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Crauss.

Archive for April, 2008

Arbeitsalltag im Spagat

Dienstag, April 29th, 2008

Als Germanistin für eine politische Stiftung arbeiten? Ja, geht denn so was? – Na klar! Antje Schnadwinkel studierte Soziologie und Germanistik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und arbeitet heute für die Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn und Berlin. Im Referat »Internationale Politikanalyse« betreut sie als Lektorin die vor allem Europa-bezogenen Publikationen des Referats. Seien es Artikel zu den europäischen Finanzmärkten, wissenschaftliche Studien zur integrierten Energie- und Klimaaußenpolitik der EU, Analysen zu einzelnen Ländern oder auch Beiträge zur Frage, ob sich Konkordanzdemokratien als Konfliktlösungsmechanismen eignen: Dieses breite Themenspektrum, aber vor allem auch der vielfältige und spannende Arbeitsprozess vom Manuskript bis zur Veröffentlichung des fertigen Produktes begeistern Antje Schnadwinkel für ihren Beruf …

Just left the building: Werner Dürrson

Mittwoch, April 23rd, 2008

Vom Vater für einen Nichtsnutz gehalten werden, dafür Schläge bekommen. Und ein Leben lang versuchen, ihn und sich selbst vom Gegenteil zu überzeugen. Die Erfahrungen dieser unheilvollen Vater-Sohn-Konstellation kulminieren in Werner Dürrsons Roman Lohmann oder die Kunst, sich das Leben zu nehmen. Eine romaneske Biographie, den der Lyriker, Erzähler, Essayist und Übersetzer als das größte Projekt seines Lebens bezeichnet hat. Nun ist Werner Dürrson, ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung seines ersten und einzigen Romans, am vergangenen Donnerstag im Alter von 75 Jahren gestorben.

Automatisches Schreiben

Freitag, April 18th, 2008

Gerade habe ich auf einer Trainingstour in Appenzell für 4 Franken 30 einen Bleistift erworben, auf dessen hinterem Ende eine kleine Plastikkuh sitzt. „Es gibt noch diese Schreibgeräte“, erklärte ich der Verkäuferin, „aber kaum jemand schreibt noch damit. Schade.“ W. G. Sebald schrieb immer mit Bleistift. Ich möchte auch immer mit der Hand schreiben, aber dann sitze ich irgendwo und bin blockiert. Man müsste es einfach laufen lassen, sich verlieren, drauflos schreiben …

Schmuddelkram, Kunst, Gesellschaftsstudie?

Mittwoch, April 16th, 2008

In nicht eingeweihten Kreisen kann man schon mal mit einem irritierten Seitenblick gestraft werden, wenn man sich als Fan oder wenigstens als Bewunderer des Splatter-Genres ›outet‹. Dabei müsste sich doch eigentlich längst herumgesprochen haben, dass Cineasten mit Vorliebe für »affektorientierte filmische Körperdarstellung« schon lange nicht mehr als abgestumpft und pervers gelten. Wenn sie es überhaupt denn je getan haben. Wie auch? Schließlich hat schon Salvador Dalí den Grundstein für diese Art des Horrors gelegt: In seinem Film Un chien andalou, den er mit Luis Buñuel zusammen gedreht hat, wird einer Frau mit einer Rasierklinge das Auge zerschnitten. Und dass Salvador Dalí geniale Kunst produziert hat, will doch hoffentlich niemand bestreiten …

Just left the building: Horst Bingel

Mittwoch, April 16th, 2008

Witz, Ironie, Verknappung, Skurrilität, Vertracktheit: dies sind die immer wiederkehrenden Schlagwörter, die im Zusammenhang mit Horst Bingels Werken stehen. Seine ganz eigene, oft experimentelle Art mit Worten umzugehen erinnert fast ein wenig an Größen wie Ernst Jandl oder August Stramm. Vergangenen Montag nun verstarb der Lyriker, Erzähler und Grafiker im Alter von 74 Jahren in Frankfurt am Main.

Editorial

Dienstag, April 15th, 2008

»Abenteuer ist das Überschreiten von Grenzen zu einem höheren Nutzen«, schreibt Malte Welding in seiner Geschichte, die sich mit dem Thema dieses Heftes auseinandersetzt. Aber ist der Abenteuerbegriff damit umfassend beschrieben? In der Tat lassen sich viele Assoziationen dazu herstellen und, verschieden verknüpft, gibt es eine wahre Flut von »Abenteuern«, da wird auch das ganze Leben schon mal zu einem solchen …

Gedichte

Dienstag, April 15th, 2008

Der Körper sammelt seine Wege auf

»Widerspruchsfreiheit ist eine Mangelerscheinung oder ein Widerspruch.«
 

Blicke, die vergilbten Photos gleichen …
Das Land sieht so abgegafft aus, als wäre es müde, Süden zu sein.
Wir unterwegs auf kleinen Chianti-Straßen. Hautenge Wärme. Die Sonne schrammt unser Autodach. Insekten, kleiner als ihr Geräusch. Wolken, die Ich sagen. Das Dorf ist groß und überall ist sein Ende. Glocken husten durch die Gassen. Gebete rütteln an Türen. Vor langer Zeit hatten die Stimmen von alten, von jungen Männern, von Narren, Hellsehern, Helden, Ex-Boxern, Trinkern, kichernden Schülerinnen, schreienden Müttern die Straßen gefüllt …

