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Crauss.

Archive for August, 2007

Ausflug ins Mittelalter

Freitag, August 31st, 2007

Ohne es richtig gewollt zu haben, bin ich ins Mittelalter abgedriftet. In meinem Buch „Mörderisches Rom“ hatte ich Ferdinand Gregorovius erwähnt in der Meinung, er habe die Geschichte Roms geschrieben, 3000 Jahre. Ein zu großer Brocken. Theodor Mommsen, später (1902) Literaturnobelpreisträger, hatte schon die Geschichte Roms in seiner Machtfülle verfasst (erschienen 1854 56), also blieb dem Ferdi nur noch die „Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter“ (1859 1872). Nur noch? Der erste Band in einer Ausgabe aus Dresden (1926) umfasst 1400 Seiten und reicht vom Jahr 400 bis zum Jahr 1260, kurz nach dem Hinscheiden Friedrichs II. Die Deutschen sind immer große Romliebhaber gewesen. Roma caput mundi regit orbis frena rotundi!

Altern in Zeiten der Marktwirtschaft

Dienstag, August 28th, 2007

»Die bösen, bösen Falten« titelte vor gut 50 Jahren Lilo Aureden in ihrem Ratgeber »Schön sein – schön bleiben«. Was die Autorin jungen Frauen und deren Antlitz in Aussicht stellte, war bitter: »Je nach Lebensgewohnheiten, Schicksalsschlägen und je nach der persönlichen innerlichen und äußerlichen Pflege« stellen sich die ungeliebten Furchen früher oder später in jedem Gesicht ein. Ein Gegenmittel oder vielmehr »eine Verzögerungsstrategie« lieferte Lilo Aureden zum Glück gleich mit: »Durch eine gesunde, vernünftige Lebensweise, durch Heiterkeit des Gemüts, meisterhafte Beherrschung seiner Gefühle und des Mienenspiels« könne man das vorschnelle Altern der Haut verzögern. »Beobachten Sie sich einmal«, forderte Lilo Aureden ihre Leserinnen der 50er Jahre auf, »und machen Sie sich Gedanken über Ihre kleinen Sünden.«

Gemurmel, manchmal

Freitag, August 17th, 2007

Auf die Frage, wie er sterben wolle, sagte Walter Kempowski der »Frankfurter Rundschau«: »So wie Fontane. Der sagte zu seiner Tochter beim Essen: ›Ich geh eben mal nach nebenan.‹ Als sie nach einer Viertelstunde guckte, lag er tot auf dem Bett.« Das ist Diskretion und war, als Überleitung, noch eine Stimme zu meinem letzten Beitrag. Weitere Frage an Kempowski: »Was macht es mit einem, wenn man in einem Haus voller Lebensgeschichten, voller Schicksale, voller Toter lebt?« Antwort: »Ja, manchmal murmeln sie. Sie erzählen vom Krieg, ganz unverstellt.« All das Gemurmel …

Kreuz und quer durchs Skriptorium

Dienstag, August 14th, 2007

Gut zwanzig Jahre ist es her, da trieben Geister mit merkwürdig abstrakten Namen in Paul Austers »New York-Trilogie« ihr Unwesen: Weiß beauftragte Blau, einen Mann namens Schwarz auszuspionieren. Namensspielereien waren schon immer Austers Spezialität; in seinem neuestem Buch »Reisen im Skriptorium«, das nun in deutscher Übersetzung vorliegt, gibt ein gewisser »Mr. Blank« sich die Ehre. Der leidet, wie der Name schon sagt, an Amnesie – irgendein Geist der Erzählung hat in seiner Erinnerung tabula rasa gemacht, und der spärlich eingerichtete Raum, in dem er sich aufhält, liefert nicht eben viele Indizien für die Suche nach der verlorenen Zeit. Selbst die Zimmerdecke erscheint Mr. Blank wie ein leeres weißes Blatt. Da aber klopft Anna Blume an der Tür.

Just left the building: Ulrich Plenzdorf

Donnerstag, August 9th, 2007

Der Schriftsteller Ulrich Plenzdorf ist heute im Alter von 72 Jahren in Berlin gestorben …

Bewegt vom »Wunderdoktor«

Dienstag, August 7th, 2007

Von einem, so hört man sagen und ist man auch geneigt zu glauben, eher seltenen Exemplar der Gattung »begeisternder Deutschlehrer« hat unser heutiger »Germanist, der es geschafft hat« einst profitiert: Dem Lehrer von Dr. Olaf Kutzmutz nämlich sei es gelungen, so verrät er, ihn so nachhaltig in die faszinierende Welt der Literatur einzuführen, dass er immer noch nicht davon lassen kann. Diesem Umstand dürfte zu danken sein, dass Kutzmutz heute das Literaturprogramm der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel als Programmleiter zusammenstellt …

Sekretäre des Todes

Freitag, August 3rd, 2007

In den zwei Wochen Ausreißer-Pause kam ich ins Grübeln. Und wie, wenn meine Exkurse niemanden interessierten? Ich fahre los, bin ausgerissen, hinter mir ist keiner mehr; und in Wirklichkeit habe ich bloß eine falsche Abzweigung genommen, habe mich verfahren und radle nun selbstzufrieden in der Wüste dahin? Aber statt weiterer Larmoyanz heute ein Abstecher in die Populärkultur …

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Ein Sommer mit Kikujiro
Japan-Liebhaber Manfred Poser hat ein Buch von und über Takeshi Kitano entdeckt
»Heute ist sein Werk Gegenstand globaler Diskussion«
Oder: Strategie der Exkulpierung und Apologie in biografischem Gewand – Zu Reinhard Mehrings Carl-Schmitt-Biographie
Objektwelt und Traumwelt
Manfred Poser versucht, zwischen unserer gegenständlichen Welt und der fünften Dimension zu vermitteln. Ob das gutgeht?
David, Jan und Elvis
Manfred Poser war lange auf Radtour – und hat als radelnder Mönch viel Bedenkenswertes erlebt
Das neue Denken
Manfred Poser wütet und trauert über Hoffnungen, die es nicht mehr gibt
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