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Crauss.

Archive for Juni, 2006

Just left the building: Robert Gernhardt

Freitag, Juni 30th, 2006

Robert Gernhardt ist tot. Der vielfach preisgekrönte Lyriker, Satiriker, Karikaturist und Maler, Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule und der Satire-Zeitschrift Titanic etc. pp. starb heute im Alter von 68 Jahren in Frankfurt am Main …

Abenteuer Alltag

Freitag, Juni 30th, 2006

Zwischen zwei Großereignissen des Weltsports hängend, da die Tour de France vor der Tür steht, kommen wir kaum zum Verschnaufen. Und nach den Events dann wieder die Ödnis: einsamer nie als im August… Doch keine Angst, ihr Deutschen! Ihr lebt gefährlich und abenteuerlich. Die PR-Leute haben das Abenteuer entdeckt, und so wird uns in einer Art therapeutischer Großveranstaltung eingeschenkt, dass es das größte Abenteuer sei, Kinder zu haben (war das Citroën-Werbung?), ist vom „Abenteuer Alltag“ die Rede (Doku-Reihe bei Kabel 1) und vom „Abenteuer Menschlichkeit“ (Kampagne des Deutschen Roten Kreuzes). Was öde und blöde ist und ärgerlich, was keiner gerne macht, das bekommt durch die Kopplung mit dem Abenteuer eine schicke Aura, und man stöhnt gepeinigt „Abenteuer Alltag!“, wenn die Kaffeemaschine überläuft, die Partnerin einen Fleck auf dem Kissenbezug entdeckt hat und der Kollege, dass der wichtige Brief immer noch im Postausgang liegt …

»Schneller, lauter, härter«

Donnerstag, Juni 29th, 2006

Über 80.000 Fans waren vom 2. bis 4. Juni zum Nürburgring in der Eifel gepilgert, um rund 90 Bands – eine gelungene Mischung, wie Veranstalter Marek Lieberberg betonte, mit der man sich selbst »die Messlatte für die kommenden Jahre sehr hoch gelegt« habe – zu bejubeln. Für mich begann das Festival so richtig am Freitag um drei Uhr auf der Alternastage …

Wenn das Glück, am Leben geblieben zu sein, zur Hölle wird

Dienstag, Juni 27th, 2006

»Krieg tötet. Immer. Er besteht darin, zu töten und getötet zu werden. Das Problem der Überlebenden wiederum liegt darin, dass sie getötet haben. Aber nicht getötet worden sind.« Mit barmherzig-milder Stimme, aber merkwürdiger Sachlichkeit schildert Ordensschwester »Mama« Zara (Zoé Kovacs) das grausame Dilemma der Patienten in dem von ihr geleiteten Hospiz Sainte Jeanne. Kriegsversehrte Kreuzritter sollen hier ihre Traumata aufarbeiten. Mit der Unterstützung der Kranken- und Mitschwestern Klara (Katja Wiefel) und Violetta (Viola Streicher) zieht die Ordensmutter mit ihren sechs zerrütteten Patienten durch die Lande, um Geld für ihr Hospiz zu sammeln, und gewährt den Spendern dafür Einblick in die neuesten Therapiemethoden. Das Ziel der barmherzigen Schwestern besteht darin, die kriegsversehrten Männer zu heilen und ihren Glauben zu stärken, so dass sie wieder als Gotteskrieger losziehen können – in einen neuen Kreuzzug …

Schumann, Schreiner und Shakespeare – oder tiefe Gefühle

Sonntag, Juni 25th, 2006

Auch in dieser Woche haben sich wieder zahlreiche kulturelle, literarische und literaturwissenschaftliche Veranstaltungen zusammengefunden, die sich inhaltlich von der (mittlerweile zum Übervater-Modethema gewordenen) Fußball-WM entfernen. Wir haben kleine, unauffällige Veranstaltungen gefunden, die sich nicht nur Autoren und Künstlern, Kinoregisseuren von Almodóvar bis Pollack sowie der aktuellen Bildungspolitik widmen. Eine von der K.A. und dem Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Uni Bonn organisierte Lesung und Diskussion mit Margit Schreiner, das RhEINKULTUR-Programm am Samstag, Ausstellungen und Konzerte zu Robert Schumanns 150. Todestag sowie Macbeth, die neue Inszenierung der Bonn University Shakespeare Company (BUSC), runden ein anspruchsvolles, reichhaltiges und mitunter hoffentlich sonniges Programm des K.A. plus-Wochenkalenders ab.

