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Crauss.

Archive for Dezember, 2006

Der Schriftsteller und seine Zwänge

Samstag, Dezember 30th, 2006

Oulipo ist eine ganz besondere, eigene Schriftstellergruppe: Eine »Werkstatt für potentielle Literatur«, eine »Ouvroir de littérature potentielle«, deren Mitglieder sich beim Schreiben »contraintes« – formale Zwänge – auferlegen, die zu einer spielerischen Erweiterung des Sprachspektrums führen …

Und das Wort wurde Fleisch

Donnerstag, Dezember 28th, 2006

Am Zweiten Weihnachtsfeiertag wurde es endlich Zeit das zu tun, worum sich seit einem Vierteljahr jede dritte Frage indirekt drehte: zum Feierlichen Hochamt in die Kirche zu gehen …

Es begab sich aber zu der Zeit…

Sonntag, Dezember 24th, 2006

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde …

Einfach zauberhaft …

Samstag, Dezember 23rd, 2006

Während der letzten Semesterferien beschloss ich, ein Buch zu lesen, das bestimmt schon tausend Mal besprochen worden ist und dessen Verfasser wohl einer der meist gefeierten Autoren des 20. Jahrhunderts ist: Thomas Manns »Der Zauberberg« …

Der letzte Spaziergang

Freitag, Dezember 22nd, 2006

In Herisau, 10 Kilometer südwestlich von St. Gallen, gibt es einen Robert-Walser-Pfad, der vom Museum und der Gemeinde betreut wird. Er führt zum Psychiatrischen Zentrum am Krombach und dann über den Rosenberg zum Friedhof. Unterhalb der Wachtenegg brach Walser auf seinem letzten Spaziergang am 25. Dezember vor 50 Jahren zusammen: tot. Er hatte die letzten 23 (seiner 78) Jahre im „Haus für ruhige Männer“ verbracht. Seine letzte irdische Habe: eine Uhr und zwei Bücher …

Charles Manson und ich

Freitag, Dezember 22nd, 2006

Der glückliche Umstand einer Remigration hat Charles Manson und mich zusammengeführt. Wir kannten uns vorher nur vom Hörensagen. Alles, was ich von ihm wusste, war, dass sich eine Hardcore-Band nach ihm genannt hat, bevor sie sich zu meiner Lieblingsband Jingo de Lunch umbenannte. Nämlich Manson Youth. Das war erst einmal nichts Aussergewöhnliches, gab es doch damals viele Bands mit ähnlicher Namensgebung: Reagan Youth, Sonic Youth, Hitler Youth …

Wi(e)dergelesen: Die Bibel

Donnerstag, Dezember 21st, 2006

Es ist ein Streit, den ich als mein schönstes literarisches Erlebnis des Jahres 2006 bezeichnen möchte. Ich freue mich darüber, dass man gestritten und diskutiert, vorgelesen und rezitiert hat, dass sich in der Diskussion vor Aufregung der Puls beschleunigte und angeregt geblättert wurde in dem Objekt der Auseinandersetzung – nämlich der Bibel …

Keine Bröttchen für Ludmila Ferch

Mittwoch, Dezember 20th, 2006

Seine Projektleitertür ließ er normalerweise einen Spalt weit auf. Ludmila steckte ihren Kopf herein, lächelte fast schon verlegen, fragte: »Hast du Zeit?« – Er nickte, denn er hatte Zeit, jedenfalls beanspruchte ihn seine Projektarbeit nicht in dem Maße, daß er ohne rot zu werden hätte von Zeitnot sprechen können. Und die Wahrheit wollte er ihr nicht sagen: Daß sie leider störe – wenn er seinen Absatz zu Ende schreiben wollte oder dies und das an seinem Roman verbessern. Denn dafür, fürs Schreiben, wurde er mit Sicherheit nicht bezahlt. Sich um Ludmila zu kümmern aber auch nicht, jedenfalls nicht auf die Art und Weise, die jetzt folgte …

World Interplay – Festival of Young Playwrights

Dienstag, Dezember 19th, 2006

Im Flugzeug, dreißig Stunden lang zwischen den Ländern, klimatisierte Luft und amerikanische Filme auf dem kleinen Bildschirm im Vordersitz, Coca Cola zum Wachbleiben und schnell Kopfhörer auf die Ohren, die Fenster verschlossen, damit man nicht merkt, dass es eigentlich Tag ist, dort wo man fliegt. Dann Landung Abflug Landung und es ist Australien und es ist plötzlich Townsville, und der Ozean aus dem Flugzeugfenster, die Häuser geordnet, das erinnert an Städte in Kalifornien ein paar Jahre zuvor …

