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Crauss.

Archive for Januar, 2006

Die Geschichte von der Schönheit und der Lust, die man in eine alte Teekanne sperrte

Dienstag, Januar 31st, 2006

Irgendwann in grauer Vorzeit, irgendwo in einem Wüstenstaat mit dem wohlklingenden Namen Waschmitdash, in der kleinen Oasenstadt Jammerjalla, versucht der gestrenge, übellaunige Mufti Abdullah Abba Schachmatt sein kleines Volk in Zaum zu halten. Umgeben von Laster und lästigem Weibsvolk dümpelt er mosernd durch sein Land, bis er eines Nachts – das ihm kredenzte Hammelgericht war wohl verdorben – eine Vision hat: Vor Krämpfen sich windend weckt ihn eine Stimme: „MUFTI!“ – “Ja Herr?!“ – „ICH BIN NICHT DEIN HERR! ICH BIN DER ERZENGEL HIRSEMEEL!“

Mit dem Handbuch des Kreativen Schreibens zum eigenen Roman?

Samstag, Januar 28th, 2006

Jeder Germanist, so das geläufige Vorurteil, möchte in seinem tiefsten Inneren selbst Autor werden. Und bestimmt die Hälfte von ihnen, so glauben viele, hat schon einen halbfertigen Roman in der Schublade. Da aber nicht jeder ein Goethe sein kann, ergreifen Germanisten andere Berufe: Sie werden Journalisten, Lektoren, Werbetexter. Böse Gerüchte munkeln auch von germanistisch gebildeten Busfahrern oder Würstchenverkäufern. Das muss nicht sein, denn – ob man es glauben mag oder nicht – gutes Schreiben ist erlernbar! Nicht nur für Germanisten.

»Kulturell-kommunikative Abende« und anderes Entertainment in Bonn, Köln, Frankfurt und Berlin

Freitag, Januar 27th, 2006

»We love to entertain you«, hat sich ein deutscher Privatsender als Slogan auf die Fahnen geschrieben. Doch nicht nur in Unterföhring liebt man es, zu unterhalten. Gleich in vier Städten außerhalb der Grenzen des Freistaates Bayern haben wir in der kommenden Woche Entertainment-Möglichkeiten für Sie ausgemacht. Zwar geht es hier nicht immer ganz so anglophon zu und das ein oder andere Unterhaltungsangebot nennt sich ein wenig akademisch »kulturell-kommunikativer Abend«, doch »gute Unterhaltung« verspricht man auch hier! Und wir wünschen Ihnen selbige – denn Sie wissen ja: Bei uns sitzen Sie nicht nur in der ersten Reihe, sehen mit dem *** besser und haben »good times«, wir zeigen’s auch noch allen!

Liebe jeden Tag

Freitag, Januar 27th, 2006

Ob’s wohl schon eine Doktorarbeit gibt über die Untertitel von Firmenlogos? Hier wäre der theoretische Unterbau dazu. Es ist, als habe die Firmen vor Jahren ein horror vacui geschüttelt. Nach dem Spot nur “Visa” oder “Baumarkt” im leeren Orbit, zum Anschau’n für zwei Sekunden, mochte herzlos wirken: wie ein Appell “Kauf!” oder “Fass!”. Herzlos sind wir nicht. Als erste konnte wohl Toyota nicht mehr schutzlos seinen Markennamen stehen sehen, also hängte man “Nichts ist unmöglich” drunter. Ein Erfolg. Aber vorher, sechziger Jahre, war da nicht BMW mit “Aus Freude am Fahren” (und AEG, “Aus Erfahrung gut”, eher Akronym, was der Volksmund aufgriff und “Alles ein Glump” textete)?

Das Ablautreihen-Defizit-Syndrom

Donnerstag, Januar 26th, 2006

Mein erstes Genfer Semester neigt sich dem Ende zu – im Übrigen viel zu schnell im Hinblick auf die Hausarbeit, die ich noch zu schreiben habe – und es wird Zeit, dass ich ein Fazit ziehe, wie es meine liebe Kollegin Anna-Lena ja bereits für Oxford getan hat: Was ist besser, effektiver, was bringt mich in der Literaturwissenschaft weiter: das Studium in Bonn oder hier in Genf?

Welcome to Paradise! – Die Bodleian Library

Mittwoch, Januar 25th, 2006

„Zweifellos ist in mir die Gier nach Büchern. Nicht eigentlich sie zu besitzen oder zu lesen, als vielmehr sie zu sehn, mich in der Auslage eines Buchhändlers von ihrem Bestand zu überzeugen. […] Es ist, als ob diese Gier vom Magen ausginge, als wäre sie ein irregeleiteter Appetit“, schreibt Kafka im November 1911 in sein Tagebuch. Ohne mir anmaßen zu wollen, mich mit Kafka zu vergleichen – solch eine „Gier nach Büchern“ ist mir nicht ganz fremd. Allerdings gebe ich zu, ich will sie nicht nur lesen, sondern auch besitzen, mein Bücherregal damit füllen, sie immer wieder in die Hand nehmen können. Deswegen ist mein Verhältnis zu Bibliotheken ein gespaltenes.

