Anzeige

Crauss.

Archive for Mai, 2006

selbstgespräche und klimadaten an der gegensprechanlage

Mittwoch, Mai 31st, 2006

poesie muss das risiko eingehen, miss- oder nichtverstanden zu werden, hat aber die chance, ihr ziel über die wahrnehmung der ästhetik, des schönen, verstörenden zu erreichen. ich bin mir nicht sicher, ob Gerhard Falkner dieser möglichkeit vertraut. warum sonst hätte er es für notwendig befinden sollen, seinem überaus atmosphärischen, ›scheinenden‹ langgedicht gegensprechstadt – ground zero ausser einem üppigen glossar ein viel zu ängstliches nachwort anzuhängen?

»Dies« & das

Sonntag, Mai 28th, 2006

Neben dem »Dies Academicus« am Mittwoch, 31. Mai, an der Universität Bonn und dem »poesiefestival berlin«, das noch bis zum 4. Juni andauert, laden in dieser Woche im Rheinland verschiedene Veranstaltungen zum Besuch ein, darunter zum letzten Mal das HÖRtheater im Kölner »Theater der Keller« und eine lange Nacht der polnischen Literatur. Und wer bei dem so gar nicht sommerlichen Wetter lieber zu Hause bleiben möchte, kann im CampusRadio Bonn ein Fantasy-Hörspiel verfolgen …

Krawall auf hohem Niveau

Samstag, Mai 27th, 2006

Einen kleinen Vorgeschmack auf ihr neues Album »Aufstand im Schlaraffenland« gaben Deichkind bereits beim Bundesvision Song Contest 2005. Auch wenn sie es mit ihrem Beitrag »Electric Super Dance Band (E.S.D.B.)« offiziell nur auf den 14. Platz schafften, gehörte ihr Auftritt doch zu den Highlights eines ansonsten extrem tristen Fernsehabends, denn ihre Show, inklusive der interessanten Kostüme, grenzte schon an Aktionskunst – ein beinah surreales Erlebnis, weil es vollkommen aus dem Rahmen fiel. Aber vielleicht ist auch hier unter den Blinden der Einäugige König?

Die Liebe zur Menschlichkeit

Freitag, Mai 26th, 2006

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Es ist das Jahr 1810. Indien steht unter britischer Besatzung, die allgemeine Lage ist schlecht: Armut und Hunger haben sich ausgebreitet. Auf einem ärmlichen, bunt gemischten Basar eilen Menschen umher und preisen Händler laut ihre Waren an. Ein älterer, in Lumpen gekleideter Herr bietet Gurken feil, jedoch vergeblich, daneben sitzt ein Melonenverkäufer. Ein anderer Händler hat Tontöpfe vor seinem Stand ausgebreitet, nebenan versucht ein Gelehrter, Bücher zu verkaufen. Drei Sänger künden, gleich einer moralischen Instanz, davon, wohin der Hunger und die Gier nach Essen und Geld führt. Die Menschen fühlen sich allein gelassen und hilflos einer Welt ausgesetzt, in der es immer schwieriger wird, die eigene Identität und Kultur zu wahren. Doch langsam wandelt sich die Stimmung auf dem Basar. Es sind die einfachen Lieder und Verse, kleine Gedichte über den ganz normalen Alltag, des verkannten Poeten Nazir, die Lebensfreude wecken und den Menschen das Gefühl geben, verstanden zu werden – eine wahre Stimme des Volkes …

Gänsehaut

Freitag, Mai 26th, 2006

Wieviele Tage noch bis zur WM? Es sei toll, sagt mein Freund Helmut, in der neuen Münchner Allianz-Arena zu sitzen, in diesem gigantischen Kessel, umtobt von Emotionen. Man ist mittendrin und tobt selber, ohne es richtig zu merken. Zum Gänsehaut-Kriegen! – Sie interessiert mich schon länger, die Gänsehaut …

Den Sprachlosen eine Stimme geben

Donnerstag, Mai 25th, 2006

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Zwei Männer mit zwei außergewöhnlichen Biographien: Der eine, Sir Richard Francis Burton, war britischer Kolonialoffizier und reiste im 19. Jahrhundert um die Welt. Der andere, Ilija Trojanow, ist in Sofia geboren und floh als Sechsjähriger mit seiner Familie zuerst nach Deutschland, dann nach Kenia. Er ist ein Weltenbummler, der unter »kultureller Klaustrophobie« leidet und den Heimat nur im Plural interessiert. Nun hat der andere über den einen einen Roman geschrieben, der zugleich ein überzeugendes Plädoyer für Vielfältigkeit und Toleranz ist …

