Wenn Umberto Eco als esoterischer Pseudo-Wissenschaftler bezeichnet wird und ein bekannter Literaturkritiker damit kokettiert, Musils Mann ohne Eigenschaften trotz vier Anläufen nicht zu Ende gelesen zu haben, wenn Thomas Mann eine Kannibalisierung von Wissenschaft vorgeworfen wird und die neuen Romane von Frank Schätzing und Michel Houellebecq in einem Atemzug als schlechte Literatur abqualifiziert werden – in was für einer Art von Veranstaltung befindet man sich dann? Was klingt, wie Das Literarische Quartett einmal umgekehrt, entstammt tatsächlich einer durchaus ernstgemeinten Podiumsdiskussion zum Thema „Literatur und Wissenschaft – verheiratet oder für immer geschieden?“, die am 01.10.2005 im Rahmen der Rheinland-Pfälzischen Literaturtage in Andernach ausgetragen wurde.
Dabei schienen die Voraussetzungen günstig für eine ebenso anspruchsvolle wie unterhaltsame Diskussion, denn alle sechs Teilnehmer zeichneten sich durch Verbindungen sowohl zur Literatur als auch zu verschiedenen Wissenschaften aus: Eingeladen waren der Soziologieprofessor und Krimiautor Horst Bosetzky alias -ky, der Literaturprofessor, Kritiker und Autor Hellmuth Karasek, die Jugendbuchautorin und Wissenschaftsjournalistin Charlotte Kerner, der Schriftsteller und Programmierer Andreas Dury, der Mathematikprofessor und Philologe Knut Radbruch sowie der Philosophieprofessor und Schriftsteller Klaus Wiegerling, der die Veranstaltung moderierte. Und so hätte es eine interessante Diskussion werden können, wenn – ja, wenn sie denn tatsächlich in Gang gekommen wäre.