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Crauss.

Archive for September, 2006

Wie verfilmt man Geruch?

Samstag, September 30th, 2006

Bücherfreunde beäugen Literaturverfilmungen meist sehr skeptisch. Zu groß erscheint die Gefahr, dass Regisseur oder Produzent die imaginären Bilder zu den Zeilen eines Autors verhunzen, verkürzen, ›falsch‹ darstellen. »Das Parfum«, der moderne Klassiker im Bücherregal vieler LiteraturliebhaberInnen, scheint ob der Vielzahl beschriebener Gerüche und Geruchsverästelungen erst recht a priori unverfilmbar. Nun ist der Roman Patrick Süskinds aber doch auf Zelluloid gebannt worden und lädt ein zur Diskussion. – K.A.-Autorinnen Ines Böckelmann und Anna-Lena Scholz haben sich den Film angesehen …

Die Kreisler

Freitag, September 29th, 2006

Am Südrand der südbadischen Metropole Müllheim bauen sie 300 Meter nach dem Verkehrskreisel vor Automobilhaus und Baumarkt den nächsten Kreisel! Ich dreh’ durch! Und denke mit Schrecken an Heitersheim, neun Kilometer weiter nördlich. Die B 3 windet sich um einen ersten Kreisel, dann wird es geradezu klaustrophobisch, wenn der Fahrer auf den engen nächsten Kreisel zurollt mit Metallgestänge in der Mitte (Grüße an das Metallkombinat Nishnij Nowgorod! Es lebe der Sozialismus!). Das Zentrum der Malteserstadt Heitersheim findet man weiter rechts, wenn man an der langgestreckten roten Mauer des Supermarkts „MiniMal“ vorbei ist, wo man eigentlich eine Vopo-Patrouille und Stacheldraht erwartet hatte. So kann man sich seine schöne Welt schnell vermurksen, aber das ist ein anderes Problem …

Bitte immer nur einen Konflikt!

Dienstag, September 26th, 2006

Junge Autoren erliegen oft der Versuchung, möglichst die ganze Welt zwischen zwei Buchdeckel bannen zu wollen. Wirklich schwierig wird es, wenn dazu noch der Geist eines Möchtegernintellektuellen kommt, der das im Gegenspiel eines bereits vor hundert Jahren geschriebenen Klassikers tun möchte. Dazu wird dann der Held mit jedem nur erdenklichen Problem beladen – und schon merkt man dem Text bestenfalls noch den Willen zum großen Wurf an. Solche Helden können vor Problempotenz kaum laufen und stolpern dem Leser auf eine Weise entgegen, dass er das Buch am liebsten wieder in den Laden zurücktragen und den Verkäufer fragen möchte: »Haben Sie denselben Stoff vielleicht auch über mehrere Romane verteilt?« …

Die Pfütze am Bodensee

Freitag, September 22nd, 2006

Ich saß in Friedrichshafen am Kai, vor dem strahlenden Bodensee, und knapp vor der Kaikante war – besser: lag, lang ausgestreckt – eine Pfütze. Menschen kamen vorüber, und irgendwann sagte ein etwa achtjähriges Mädchen zu ihrer Mutter, auf die Pfütze deutend: „Das ist der Bodensee, Mama. In Kleinformat.“ Das war toll! Für die Erwachsenen ist die Pfütze ein störendes Ding, das ihr Vorwärtskommen behindert; für das Mädchen war es der Bodensee. Es erschließt sich einem sogleich, ist „evident“, die Kleine hätte nicht einmal „in Kleinformat“ dazusagen müssen …

Abend in Vernazza

Freitag, September 15th, 2006

Ich war vor kurzem drei Tage im Tessin und befuhr in großer Hitze mit meinem Rennrad die Täler Verzasca, Maggia und Centovalli. Das Verzasca-Tal war eng: monumentale Felsen am Fluß, Häuser aus Granitsteinen, menschenleere Dörfer mit plätschernden Brunnen, und in Sonogno geht es nicht mehr weiter. Talschluss auf 840 Metern Höhe, und dann rauscht man wieder hinunter nach Locarno. Abends im von Portugiesen betriebenen „Ristorante del Ponte“ dachte ich mir: Hieß das Gedicht etwa „Abend in Verzasca“? …

Kummer gleich den Wolken. Heiße Tränen in regnerischer Februar-Kälte

Dienstag, September 12th, 2006

Ein Treppengeländer trennt die vordere Buchumschlagseite in der Mitte: Rechts oben im Bild befindet sich am »Horizont« eine altmodisch-hölzerne, zweiflügelige Wohnungstüre, wie sie in vielen Mehr-Parteien-Altbauten europäischer Großstädte zu finden ist. In der linken unteren Hälfte ist der zu ihr führende Treppenaufgang im Dunkel des Hausflures erahnbar – erst dann, nach genauer Betrachtung, die in der Bewegung des Heraufkommens verschwommene Kontur einer Männergestalt. – Eine Momentaufnahme. In düsteren Grüntönen gehalten. Schnappschussartig …

Deutschland sucht den Super-Prof!

