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Crauss.

Archive for Februar, 2006

Gedenken an den Verleger Kurt Wolff in Bonn

Sonntag, Februar 26th, 2006

Für die einen steht die erste Hälfte der nächsten Woche noch einmal ganz im Zeichen des Straßenkarnevals – für die anderen unter dem Eindruck der EU-Osterweiterung und der Frage der Linguistik nach verständlichen Norm- und Wertebegriffen für das »Haus Europa«. Mit einem Kölner »fußballtheologischen Doppelpass« können sich dann am Donnerstag auch die Nachzügler vom Karneval verabschieden (der ja am Mittwoch vorbei ist) und sich behutsam auf die nächste große Festivität des Jahres einstellen: die Fußball-WM. Festlich ist auch der Anlass der Veranstaltungen, die wir Ihnen für Freitag in Bonn empfehlen – ein Sohn der Stadt und gleichzeitig einer der wohl bedeutendsten Verleger der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts würde dann 119 Jahre alt: Kurt Wolff. Details zu alledem und wie man sich in der nächsten Woche sonst noch kulturell unterhalten lassen kann, lesen Sie hier …

Everywhere but home

Samstag, Februar 25th, 2006

Blökende Schafe, brodelnde Geysire, märchenhafte Elfen, Trolle und Björk. Viel mehr bringt der durchschnittliche Westeuropäer wohl kaum mit diesem kleinen, in unseren Augen etwas verschrobenen, mystisch-idyllischen Fleckchen namens Island in Verbindung. Kristof Magnusson macht es sich in seinem Romandebüt zur Aufgabe, den Feenstaub der letzten Jahrhunderte von der Insel wegzufegen, um unter den Klischees das moderne Reykjavik zum Vorschein zu bringen. Dabei bricht der Autor jedoch nicht völlig mit der Geschichte, sondern situiert seine Erzählung vielmehr im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.

Der Partisan Johnny

Freitag, Februar 24th, 2006

Turin baut ab Montag weiter Fiat-Autos und Iveco-Lastwagen. Die Sportler und die Medienkarawane ziehen weiter. Noch schnell und freilich zu spät, ich weiß, ein kleiner Exkurs in die piemontesische Literatur. Der berühmteste Autor des Piemont heißt Cesare Pavese. Von ihm sollte man “Il Mestiere di Scrivere” lesen, das Handwerk des Schreibens. Nach fünfzehn Jahren beendet er sein anspruchsvolles Tagebuch am 18. August 1950 mit den Sätzen: “All das ist widerwärtig. Keine Worte. Eine Geste. Ich werde nicht mehr schreiben.” Und nimmt sich kurz darauf, 42 Jahre alt, in einem Hotel der Stadt nach einer Liebesenttäuschung das Leben.

Just left the building: Hilde Domin

Donnerstag, Februar 23rd, 2006

Die Lyrikerin Hilde Domin ist gestern im Alter von 96 Jahren in Heidelberg gestorben …

Das Elend liegt im Märchenwald

Mittwoch, Februar 22nd, 2006

„Mein Leben ist ein schönes Märchen, so reich und glücklich. Wäre mir als Knabe, als ich arm und allein in die Welt hinausging, eine mächtige Fee begegnet und hätte gesagt: Wähle deine Laufbahn und dein Ziel, und dann, je nach deiner Geistesentwicklung und wie es der Vernunft gemäß in dieser Welt sein muss, beschütze und führe ich dich!“ – mein Schicksal hätte nicht glücklicher, klüger und besser geleitet werden können. Meine Lebensgeschichte wird der Welt sagen, was sie mir sagte: Es gibt einen liebevollen Gott, der alles zum besten führt.“ – Mit diesen Worten aus der Feder Hans Christian Andersens beginnt Johann Kresnik seine getanzte Biographie des vor rund 200 Jahren geborenen Märchenerzählers.

Die Spieluhr Heine

Mittwoch, Februar 22nd, 2006

SpieluhrDieses neckische Ding ist eine Spieluhr – oder wie der Fachmann sagen würde: ein Handkurbel-Spielwerk –, das ich im Sommer 1994 in Rüdesheim erworben habe, einem dieser Rhein-Wein-Örtchen, die gemeinhin als »romantisch« gelten, weshalb dort zu jeder Jahreszeit hordenweise Touristen aus aller Welt einfallen, um die Straßen zu verstopfen, die Cafés zu fluten und Kitsch aus chinesischen Souvenirfabriken zu erwerben. Doch grollen möchte ich ihnen nicht, den Spurensuchern der Rheinromantik, war ich doch damals[TM] selbst einer, mit meiner ersten Freundin auf der ersten längeren Tour mit meinem ersten eigenen Auto …

»Das ist ein !Wanderer.«

Dienstag, Februar 21st, 2006

Ein seltener Glücksfall: Dem 1953 in Berlin geborenen Schriftsteller Reinhard Jirgl gelingt es in seinem „Roman aus der nervösen Zeit“ Abtrünnig, der 2005 im Hanser-Verlag erschienen ist, das komplexe und teilweise kaum nachvollziehbare Seelenleben eines scheiternden Individuums darzustellen, aus dessen Perspektive ein vernichtendes Urteil über modernes, kapitalistisch geprägtes Zusammenleben im undurchdringlichen Großstadtdschungel Berlins gefällt wird – ein 544 Seiten starkes sprachliches und gedankliches Kunstwerk, das an Aussagekraft und Erkenntnissen über unsere Gesellschaft seinesgleichen sucht …

Arno Schmidt in Frankfurt, Komik in Kassel, … – oder Karneval in Köln?

