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Crauss.

Archive for August, 2006

Anbruch einer neuen Ära?

Dienstag, August 29th, 2006

Bekanntermaßen ist das zweite Album ein besonders schwieriges. Man kann es handhaben wie die Strokes, die nach ihrem Debüt bereits herausposaunten, dass ihr zweites Album genau so klingen werde wie das erste und sie erst beim dritten klanglich Neues bieten würden. Gesagt, getan. Ähnlich hielten es Franz Ferdinand: Außer ein, zwei Balladen hat sich der Sound der Schotten auf »You could have it so much better« nicht wirklich verändert. Die Resonanz zwar durchweg positiv, aber bei weitem nicht so begeistert wie bei ihrem Debüt. Und genau da liegt das Problem: Durch das erste Album geweckte Erwartungen werden schnell enttäuscht. Beide Bands standen nach ihren unglaublich erfolgreichen Erstlingen unter enormem Druck …

Dreifacher Abschied

Montag, August 28th, 2006

Das Germanistische Seminar befindet sich im Wandel: Im kommenden Semester werden die Bachelorstudiengänge eingeführt, das Seminar selbst trägt fortan den bedeutungsträchtigen Namen »Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft« und für Bonner Erstsemester werden erstmals Studiengebühren fällig. Neue Zeiten brechen an – zugleich geht mit diesem Umbruch nicht nur eine Ära zu Ende. Gleich drei DozentInnen, die die Bonner Germanistik in den vergangenen Jahrzehnten geprägt haben, wechseln nach insgesamt über 100 Jahren Lehrtätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand …

Frippiges

Freitag, August 25th, 2006

Das Konzert von King Crimson im Juni 2003 im Tennisstadion von Rom war für mich eine Offenbarung. Ich hatte den „progressive Rock“ 1991 einbalsamiert und danach nur noch U2 wahrgenommen. Vorher war mir schon der US-Gitarrist Adrian Belew aufgefallen (früher bei Frank Zappa und David Bowie), und ich dachte mir: Von dem willst du mehr hören. Und plötzlich stand er vorne, im Line-Up der Band, und Gründer Robert Fripp kauerte rechts daneben im Halbdunkel …

Vom Süden und Osten

Freitag, August 18th, 2006

August. Die Programmkinos sind geschlossen; also Zeit, über den Film an sich nachzudenken. In Walter Benjamins Essay „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ (den ich bereits für meinen letzten Beitrag herangezogen hatte) fand ich folgendes Zitat: „Der Film hat seinen wahren Sinn, seine wirklichen Möglichkeiten noch nicht erfasst [...] Sie bestehen in seinem einzigartigen Vermögen, mit natürlichen Mitteln und mit unvergleichlicher Überzeugungskraft das Feenhafte, Wunderbare, Übernatürliche zum Ausdruck zu bringen.“ Das schrieb der österreichische Schriftsteller Franz Werfel 1935. Auch 70 Jahre später stimmt das noch …

Brecht?

Montag, August 14th, 2006

[Anm. d. A.: Dieser Text erschien zuerst in »Kritische Ausgabe« 1/1999 und wird hier gnadenlos wiederverwertet.]

Aber kann man uns wirklich vorwerfen, wir hätten uns zu seinem Hundertsten nichts einfallen lassen? Zum Beispiel die tolle 3sat-Reihe, die einiges an Raritäten zu bieten hatte. Oder der wiederaufgewärmte »Skandal« um Brecht und die Frauen. Überhaupt: Waren unsere Spielpläne und Universitäten nicht seiner Stücke voll? Gab es etwa nicht genügend Fernseh- und Radiofeatures zum Thema, waren nicht auch die Zeitungen satt vor lauter Brecht? Und dann der Biermann-Abend im November: War das nicht höchst lehrreich? Ja, sogar die Marxisten haben wir uns angehört (passend zum anderen Großjubiläum: 30 Jahre 68er). Und hat nicht Suhrkamp, dies alles zu krönen, eine Sonderausgabe der Werke Brechts in Leder (wofür man sie allesamt kreuzigen sollte!) auf den Markt gebracht? …

Wiederbelebte Kulturen und neu begonnene Spielzeiten

Montag, August 14th, 2006

»Wiederbelebt und neu begonnen« – diese Wendung stellt gewissermaßen das Motto für unsere Veranstaltungstipps für die zweite Augusthälfte dar. Vor wenigen Tagen hat in Nordrhein-Westfalen die Schule wieder begonnen. Und nun kehren nach und nach auch die Theater und sonstigen Kultureinrichtungen aus den Sommerferien zurück. Während der eine dies mit einer neuen Inszenierung begeht, öffnet der andere für einen Tag und die anschließende Nacht seine Türen und veranstaltet eine Party. Kurz: Das kulturelle Leben ist wiederbelebt (und: wieder belebt) und hat nunmehr neu begonnen …

