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Crauss.

Archive for November, 2006

»Nur eins verliert er nicht: Sein Gesicht.«

Mittwoch, November 29th, 2006

Es gibt für einen Wissenschaftler nichts Spannenderes, als seine Wissenschaft an aktuellen Themen konkret zur Anwendung zu bringen. Richtig spannend wird es vor allem dann, wenn Wissenschaftler jedes Fachgebiets ihre Erkenntnisse auf Geschehnisse anwenden können, die mit dem eigenen Fach zunächst rein gar nichts zu tun zu haben scheinen …

Die hundert Arten des Heimkehrens

Dienstag, November 28th, 2006

Es gibt Schriftsteller, die haben Stoff für zwanzig Geschichten gleichzeitig in ihrem Kopf, die sie dann, nach gebührender Reifezeit, niederschreiben. Bernhard Schlink hatte anscheinend den Kopf voller guter Ideen, allerdings konnte er nicht warten, bis sie einzeln gereift waren, sondern er packte sie alle gemeinsam in sein 374 Seiten starkes Werk »Die Heimkehr«. So ist ein Buch entstanden, welches der Verlag mit »Eine Odyssee durch die Wirren eines Jahrhunderts« bewirbt und dessen Irrfahrten den Leser selbst ganz wirr machen …

Ein verrückt gewordenes Land?

Freitag, November 24th, 2006

Italien gibt Anlass, an ein Adorno-Zitat von vor drei Wochen anzuknüpfen: Der Mensch, der sich nach heutigen Maßstäben normal verhält, muss psychisch verbogen, muss verrückt sein. Als Romano Prodi Proteste gegen den Etat 2007 entgegenschlugen, grollte er, in einem klugen Land wolle er leben, nicht in einem „verrückt gewordenen“, in dem man nicht an die Zukunft denke. Die Opposition konterte: Die Regierung sei verrückt geworden. Danach bestimmt das Verrücktsein die politische Debatte. Es ist angemessen …

das sphärische echo des blicks

Dienstag, November 21st, 2006

Andreas Altmann, 1963 in hainichen/sachsen geboren, heute in berlin lebend, hat einige gedichtbände hinter sich und beides – leben und schreiben / lesen und schreiten – stets in zusammenhang gebracht. für ihn gehört schreiben, aufschreiben unbedingt zu seinen stationen dazu: student, schriftsetzer, orchesterwart, strassenreiniger, betreuer geistig behinderter menschen und und und. Altmann interessiert sich für vieles spannende, vor allem jeweils für die menschen, denen er begegnet; und sehr interessiert er sich für sich selbst, für seine wahrnehmung der dinge, nicht die dinge an sich …

»Dreifach geschlagen«

Samstag, November 18th, 2006

»Er war homosexuell. Er war süchtig. Er war der Sohn Thomas Manns. Also war er dreifach geschlagen.« – Diese Diagnose von Marcel Reich-Ranicki entspricht wohl dem üblichen Klischee der psychologischen Auseinandersetzung um Klaus Mann. Aber Klischees können durchaus der Wahrheit entsprechen. Klaus Mann war homosexuell und er machte daraus kein Geheimnis. In einer Zeit, in der die Liebe zum gleichen Geschlecht noch strafrechtlich verfolgt wurde, kokettierte er in seinem Privatleben und in seinen Schriften offen mit seiner exzentrischen Neigung. Und ja, er war süchtig. Süchtig nach Morphium, nach dem geschriebenen Wort, nach dem Tod und vor allen Dingen nach Anerkennung durch den distanzierten Vater. Denn Sohn einer allseits respektierten, bewunderten oder ob ihres Ruhmes verhassten Größe zu sein – diese Erfahrung zu ignorieren, war Klaus Mann nicht imstande …

»Überm Rauschen« – Lesung & Diskussion mit Norbert Scheuer

Freitag, November 17th, 2006

Der Semesteranfangsstress hat sich gelegt, der Herbst hat Land und Leute fest im Griff, die Uhren gehen wieder anders und schon nähert sich die ach so besinnliche Jahreszeit. Zeit nicht nur zum ausgedehnten Lesen, sondern auch, um wieder einmal über Literatur zu sprechen. Genau das wollen wir tun – vor allem mit denen, die uns all das Lesefutter für die kälteren und wärmeren Tage bescheren: den Autoren selbst!

Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe »Kritik der Gegenwart« begrüßen wir am Dienstag, den 28. November Norbert Scheuer im buchLaden 46 (Kaiserstraße 46, Bonn). Beginn der Veranstaltung ist um 20 Uhr, der Eintritt kostet 3,- Euro …

Das Tor zum Himmel

Freitag, November 17th, 2006

Es war der 18., nach anderen Quellen der 19. November 1980, als in New York City ein Film Premiere hatte, von dem heute alle nur noch wissen, dass er eine große Filmfirma ruinierte. „Heaven’s Gate“ von Michael Cimino spulte sich vor verstörten Zuschauern in einer 3 Stunden 39 Minuten langen Fassung ab (der Regisseur hätte gerne die ursprünglichen 5:25 Stunden gezeigt), die Tonspur war über weite Strecken nicht zu verstehen, und die Urteile fielen so vernichtend aus, dass der 40 Millionen Dollar teure Film erst gar nicht in die Kinos kam. Schließlich schaffte das eine 149-Minuten-Fassung, die dann vier Millionen Dollar einspielte. Darsteller: Kris Kristofferson, Isabelle Huppert, Jeff Bridges, Christopher Walken. Mehr an Facts braucht es nicht …

absolute pop

Dienstag, November 14th, 2006

Man weiß nicht genau, was man vor sich hat, wenn man »absolute Jacques Derrida« in den Händen hält, aber es wird sich wohl irgendwo zwischen einer schwedischen Spirituose und einer wieder aufgelegten Sammlung der größten ABBA-Songs bewegen. Es verspricht nicht unbedingt Gutes, wenn man auf dem Einband liest, der Band versammle »das Beste aus seinen Texten« oder, noch schlimmer, »die besten gesampelten Passagen üppiger Diskursüberlieferungen« …

Heilige Seifenblasen

Freitag, November 10th, 2006

Meine Trainingsfahrt mit dem Rad trug mich zufällig in den romantischen Ort Rheineck am See, und eine lebensgroße Indianerstatue, die vor einem Laden auf einem Stuhl saß, zog mich an. Wunderschöner Indianerschmuck hinter Auslagen! Das Geschäft „Pow-Wow“ ist auch voll und ganz den Indianern gewidmet. Gute Sache. Ich kam mit der Inhaberin Ursula Jaquet ins Gespräch, und dann erwähnte sie die „Orbs“ – seifenblasenähnliche Gebilde, auch „bubbles“ genannt, die auf Fotos mit Digitalkameras während zeremonieller Indianertänze zu sehen seien. Sie kämen aus dem Orbit, zeigten sich in liebender Atmosphäre, antworteten dem Tänzer auf Fragen oder drückten die gemeinsame Freude von Tänzer und Publikum aus …

Alles über die Liebe – und sonst nichts

Dienstag, November 7th, 2006

Liebe und Haß – Wärme und Kälte: Gegensätze standen am Anfang der Geschichte der Menschheit, sich das Entstehen und Vergehen der Welt und letztlich des Menschen selbst begreiflich zu machen. Sie erzählen von der Einordnung des zuerst Unfaßlichen in die Begriffe des alltäglich Erleb- und Fühlbaren. Liebe vereint umstandslos, Haß löst bindend; und mitunter begegnen sich beide und wissen bei allem Abstoßenden sich nicht voneinander zu lösen. Erleuchtung ist zugleich Verdunkelung – die erklärende Kraft der Worte erschöpft sich zu einem bleibenden Mysterium, über das unentwegt gesprochen werden muß …

Ein Leben nach dem Praktikum?