»Ich glaube einfach an die menschenverändernde Wirkung von Rock ‘n’ Roll«

Donnerstag, Mai 25th, 2006

Geboren 1974 in Hemmoor, einer kleinen Stadt bei Cuxhaven, hat es Thees Uhlmann mit seiner Band Tomte zunächst nach Hamburg verschlagen. Hier gründete er mit Kollegen von Kettcar das Plattenlabel Grand Hotel van Cleef. Im Februar erschien das vierte Tomte-Album, »Buchstaben über der Stadt«. Mittlerweile hat es ihn nach Berlin gelockt, wo ihn K.A.-Redakteur Benedikt Viertelhaus in der Tourpause im März für das folgende Gespräch traf …

Mekka der Kleinkunstwelt

Mittwoch, Mai 24th, 2006

Prix PantheonWas hat Bonn, das es auch in Post-Hauptstadtzeiten noch bedeutend erscheinen lässt? Die Post? Gut, wir haben die Post. Die Telekom? Auch die. Rheinisches Landesmuseum, Bundeskunsthalle, einige Ministerien? Yep. Den Rhein? Jaja, schon gut, Bonn hat wirklich einiges zu bieten, auch wenn das die breite bundesdeutsche Öffentlichkeit nicht mehr so recht wahrnehmen will. Die kleine Stadt am Rhein ist noch immer bedeutend, wenn auch zugegebenermaßen nicht mehr so laut und medienpräsent wie früher. Doch was Post, Telekom und Pantheon hier in der einstigen Metropole zu Füßen des Siebengebirges auf die Beine stellen, ist heute von größerem Belang als je zuvor. Ja, Sie lesen richtig: das Pantheon! Denn zum einen ist und bleibt das Pantheon eine der führenden Kleinkunstbühnen der Republik, zum anderen, richtet es seit 1995 den einzig wahren »German-Spaß-und-Satire-Open-Wettbewerb« aus, den Prix Pantheon!

Theater für die Sinne

Mittwoch, Mai 24th, 2006

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Der Bühnenraum hüllt sich in undurchsichtiges Dunkel. Ein Gong ertönt, schwillt an, wie das Rauschen des Windes; der Raum vibriert. Beinah meditativ beginnt das Stück. In einem Lichtkegel im Zentrum der Bühne wird ein Mensch sichtbar – doch nicht in Gänze, vielmehr spaltet das Licht seinen Körper. Zunächst ist nur die linke Körperhälfte zu erkennen. In sanften, minimalen, zarten Gesten gerät sie in Bewegung – Lichtwechsel, die rechte Körperhälfte wird sichtbar. Männlich und stark produziert sich die Gestalt …

Der Tod kommt aus dem Äther

Dienstag, Mai 23rd, 2006

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Alle Jahre wieder berichten die hiesigen Nachrichten von der Fahrt eines mit gelben Blumengirlanden seltsam feierlich geschmückten Busses über die indisch-paktistanische Grenze. Zu dieser Zeremonie scheinen notwendigerweise die lächelnden Gesichter und die Beschwörungen der führenden Politiker beider Länder zu gehören, dass diese Zeichen der Entspannung eine jeweils neue Ära der Friedlichkeit bereiten werden. Erst in solchen Momenten wird hier im Schoße der Europa ausschnittartig der Konflikt bloßgelegt, der beide Länder, Indien und Pakistan, seit ihrer Gründung vor nunmehr über fünfzig Jahren trennt oder vielmehr in eigentümlicher Hassliebe verbindet. Der auch symbolische Zankapfel beider Staaten ist jene Provinz Kaschmir, die hier als Wolllieferant bekannt, dort eher als Trennmasse die Sehnsüchte religiöser, nationalistischer und machtpolitischer Kreise befördert …

Willkommen im System

Dienstag, Mai 23rd, 2006

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006»Ich hatte einen Traum. Es war ein Albtraum. Als ich aufwachte, war alles in Ordnung.« Diese Worte, die der Mann, dargestellt von Harish Khanna, immer und immer wieder ausstößt, sind keine Worte der Erleichterung. Nicht aus einem nervenzerrüttenden, schrecklichen Traum wird er durch Aufwachen erlöst. Die Ordnung, in die der Träumende zurückfindet, beherbergt das eigentlich Grausame …

Vatertag, Pittermännchen und kulturelle Alternativtermine

Sonntag, Mai 21st, 2006

Traditionell strömen an Christi Himmelfahrt, dem zweiten Donnerstag vor Pfingsten, die Herren der Schöpfung aus den Städten in die ländlichen Gefilde und begehen feucht-fröhlich das ›männliche‹ Pendant zum Muttertag. Am kommenden Donnerstag ist es mal wieder soweit: Wie überall in der Republik ziehen auch in Köln, Bonn und Umgebung die Väter und Nichtväter der Nation zu ihren Touren aus – bewaffnet mit Bollerwagen und dem ein oder anderen »Pittermännchen«, dem kleinen 10-Liter-Fässchen voll köstlichen Kölschs (dessen Name übrigens tatsächlich auf den Vatertagsbrauch zurückgeht). Für alle, die qua Geschlecht oder jugendlichem Alter von den vatertäglichen Unternehmungen ausgeschlossen sind, und alle diejenigen, die an diesem Tag lieber der Kultur denn dem Kult huldigen, halten unsere Veranstaltungstipps kulturelle Alternativtermine bereit. Natürlich nicht nur für den Donnerstag …