Goodbye, Oxford!

Sonntag, Juni 25th, 2006

Meine Koffer sind gepackt. In einigen Stunden werde ich von London-Gatwick wieder gen Heimat fliegen. Mein Oxford-Jahr ist vorüber und es gilt nun, Goodbye zu sagen. Einige Tränchen lassen sich nicht vermeiden: das Abschiednehmen fällt mir schwer nach so einer aufregenden und bereichernden Zeit in einer wundervollen Stadt …

»Jeder kann den Stefan Andres finden, den er sucht«

Samstag, Juni 24th, 2006

Immer wieder, so verrät die Statistik dieser Homepage, gelangen Leser per Suche nach »Stefan Andres« bei Google und anderen Suchmaschinen hierher: zur Kritischen Ausgabe. Um dann oft – so ist jedenfalls zu vermuten – mit Enttäuschung feststellen zu müssen: Da bedient sich einfach jemand and’res dieses Namens!

Damit diese Seite endlich auch allen Suchenden nach dem Stefan Andres gerecht wird, hat K.A.-Redakteur Stefan Andres den 100. Geburtstag seines großen Namensvetters am 26. Juni zum Anlass genommen, den Präsidenten der Stefan-Andres-Gesellschaft, Georg Guntermann, Professor für Germanistik an der Universität Trier, sowie den Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats der Gesellschaft, Prof. Michael Braun, zugleich Andres-Biograph, zu Werk und (Nach-)Leben des Schriftstellers Stefan Andres zu befragen …

Fußball kurios

Freitag, Juni 23rd, 2006

Ich bin ein passionierter Kuriositätenjäger. Aber was ist eigentlich kurios? Curiositas war im Lateinischen die Wissbegierde, die Neugier; Kuriositäten heute sind die Petitessen, die „zum Schmunzeln einladen“, sind das Schräge und Absonderliche, die vor einem Hintergrund abstechen, in einem Kontext unpassend wirken, sich aus einer Perspektive verzerrt darbieten. Wenn wir beim Sport bleiben: Schon dessen Vergangenheit ist kurios – wie man früher gekickt hat, wie man gekleidet war, wie man Rad gefahren ist, wie die Räder aussahen. Da ist letztes Jahr im Bombus-Verlag München das Bändchen Fußball: kurios von Oliver Noelle und Heike Barnitzki erschienen. Ein paar Episoden darin sind richtig nett …

Warum Visionen erlahmen

Mittwoch, Juni 21st, 2006

Was macht man nur, wenn Anspielungen einen mit dem Zaunpfahl fast zu erschlagen drohen? Man gibt zu, dass es solche sind, setzt sie auf die Wartebank und pfeift sie hin und wieder herbei, um sie direkt anzusprechen. Man kann sogar mit derart offenen Karten spielen, dass man gleich den ganzen Text nach ihnen benennt. Und Anspielungen haben ja bekanntlich eine faszinierende Kraft: Sie reichen immer wieder bis an das Fundament menschlicher Existenz heran, was sie auch in kommerzieller Hinsicht sehr reizvoll macht. Besonders eben dann, wenn sie auf dem Buchcover prangen. Aber erwartungsgemäß stellt sich dann natürlich die Frage: Wird gehalten, was versprochen wird?