Montag, November 6th, 2006

Es gibt ein Leben nach dem Praktikum. Zumindest scheint Nikola Richter auf dem Weg dorthin: Richter ist Autorin der (nicht fiktiven) Geschichten in dem Buch »Die Lebenspraktikanten« (erschienen bei Fischer), in denen sie über das Dasein junger Akademiker in ständig wechselnden und dazu oft schlecht (oder gar nicht) bezahlten Arbeitsverhältnissen erzählt. »Professionelle Lebenspraktikanten« nennt sie die Angehörigen dieser Generation junger, auf den Arbeitsmarkt drängender Menschen.

Nikola Richter hat Germanistik studiert. Keine Frage, dass die K.A. sie bat, den Fragebogen für »Germanisten, die es geschafft haben« auszufüllen. Einer Bitte, der sie gerne nachkam!

»Das Lebendige im Judentum ergründen«

Samstag, November 4th, 2006

Die Frankfurter Buchmesse dominieren die Stände der großen Verlage mit ihrem imposanten, fast unüberschaubaren Angebot. Während hier Sitzbänke zum Lesen und Ausruhen einladen, müssen sich kleinere Verlage oft mit Kabinen begnügen, in denen gerade ein Mensch stehen kann und an denen die Besucher lediglich vorbeischlendern können. Viele Leser zieht es zunächst zu den großen Verlagen, deren Buchtitel man bereits aus den Bestsellerlisten und Feuilletons kennt oder zu kennen glaubt. Aber auch sie bieten häufig mehr, als man erwartet. So zum Beispiel der Suhrkamp Verlag, zu dem seit 1990 auch der Jüdische Verlag gehört …

Umverteilung

Freitag, November 3rd, 2006

„Die Menschen haben den Begriff der Freiheit so manipuliert, dass er schließlich auf das Recht des Stärkeren und Reicheren hinausläuft, dem Schwächeren und Ärmeren das wenige abzunehmen, was er noch hat.“ (Theodor W. Adorno, Minima Moralia, III) Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender kriegen jetzt also auch noch eine Computerpauschale. Die Riesen werden noch größer, und man pumpt ihnen das Geld auch noch bequem ins Haus, während die anderen nicht wissen, wie sie mit Internet Geld verdienen können. Irgendwo war eine Bonuserhöhung der Manager um 20 Prozent im Gespräch (jemals sowas bei Angestellten gehört?), und in der Schweiz sollen die Gehälter der Chefbeamten der Privatwirtschaft „angepasst“ (und das Geld bei den Unteren geholt) werden …

Hochprozentiges aus Osteuropa

Mittwoch, November 1st, 2006

Irgendwie ist das Bierchen am Samstagabend zu einer obligatorischen Angelegenheit geworden und schmeckt genauso schal, wie es hier klingt? Dann tauschen Sie es doch einfach mal gegen einen kräftigen Schluck Slivovic ein! Der allerdings ist mit Vorsicht zu genießen, denn der Alkoholgehalt des beliebten serbischen Zwetschgenschnapses beträgt mindestens 37,5 Prozent und vernebelt einem, ehe man sich versieht, die Sinne. – Nanu, ein Aufruf zu einem kollektiven, hemmungslosen Trinkgelage in der K.A. plus? Nein, natürlich nicht …

Das aktuelle Heft


Aktuell

In der K.A. plus

Eine »essentielle und essentialistisch gesellschaftliche Grundlage«
Die neue Kritische Ausgabe widmet sich dem Thema Familie in der Literatur
Der Bibliotheken-Engel
Manfred Poser wurde schon Hilfe vom Engel zuteil, aber verlassen sollte man sich nicht auf ihn – sein Auftauchen ist eine Gnade
Erleuchtete Dichter
Die Erleuchtung durchs Frühjahr wird kommen – und bis dahin tröstet uns Manfred Poser mit erleuchteten Dichtern
Raunende Dialoge am warm-wirren Strand.
Ein investigativer Sonntagsbesuch in der Ausstellung »James Cook – Die Entdeckung der Südsee«
Zwischen Klischee und Realität »sehen« lernen
Auslandserfahrungen unserer Korrespondentin aus Paris
Aus der Redaktion

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