Dienstag, September 12th, 2006

Studenten und Hochschulabsolventen aufgepasst! War nicht jeder von Euch schon einmal dankbar für einen wertvollen Insider-Tipp, der Euch aus einer scheinbar hoffnungslosen Misere gerettet hat? Und gibt es nicht auch unter zahlreichen Professoren diejenigen, die nicht permanent den jeweiligen Studiengang zum unvermeidbaren Weg in die Arbeitslosigkeit deklarieren, sondern motivierend und hilfreich zur Seite stehen, wenn es um das Thema Berufswahl geht? Eben diesen guten Geistern, deren guter Wille in der Regel nicht ausreichend gewürdigt wird, könnt Ihr nun »Danke« sagen.

Frankophonie in Berlin

Dienstag, September 12th, 2006

Die Semesterferien neigen sich langsam aber sicher dem Ende zu. Nach dem ganzen Hausarbeitenstress und zahlreichen Klausuren wird es doch nun wirklich mal Zeit, sich noch ein paar Tage fernab der Uni und des beschaulichen Bonns zu gönnen und zum Beispiel in das bunte Berliner Stadtleben einzutauchen. Dort gibt es neben den zahlreichen Sehenswürdigkeiten auch eine Reihe literarischer Leckerbissen, die sich der echte Germanist ebenso wenig entgehen lassen sollte wie die literaturbegeisterte Laiin.

Zum elften September

Freitag, September 8th, 2006

Ich streune gerne über Friedhöfe. Seltsamer Zeitvertreib. Ich lese Namen und Daten, gehe weiter, immer weiter, in Gedanken versunken, und interessanter ist das natürlich in Italien und Spanien, wo kleine Bilder der Verstorbenen den Grabstein zieren. Wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, entgehen mir nicht die kleinen Kreuze am Straßenrand. Viele junge Menschen waren es, kaum zwanzig Jahre alt. Sind mit dem Auto zu Tode gekommen. Haben sich selbst zerlegt oder im Auto eines Rasers gesessen. Vor vielen Jahren in Chile habe ich sogar eine Fotoserie gemacht von kleinen Blechhäuschen mit Kreuzen an der Panamericana, Mini-Versionen der Prunk-Mausoleen auf den großen Friedhöfen der Welt …

Liebe Anna!

Donnerstag, September 7th, 2006

Bitte entschuldige, dass ich erst jetzt antworte! Ich bin lange Zeit davor zurückgeschreckt, Dir zu schreiben. Eigentlich stand mein Entschluss sogar fest: Ich wollte nicht schreiben. Ich will Dir auch ganz offen gestehen, quasi: ins Gesicht sagen, warum …

Die nichtklassische Welt

Freitag, September 1st, 2006

Nach heutigen Erkenntnissen ist die klassische Physik ein Grenzfall der Quantentheorie. Heutige Erkenntnisse? Schon seit 1935 herrschen, wie Carl Friedrich von Weizsäcker schreibt, nur noch „Nachhutgefechte“. Die Lage ist klar. Doch wer weiß es? In der Schule haben sich die Lehrer gehütet, uns mit den Absonderlichkeiten der Quantenphysik zu behelligen – wie in der Filmkunst, wir erinnern uns: Der Konsument soll nicht mit zu schwierigen Themen konfrontiert werden, es könnte sein Weltbild durcheinanderbringen. Aber wenn wir nichts von der Quantenphysik wissen – haben wir dann überhaupt ein vollständiges Bild der Welt?

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In der K.A. plus

Eine »essentielle und essentialistisch gesellschaftliche Grundlage«
Die neue Kritische Ausgabe widmet sich dem Thema Familie in der Literatur
Der Bibliotheken-Engel
Manfred Poser wurde schon Hilfe vom Engel zuteil, aber verlassen sollte man sich nicht auf ihn – sein Auftauchen ist eine Gnade
Erleuchtete Dichter
Die Erleuchtung durchs Frühjahr wird kommen – und bis dahin tröstet uns Manfred Poser mit erleuchteten Dichtern
Raunende Dialoge am warm-wirren Strand.
Ein investigativer Sonntagsbesuch in der Ausstellung »James Cook – Die Entdeckung der Südsee«
Zwischen Klischee und Realität »sehen« lernen
Auslandserfahrungen unserer Korrespondentin aus Paris
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