Die Kultur der Kopie

Freitag, August 11th, 2006

Das Markgräflerland ist mit Plakaten der Band „Beatles Unlimited“ versehen, die im Kurpark Bad Krozingen auftritt. Oder war’s Badenweiler? Vier Pilzköpfe sieht man da auf schwarzem Grund, schlecht ausgeleuchtet – denn es sind ja nicht John, Paul, George und Ringo, sondern ihre Grazer Kopien. Ende Mai, lese ich in der Publikation eines Autohauses, hätte ich im Burghof Lörrach die „Great Beatles Concert Night“ mit der Band „Hard Day’s Night“ miterleben können. Wieviele Beatles-Coverbands mag es auf der Welt geben, die „Love Me Do“ und „Can’t Buy Me Love“ herunterklampfen können? Zu allem Überfluss war in Müllheim Anfang August eine „Cover Night“ mit Bands, die Udo Jürgens, Abba und Robbie Williams nachspielten …

Den Dichtern zuhören

Dienstag, August 8th, 2006

Wenn man ein Buch liest, ist in den meisten Fällen der Inhalt entscheidender als der Autor. Beim Besuch einer Lesung stellt es sich ein wenig anders dar: Zwar interessiert das Buch auch hier, doch rückt die Person des Autors stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit. Das Medium des Hörbuchs ist gewissermaßen die Symbiose aus beiden Situationen: Zwar sieht man den Autor nicht, doch lässt seine Stimme ein lebendiges Bild des Textes und seiner selbst in den Köpfen der Zuhörer entstehen. Und hat man schließlich noch die Gelegenheit, die Stimmen von bekannten und geschätzten Autoren nicht nur beim Lesen der eigenen Werke zu hören, sondern auch beim Vortrag einer Rede oder einer journalistischen Reportage, so ist das etwas Besonderes. Diese Möglichkeit bietet nun eine Edition aus dem Hörverlag: »Anna Blume trifft Zuckmayer – 60 legendäre Dichter in Originalaufnahmen 1901-2004«

Ein stumpfes Messer

Samstag, August 5th, 2006

Die Dreigroschenoper: 78 Jahre ist es her, dass das berühmteste Stück Bertolt Brechts uraufgeführt wurde, und noch immer ist es für viele Theater- und Opernliebhaber mit einem Namen verbunden: Lotte Lenya. Die legendäre Sängerin und Schauspielerin prägte das dramatische Werk Brechts und seines Komponisten Kurt Weill wie keine andere. Jetzt tritt die Band Slut aus Ingolstadt, allen voran Sänger Christian Neuburger, in ihre Fußstapfen – oder besser gesagt: in ihren Schatten …

König Kind

Freitag, August 4th, 2006

Ich weiß nicht, warum in meinem Hirn ein ärgerlicher Fernsehwerbesport herumspukte. Vielleicht war’s, weil ich schon anno 1997 einen Beitrag verfassen wollte, der „König Kind“ heißen sollte. Schon damals wurden Kinder in Autos hinter getönten Scheiben herumkutschiert. Anfang der sechziger Jahre musste meine Mutter uns stets in den fünften Stock hochtragen, und später brachte mich mein Vater auf dem Weg zum Büro zum Kindergarten, im winzigen blauen BMW 600 (M-AL 605). In dem ärgerlichen Spot eines Autoherstellers wird ein kleiner Junge im luxuriösen „Van“ angeschnallt und ausgefahren vom Vater, dem Chauffeur, und als er mit ihm aussteigt, möchte der kleine König auch die Haustür mit der Fernbedienung öffnen. Kommentar des Herstellers: „An Luxus kann man sich gewöhnen.“ …

Lieben, lieben, nichts als lieben

Mittwoch, August 2nd, 2006

In Delphi kämpfte Apollon der Sage nach einst mit einer Schlange. Dort, wo er sie besiegte, entstand das berühmte Orakel, an dem eine Priesterin ihres Amtes waltete, der man den Titel Pythia verlieh. Die Bittsuchenden kamen in Scharen und befragten das Medium ob ihrer Zukunft. In einen göttlichen Wahn versetzt, begann die Pythia zu murmeln und gab dem Fragenden geheimnisvolle Antworten in Form unzusammenhängender Satzfetzen. Das Rätsel hatte der jeweilige dann selbst zu lösen. Später, im Zeitalter der Vernunft, fand man des größten Rätsels Lösung: Die Ärmsten saßen über einer Erdspalte, aus der Ethylengas aufstieg, und das Geschwafel der Priesterin war nicht mehr als das Resultat einer temporären zerebralen Dysfunktion, herbeigeführt durch eine Art Nervenbetäubung …

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Japan-Liebhaber Manfred Poser hat ein Buch von und über Takeshi Kitano entdeckt
»Heute ist sein Werk Gegenstand globaler Diskussion«
Oder: Strategie der Exkulpierung und Apologie in biografischem Gewand – Zu Reinhard Mehrings Carl-Schmitt-Biographie
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Manfred Poser versucht, zwischen unserer gegenständlichen Welt und der fünften Dimension zu vermitteln. Ob das gutgeht?
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