Montag, Februar 20th, 2006

Spätestens ab 11:11 Uhr am kommenden Donnerstag übernehmen rund um Köln, Mainz und Düsseldorf die Jecken mit einem meist ebenso feucht wie fröhlich daher geschmetterten »Alaaf« oder »Helau« einmal mehr das Regiment, bis dann am Aschermittwoch wieder alles vorbei ist. Was aber soll man denn an den restlichen drei Tagen der nächsten Woche tun? Wir haben für Sie wieder einige Tipps parat, wie Sie dem grauen Alltag bis Weiberfastnacht trotzen können. – Oder sind Sie eher ein Karnevalsmuffel und das närrische Treiben ist Ihnen schlichtweg zu bunt? Auch dann sollten Sie hier unbedingt weiterlesen, denn während im Rheinland geschunkelt wird, kann man sich auch anderswo z.B. der Komik widmen – (nicht nur) streng wissenschaftlich, versteht sich …

Not eines Kritikers

Sonntag, Februar 19th, 2006

Wenn es einen Berufsstand gibt, der in Bezug auf die sich auf ihn verdichtenden Feindseligkeiten selbst den der Politessen noch um Längen überbietet, dann der des Kritikers. Kritiker sind von Natur aus eine eigenartige Bande: Es wohnt ihrem Tun bereits ein nicht zu verhehlender destruktiver Kern inne: Alles, was sie tun, ist – wie der Name schon verrät: kritisieren. „Das war nicht schön“, „Das hätte schöner sein können“, usw. … – wer mag solche ewig herummäkelnden Zeitgenossen schon leiden?

Phänomenal! Genial?

Samstag, Februar 18th, 2006

Eine Sonnenblume, deren Mitte ein Totenkopf ziert, umkränzt von blauen Strahlen auf schwarzem Hintergrund? Die Botschaft ist wohl klar. Witzig, schwarz-humoristisch soll es sein, wie wir das von Farin Urlaub kennen. Dennoch sieht das Cover seines neuen Livealbum of Death einfach nur furchtbar kitschig und misslungen aus. Dabei war Humor doch immer eine von Urlaubs Stärken. Aber der erste Eindruck täuscht, denn trotz seiner bescheidenen Aufmachung weiß dieser 90-minütige Tonträger durchaus zu überzeugen …

Berliner Ensemble: Hochhuth kündigt Peymann

Freitag, Februar 17th, 2006

Geht es nach dem Willen des Dramatikers Rolf Hochhuth, dann ist Claus Peymann nicht länger “Hausherr” am Berliner Ensemble: Der Dramatiker kündigte dem Regisseur nämlich heute, wie er der Deutschen Presse-Agentur mitteilte …

»Was hilft mir ein Schätzel, wenn’s bei mir nicht bleibt!«

Freitag, Februar 17th, 2006

Vieles ist schon geschrieben worden über Gustav Mahler und seine Frau Alma. Zahlreiche Biographen beleuchteten ihr Verhältnis, das meiste jedoch verbreitete Alma in ihren – oft nicht ganz wahrheitsgetreuen – Tagebuchaufzeichnungen selbst. Nun endlich kommt Gustav Mahler ausführlich zu Wort: in einer Sammlung von über fünfhundert Briefen an seine Familie, die der kanadische Musikwissenschaftler Stephen McClatchie parallel im Bonner Weidle Verlag und bei der Oxford University Press herausgegeben hat. »Liebste Justi!« heißt der Titel der Sammlung, denn die meisten der Briefe richtete Gustav Mahler an seine acht Jahre jüngere Schwester Justine, die ihm eine enge Vertraute auch in Herzensangelegenheiten war.

Die Gämse

Freitag, Februar 17th, 2006

In dieser Stadt gibt es am andern Ende des Quertals, oben auf dem Berg, einen Wildpark. Den sehe ich von meinem Arbeitszimmer aus, und manchmal wandere ich hinauf. Vor einem umzäunten Gelände steht ein Schild: “Die Gämse”. Ich sehe auch ein Tier vor mir, und trotzdem frage ich mich, ob dieses Tier das Tier ist, das ich als Gemse kenne. Gämse, das bekommt durch das “ä” etwas Hämisches, Mäkelndes, Zähnefletschendes, und so, nein so ist meine Gemse nicht. Meine Gemse steht vor mir, schaut mich tieftraurig mit dunklen Augen an, und ich lese an ihren Lippen die Frage ab: “Warum?” Ich kann es ihr nicht beantworten, schwöre ihr aber: “Du wirst immer meine Gemse sein.”

Klicken, Klackern und Blut

Donnerstag, Februar 16th, 2006

Wie schon 1993 zum Amtsantritt als Tanzleiter der Berliner Volksbühne, brachte Johann Kresnik, das künstlerisch keineswegs angegraute enfant terrible der internationalen Tanzszene, jüngst seine Journalistenbiographie aus dem Wendejahr, Ulrike Meinhof (Uraufführung 1990 in Bremen), in Bonn erneut auf die Bühne – und beweist Erstaunliches: Auch nach so langer Zeit funktioniert sein Alptraum vom freien Geist in einer zerrütteten Gesellschaft. Manches mag angestaubt wirken, einiges kontrovers, insgesamt jedoch bleibt seine Vision eindringlich und bewegend.

In literaturkritischer Mission

Mittwoch, Februar 15th, 2006

»Learning by writing« – das ist das Ziel der Literarischen Übung »Kritische Genres«, die Dr. Ursula Geitner in Zusammenarbeit mit der Redaktion der Kritischen Ausgabe im kommenden Sommersemester bereits zum zweiten Mal am Germanistischen Seminar der Uni Bonn anbietet.

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