Sakrileg

Dienstag, Januar 24th, 2006

In den Kinos liegen schon stapelweise bunte Erinnerungszettel an die Zukunft. Die Verfilmung von Der Da-Vinci-Code kommt, und sie wissen schon genau den Tag: 19. Mai. Wenigstens haben sie als Hauptdarsteller Tom Hanks genommen und nicht das Vollmondgesicht Di Caprio. Meine Partnerin hält mir den Wisch hin und zürnt: “Da! Schau dir das an! Die lachen und scheffeln das Geld, und du und dein Freund, ihr könnt nur kritisieren!” Ich hatte an Silvester eine Stelle aus Sakrileg vorgelesen, mit parodistischem Tonfall; ich glaube, sie fing an mit: “Silas stieg aus dem grauen Audi.” Sie jedenfalls meint ernsthaft: “Warum hast du sowas nicht geschrieben?”

Lektoren – Lektüren – Literatur

Samstag, Januar 21st, 2006

Frei nach dem Motto »dies und das – für jeden was« werden in Bonn in der kommenden Woche zahlreiche Veranstaltungen angeboten, deren Themenspektrum von der Berufsinformation über die ›klassische‹ Literaturwissenschaft bis hin zur neuesten Gegenwartsliteratur reicht. Und wer sich gerade nicht in der Bundesstadt, sondern in der Bundeshauptstadt aufhält, findet auch in Siegen und Berlin gute Ausreden, die Abende nicht vor der heimischen Flimmerkiste verbringen zu müssen.

Germanistik-Professor »verdiente« sein Geld mit Büchern

Samstag, Januar 21st, 2006

Jemand musste Josef K. (Name geändert) verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet. – So in etwa stellte sich scheinbar die Ausgangslage dar im Process gegen einen Germanistik-Professor aus Ostdeutschland, der am Bonner Schöffengericht verhandelt wurde und in dem am vergangenen Mittwoch das Urteil erging: 18 Monate Haft auf Bewährung …

Dokumentation der Vielfalt

Samstag, Januar 21st, 2006

Als Bundeshauptstadt hatte Bonn lange Zeit auch in Sachen Kultur eine Vorrangstellung gegenüber anderen deutschen Städten. Viele der damaligen kulturellen Angebote konnten für die heutige Bundesstadt bewahrt werden. Wer sich einen ersten Eindruck von der zeitgenössischen lokalen Kunstszene verschaffen möchte, kann dafür seit Ende vergangenen Jahres ein neues Künstlerverzeichnis zu Rate ziehen, welches mit 150 Kurzportraits von Kunstschaffenden des Bonner Raums einen informativen und überschaubaren Ausschnitt der hiesigen Szene bietet.

Just left the building: Carola Stern

Freitag, Januar 20th, 2006

Die Publizistin und Journalistin Carola Stern ist gestern im Alter von 80 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit in Berlin gestorben.

Stern war Mitbegründerin der Deutschen Sektion der Menschenrechtsorganisation Amnesty International und ehemalige Vizepräsidentin des PEN.

Zackig

Freitag, Januar 20th, 2006

Mit dem Krimi-Preis werden Autoren gewürdigt, die “literarisch gekonnt und inhaltlich originell dem Genre neue Impulse geben”, so die Jury. Schön ist übrigens der Preis des Goldmann-Buchs: 6 Euro 50. So bringt man die Leute wieder zum Lesen.

Mal schnell eine Leseprobe, aus dem Internet stibitzt …

»Thrown into space«

Donnerstag, Januar 19th, 2006

Kann Musik schön-langweilig sein? Eine schwierige Frage, und doch stellt sie sich beim Hören des Albums When Worlds Collide von Jenny Weisgerber. Ziemlich schnell nämlich stellt sich das Gefühl ein: Alles schon einmal gehört! Das klingt so sehr nach Joni Mitchell wie nach Jonatha Brooke und allen, die in dieser Musikrichtung in den letzten 40 Jahren etwas hervorgebracht haben.

»Heine im Doppelpack« und »Baudelaire und Goethe«

Mittwoch, Januar 18th, 2006

Im Vorzimmer fand Maximilian den Arzt, wie er eben seine schwarzen Handschuhe anzog. »Ich bin sehr pressiert«, rief ihm dieser hastig entgegen. »Signora Maria hat den ganzen Tag nicht geschlafen, und nur in diesem Augenblick ist sie ein wenig eingeschlummert. Ich brauche Ihnen nicht zu empfehlen, sie durch kein Geräusch zu wecken; und wenn sie erwacht, darf sie beileibe nicht reden. Sie muß ruhig liegen, darf sich nicht rühren, nicht im mindesten bewegen, darf nicht reden, und nur geistige Bewegung ist ihr heilsam. Bitte, erzählen Sie ihr wieder allerlei närrische Geschichten so daß sie ruhig zuhören muß.«

»Ausgefeilte Jetztzeit-Metaphorik«

Mittwoch, Januar 18th, 2006

Die Fußball-Bundesliga startet erst nächste Woche wieder aus der Winterpause, »Verliebt in Berlin« steht schon als DVD-Komplettkollektion im heimischen Videoregal und Kaffeekränzchen mit Oma stand schon die letzten drei Wochenenden auf dem Programm… – Wer noch nicht weiß, wie er (oder sie) den Nachmittag des kommenden Sonntags gestalten soll, dem (oder der) sei hier ein Vorschlag unterbreitet …

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Manfred Poser wütet und trauert über Hoffnungen, die es nicht mehr gibt
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Manfred Poser wird wieder einmal vom Sortierengel heimgesucht, der Theorie einfordert – und Ordnung
Der Schein trügt
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