Dérive II: Batenbrock, Boy

Dienstag, April 15th, 2008

Ab dem 20. August fügt sich alles zusammen. Bei jeder Zwischenstation ist die Frage zu entscheiden: Gehe ich weiter oder kehre ich um? An jeder Haltestelle, jedem Bahnhof: Steige ich aus? Man könnte natürlich eine Münze werfen: Ja oder nein? Aussteigen oder Sitzenbleiben. Abbiegen oder geradeaus weiter. Links oder rechts …

WALLIS (zyklus)

Dienstag, April 15th, 2008

[1]panorama

die augen wachs, der mund lüftung
auferhebung des fleisches zum grat
MONTE ROSA, NORDEND –end
gletscherzunge, spaltenruf
LISKAMM, CASTOR, POLLUX –lux grell
tackert die lider, cockpitschlitze:

Abenteuer

Dienstag, April 15th, 2008

Ich führe das langweiligste Leben, das man sich vorstellen kann.

Walter Moers schrieb einmal, bei konsequentem Haschischkonsum könne man leicht 400 Jahre alt werden. Mein Leben, in der jetzigen Form weitergeführt, wird sich für mich anfühlen, als hätte ich 1000 Jahre gelebt …

Die Hyänen des Schlachtfeldes

Dienstag, April 15th, 2008

„Das waren fürchterliche Tage, der 14., 16. und 18. August,“ erzählte mir ein junger Mann in der Uniform eines preußischen Infanterie-Regimentes, der sich nur mühsam auf seinen Krücken einherbewegte, und neben mir auf einer Gartenbank Platz genommen hatte, „Tage, welche ich für einen wüsten Traum halten möchte, würde ich nicht durch meine Krücken und den verlorenen Finger beständig an die Wirklichkeit erinnert …

Albtraum in der Geisterbahn

Dienstag, April 15th, 2008

Man sagt Journalisten und Literaturkritikern gerne nach, sie hätten längst selbst einen Roman in der Schreibtischschublade und würden nur darauf warten, ihn endlich zu veröffentlichen. Georg Hensels Roman Nachtfahrt jedoch wartete schon nicht mehr auf Veröffentlichung, als der Autor beschloss, Journalist zu werden …

»Warum zum Teufel gehen Sie denn nicht zu den Bauern?«

Dienstag, April 15th, 2008

Wer sich auf Partys wirklich über seinen Job unterhalten will, sucht sich besser etwas anderes als die Flurnamenforschung aus. Während jeder etliche Vornamen kennt, täglich von hunderten Produktnamen umgeben ist und Siedlungs-, Straßen- und Familiennamen en masse aufzählen könnte, gehören Flurnamen mittlerweile zu den recht unbekannten Namentypen …

Sprachliches Erleben erforschen

Dienstag, April 15th, 2008

Wenn mich Mitstudenten während meiner Studienzeit nach meinem Hauptfach fragten und ich als Antwort »Deutsche Sprache und ältere deutsche Literatur« gab, erntete ich meist entsetzte Blicke oder Mitleidsbekundungen. Ich verwies dann darauf, dass Linguisten fast alles können und fügte in Anlehnung an den Werbeslogan eines süddeutschen Bundeslandes ergänzend hinzu »sogar Hochdeutsch« …

Im Schatten der normativen Kanondebatte

Dienstag, April 15th, 2008

Obwohl man Kanonisierung in der Tradition der neueren Wertungsforschung von Renate von Heydebrand, Simone Winko und Friederike Worthmann eigentlich als Sonderform literarischer Wertung bezeichnen müsste, verschwindet die ›normale‹ Wertungsforschung immer wieder hinter ausufernden Kanondebatten. In der Kanondiskussion wiederum mündeten deskriptive Untersuchungen von Fragen wie, welche Autoren derzeit als Klassiker gelten oder welche Texte in unserer Gesellschaft als besonders schätzenswert beurteilt werden, in hitzige normative Diskussionen …

Das aktuelle Heft


Aktuell

In der K.A. plus

Ein Sommer mit Kikujiro
Japan-Liebhaber Manfred Poser hat ein Buch von und über Takeshi Kitano entdeckt
»Heute ist sein Werk Gegenstand globaler Diskussion«
Oder: Strategie der Exkulpierung und Apologie in biografischem Gewand – Zu Reinhard Mehrings Carl-Schmitt-Biographie
Objektwelt und Traumwelt
Manfred Poser versucht, zwischen unserer gegenständlichen Welt und der fünften Dimension zu vermitteln. Ob das gutgeht?
David, Jan und Elvis
Manfred Poser war lange auf Radtour – und hat als radelnder Mönch viel Bedenkenswertes erlebt
Das neue Denken
Manfred Poser wütet und trauert über Hoffnungen, die es nicht mehr gibt
Aus der Redaktion

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