Die Süße des Blutes

Freitag, Mai 19th, 2006

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Amerika – Land der Freiheit, Land des Erfolgs, der Demokratie, des Fortschritts, vielleicht auch der Kultur. Hier kann jeder eine Heimat finden, gleichgültig, von woher er an die Gestade dieser menschenfreundlichen Insel geschwemmt wurde. So mag auch Mohan (Shah Rukh Khan) gedacht haben, bevor er sich wie viele Tausende vor ihm auf den Weg ins vierte Jerusalem begab, um dort als Angestellter der NASA zu reüssieren. Am Todestag seiner Eltern fällt ihm nun aber doch ein, nicht in Washington D.C. geboren worden zu sein. Was also ist zu tun? Man hole sich, gleichsam als lebenden Sterlingsilber-Bilderrahmen, seine vormalige Kinderfrau aus der auf Hindi »Swades« genannten Heimat in die neue Welt. Damit sich diese aber auch nicht dagegen wehrt, reist man besser selbst hin – denn Tatsachen überzeugen mehr als Worte …

Begeisternde Experimentierfreude

Freitag, Mai 19th, 2006

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Es gibt Konzerte, die lassen ihr Publikum ekstatisch und gelassen, enthusiastisch und melancholisch, meditativ und aufgewühlt zugleich zurück, ohne dass ein Gefühl unangenehmer Diskrepanz aufkommen würde. Dann nämlich, wenn die Musik es schafft, so viel scheinbar Unterschiedliches harmonisch dergestalt zu vereinen, dass sie nicht einmal mehr den Gedanken zulässt, es könne fremd sein. Traditionelle indische Musik, Elemente des Jazz, Rock, Asian Dub und lateinamerikanische Rhythmen, komponiert zu einem Klangteppich – ein so bestechend experimentierfreudiges Konzert ist Markus Stockhausen, Trilok Gurtu, Pandit Hariprasad Chaurasia und Ferenc Snétberger gelungen. Die als Einzelkünstler renommierten Interpreten fanden zur Bonner Biennale das erste Mal als Quartett auf der Bühne des Opernhauses zusammen und ernteten mit ihrem musikalischen East-West-Projekt Standing Ovations …

Schimanski

Freitag, Mai 19th, 2006

Horst Schimanski ist einer der wenigen Fernsehhelden, die mir fehlen. Das kam mir zu Bewusstsein, als ich nun Todesmuster von Norbert Horst las. Endlich. Die Methode KHK (Kirchbergers Human-Kamera) ist wirklich originell; die Texte aus dem „Off“ sind es weniger. Das Buch ist ein Drehbuch, ich bleibe dabei, in dem Informationen in Dialogen und Bemerkungen untergebracht sind. Ich muss mir das zusammenkratzen: Ah, K. war in der Schweiz, in den Bergen. Er ist anscheinend gebräunt. War im Urlaub. Das ist auch so im Film. In einem schönen Roman lasse ich mir verschwenderisch was erzählen; es muss nicht groß was passieren, doch ich werde hineingezogen, vergesse die Umwelt. Diesen Sog mag ich. Auf Todesmuster konnte ich mich einfach nicht richtig konzentrieren. Mir fehlt mir einfach der in Prosa breit ausgelegte Kontext. Aber das ist wohl mein persönliches Problem …

Das aktuelle Heft


Aktuell

In der K.A. plus

Eine »essentielle und essentialistisch gesellschaftliche Grundlage«
Die neue Kritische Ausgabe widmet sich dem Thema Familie in der Literatur
Der Bibliotheken-Engel
Manfred Poser wurde schon Hilfe vom Engel zuteil, aber verlassen sollte man sich nicht auf ihn – sein Auftauchen ist eine Gnade
Erleuchtete Dichter
Die Erleuchtung durchs Frühjahr wird kommen – und bis dahin tröstet uns Manfred Poser mit erleuchteten Dichtern
Raunende Dialoge am warm-wirren Strand.
Ein investigativer Sonntagsbesuch in der Ausstellung »James Cook – Die Entdeckung der Südsee«
Zwischen Klischee und Realität »sehen« lernen
Auslandserfahrungen unserer Korrespondentin aus Paris
Aus der Redaktion

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wenn Sie uns also eine Nachricht schicken wollen, Kritik oder Anregungen für uns haben, benutzen Sie doch einfach das unter dem Link Kontakt bereit gestellte Formular bzw. senden Sie uns eine E-Mail.