Ein Gehen in der Luft mit geschlossenen Füßen

Montag, Dezember 18th, 2006

Irgendwann in diesem Sommer habe ich »Der einzige Ort« von Thomas Stangl gelesen; gelesen?, ach was!, das war kein Lesen, das war eine wirkliche körperliche Tätigkeit, ein Sitzen und Liegen und Gehen mit dem Buch, ein wieder und wieder Ansetzen, ein einige wenige Sätze lesen und abbrechen, ein Anstreichen und Unterstreichen, ein in Lexika Nachschlagen und Abbrechen und Rückblättern und dann wieder auf einen Schlag und kommentarlos hundert Seiten am Stück hinunterreißen, ein einziges Trudeln, in das ich gemeinsam mit dem Roman hinein geriet und das mit bloßem starrem kühlem Lesen ganz falsch beschrieben wäre …

Neulich auf der Bahnfahrt

Sonntag, Dezember 17th, 2006

Neulich auf der Bahnfahrt von München nach Köln gab es zwar keine Raucher mehr, aber eine Sache störte mich doch noch. Überall in dem Zug saßen Menschen. Beim Einstieg in den ICE am Münchner Hauptbahnhof ergatterte ich einen Tischplatz, den galt es nun für viereinhalb Stunden zu verteidigen. Da ich unbewaffnet war, entschloss ich mich, meine Bücher auszupacken und zu lesen …

Hamburg so hot, cool in Kobern

Samstag, Dezember 16th, 2006

Cool war, als ich das E-Mail bekam von der Mitfahrzentrale, ich hätte den Getränkecooler gewonnen. Tatsächlich hatte ich eine Lösung versucht an deren Webseite abzuschicken, aber es zeigte sich, daß der Mailto-Link falsch gesetzt war. So käme nichts an! Also selbst E-Mail angelegt, richtigen Link rein, meine Adresse … und weg damit. Ich hatte mir dann gesagt, wenn ich jetzt der einzige bin, der so einschickt, gewinn ich … und habe doch gar kein Auto …! Hab also meine Fahrerin von neulich angemailt, und wenn ich gewinne, kriegt sie’s …

Sebald

Freitag, Dezember 15th, 2006

Seit fünf Jahren schreibt uns Sebald nichts mehr. Der Roman „Austerlitz“ ist sein großes Vermächtnis. Wenn man ihn liest, wird einem, als sänke man langsam zum Meeresgrund, und mein Freund Fritz Schütte hat das so empfunden: Wenn man Sebald lese, meinte er, habe man das Gefühl, die Zeit vergehe langsamer. W. G. Sebald wurde am 18. Mai 1944 in Wertach im Allgäu geboren und entschwand als junger Mann nach England, wo er drei Jahrzehnte an der University of East Anglia in Norwich Literatur lehrte. Am 14. Dezember 2001, vor fünf Jahren, ist er bei einem Autounfall in England ums Leben gekommen, 56 Jahre alt. Herzinfarkt am Steuer …

Das Jahr der schlaffen Säcke

Freitag, Dezember 15th, 2006

Was war denn 2006 los? Ein schlechter Jahrgang oder hab ich die falschen Bücher gelesen? Vermutlich Letzteres. Man hat ja im fortgeschrittenen Alter so seinen eigenen, etwas erratischen Geschmack. So las ich in diesem Jahr auffallend viele Bücher, in denen träge, nicht mehr ganz junge Männer sich in einer Art vorgezogenen Midlifecrisis befinden. 2006 war also, rein literarisch gesehen, das Jahr der schlaffen Säcke …

Editorial

Freitag, Dezember 15th, 2006

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

endlich ist es so weit! Nach einem Jahr Abwesenheit vom Literaturmarkt melden wir uns zurück – mit einer Ausgabe, die es wahrlich in sich hat. Denn das vorliegende Heft ist nicht nur das bislang umfangreichste, es ist auch eines der ambitioniertesten …

Das aktuelle Heft


Aktuell

In der K.A. plus

Eine »essentielle und essentialistisch gesellschaftliche Grundlage«
Die neue Kritische Ausgabe widmet sich dem Thema Familie in der Literatur
Der Bibliotheken-Engel
Manfred Poser wurde schon Hilfe vom Engel zuteil, aber verlassen sollte man sich nicht auf ihn – sein Auftauchen ist eine Gnade
Erleuchtete Dichter
Die Erleuchtung durchs Frühjahr wird kommen – und bis dahin tröstet uns Manfred Poser mit erleuchteten Dichtern
Raunende Dialoge am warm-wirren Strand.
Ein investigativer Sonntagsbesuch in der Ausstellung »James Cook – Die Entdeckung der Südsee«
Zwischen Klischee und Realität »sehen« lernen
Auslandserfahrungen unserer Korrespondentin aus Paris
Aus der Redaktion

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