Ein Mann verschwindet aus der bunten Fauna des westdeutschen Glücks und erscheint kurz nach dem Mauerbau im sozialistischen Appell-Staat der formierten Zufriedenheit, um dort sein Glück zu suchen …

Herr K. machte Licht.

Freitag, Juni 1st, 2001

Manchmal, wenn man zu einem Buch greift, bleibt einem die Luft weg. Man reibt sich die Augen und fragt: Wieso kenne ich den nicht?

»“Mein Himmel der Abgrund von morgen”«

Freitag, Juni 1st, 2001

Der Dichter ist durch das, was von ihm vernommen wird. Lauscht man dem Gedicht Heiner Müllers, dann vernimmt man ätzenden Haderton, salzsaures Wort. Man erfährt die hart konturierte Desillusion eines an der Welt gestörten Intellekts …

best of: vier wichtige autoren

Freitag, Juni 1st, 2001

Best of-Kompilationen haben sich seit längerem bewährt, besonders bei der Verbreitung kanonisierter Lyrik. Dass einem mit dem Besten gelegentlich – wie etwa bei vielfältigen Goethe-Auslesen – auch wirklich Schlechtes untergejubelt wird, erträgt man, überliest man …

»Der Druck war enorm.«

Freitag, Juni 1st, 2001

1940 von dem regimenahen Germanisten Julius Petersen initiiert, hat die Schiller-Nationalausgabe (SNA) in den nunmehr 60 Jahren ihres Bestehens eine wechselhafte Geschichte erlebt – eine Geschichte, die in starkem Maße auch von politischen Einflußnahmen geprägt war. Immerhin handelt es sich um das einzige Projekt dieser Art, das, in Marbach und Weimar stationiert, die Zeit der deutschen Teilung überlebt hat, ein Schattengewächs, gebilligt und gefördert von beiden Staaten und doch jederzeit in seiner Existenz gefährdet. In Expertenkreisen gilt sie als Musterbeispiel angewandter Editionsphilologie …

Literarische Wi(e)dervereinigung

Freitag, Juni 1st, 2001

Über Jahrzehnte hinweg hat Rolf Hochhuth deutsche Gegenwart und Vergangenheit auf der Bühne dargestellt und kommentiert. Dabei waren seine Person und sein Werk von Anfang an umstritten und wurden in den Feuilletons ebenso bespöttelt wie mit Anerkennung bedacht. Sein bis heute bekanntestes Stück ist das christliche Trauerspiel Der Stellvertreter, das sich kritisch mit der Haltung der katholischen Kirche – insbesondere Papst Pius XII. – zur ›Endlösung der Judenfrage‹, dem industriell organisierten Genozid an den europäischen Juden, auseinandersetzt …

»Bei uns war es viel spannender«

Freitag, Juni 1st, 2001

Die Gesprächspartner: Jochen Schmidt, geboren 1970 im ehemaligen Ost-Berlin, hat 1999 einen der ersten Preise beim populären Open-Mike-Wettbewerb gewonnen und im Jahr darauf seine erste Erzählsammlung, Triumphgemüse, im C.H. Beck Verlag veröffentlicht. – Tobias Hülswitt, drei Jahre jünger, ist in der Pfalz aufgewachsen und hat, nach einer Bildhauerlehre, am Deutschen Literatur-Institut Leipzig (ehemals »Johannes R. Becher Institut«) den Abschluß »Diplom-Schriftsteller« erworben; er lebt ebenfalls in Berlin. 2000 erschien sein erster Roman, Saga, bei KiWi.

Für die taz trafen sich die beiden im Café Monsun am Prenzlauer Berg, um über die Frage zu diskutieren: Was unterscheidet junge ostdeutsche von junger westdeutscher Literatur?

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In der K.A. plus

Eine »essentielle und essentialistisch gesellschaftliche Grundlage«
Die neue Kritische Ausgabe widmet sich dem Thema Familie in der Literatur
Der Bibliotheken-Engel
Manfred Poser wurde schon Hilfe vom Engel zuteil, aber verlassen sollte man sich nicht auf ihn – sein Auftauchen ist eine Gnade
Erleuchtete Dichter
Die Erleuchtung durchs Frühjahr wird kommen – und bis dahin tröstet uns Manfred Poser mit erleuchteten Dichtern
Raunende Dialoge am warm-wirren Strand.
Ein investigativer Sonntagsbesuch in der Ausstellung »James Cook – Die Entdeckung der Südsee«
Zwischen Klischee und Realität »sehen« lernen
Auslandserfahrungen unserer Korrespondentin aus Paris
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