Mehr als eine Vision

Dienstag, Juni 20th, 2006

John von Düffels neueste Erzählung »Hotel Angst« handelt von der Reise eines Sohnes, des Erzählers (ein namenloses »Du«), nach Italien. Mit ihm betritt der Leser zugleich über eine lange »Straße der Erinnerung« eine Welt, die durch das Damals geprägt ist, und begegnet einem Menschen, der auf mystische Art in ihr gefangen ist. Beide Welten sind, auch wenn dies paradox klingen mag, auf unüberbrückbare Weise miteinander verbunden – denn wenn das Damals eine Hülle ist, die man nicht abstreifen kann (und nicht will), ist auch die persönliche Entwicklung im Jetzt dadurch vorbestimmt und gehemmt. Die leise Melancholie, die jedweden Rückblick begleitet, bildet auch den Grundton dieses Textes …

Der Sohn und die Träume des Vaters

Montag, Juni 19th, 2006

Wie viele Dinge gibt es, die man über seinen eigenen Vater nicht weiß? Abgesehen davon, dass man die Zeit vor der eigenen Geburt nur aus Erzählungen kennt, ist dieser keineswegs ein offenes Buch. Wer kennt als sein Kind schon dessen Ängste und Träume?

Düffel bei der K.A. und Wettlesen beim Bachmann-Preis

Sonntag, Juni 18th, 2006

Neben der WM-Entscheidung steht in den nächsten Tagen auch eine wichtige Entscheidung in der deutschsprachigen Literatur an: die Vergabe des Ingeborg-Bachmann-Preises in Klagenfurt. Die österreichische Schriftstellerin, Lyrikerin und Namensgeberin des bedeutenden deutschsprachigen Literaturpreises wäre am 25. Juni dieses Jahres 80 Jahre alt geworden. In ihrem Werk thematisiert sie unter Anderem den traumhaft-utopischen Gedanken einer »neuen Sprache«. Auch John von Düffel, der am 21. Juni an der Uni Bonn aus seiner Erzählung »Hotel Angst« lesen wird, beschäftigt sich mit der Utopie eines Traumes …

Wir laden Sie ein – zur »Kritik der Gegenwart«

Sonntag, Juni 18th, 2006

»Kritik der Gegenwart« – so lautet der Titel einer Veranstaltungsreihe, die die »Kritische Ausgabe« gemeinsam mit dem Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Bonn ausrichtet und die vom Deutschen Literaturfonds gefördert wird. Insgesamt sieben SchriftstellerInnen werden im Sommer und Herbst 2006 zu Lesungen und Diskussionen zu Gast sein. Im Zentrum der Gespräche steht die Frage nach der literarischen Produktion und ihrer kulturjournalistischen Rezeption. Auch die aktuelle Beziehung zwischen Literaturwissenschaft und Literaturkritik steht zur Debatte …

Die zwei Seiten der Medaille

Sonntag, Juni 18th, 2006

In John von Düffels Erzählung »Hotel Angst« wird ein Hotel zum Ort der Begegnung mit einer längst vergangenen Epoche und den Träumen eines Vaters. Sie beginnt mit der Beschreibung eines Familienurlaubs in Italien …

Der Traum des Vaters

Samstag, Juni 17th, 2006

Was für ein seltsamer Titel, den John von Düffel da gewählt hat. Was für ein seltsamer Name für ein Hotel, das doch eigentlich eher Touristen anlocken als abschrecken soll. Dieses Hotel steht im Mittelpunkt von Düffels neuer Erzählung, deren erster Satz bereits irritiert, nämlich durch die ungewöhnliche Erzählperspektive: »Du bist seit Jahrzehnten nicht mehr nach Italien gereist…«

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Aktuell

In der K.A. plus

Ein Sommer mit Kikujiro
Japan-Liebhaber Manfred Poser hat ein Buch von und über Takeshi Kitano entdeckt
»Heute ist sein Werk Gegenstand globaler Diskussion«
Oder: Strategie der Exkulpierung und Apologie in biografischem Gewand – Zu Reinhard Mehrings Carl-Schmitt-Biographie
Objektwelt und Traumwelt
Manfred Poser versucht, zwischen unserer gegenständlichen Welt und der fünften Dimension zu vermitteln. Ob das gutgeht?
David, Jan und Elvis
Manfred Poser war lange auf Radtour – und hat als radelnder Mönch viel Bedenkenswertes erlebt
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Manfred Poser wütet und trauert über Hoffnungen, die es nicht mehr gibt
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