Nochmal genau gezählt. Dies ist also mein neunundneunzigster Ausreißversuch, und warum nicht ihn begehen statt den hundertsten? Ich widme diesen Jubiläumsbeitrag Frau Therese Duschl in Landsberg am Lech, Nachbarin meiner Mutter, die am 10. Mai bei geistiger Frische ihren neunundneunzigsten Geburtstag feiern darf. Wenn ich sie (nur zu selten) besuche, sitzt sie, die Beine auf einen Stuhl am Fenster gelegt, und betet ihre Rosenkränze für die Familie. (Hoffentlich ist auch mal einer für mich dabei.) Das ist wie buddhistische Meditation, und unvergessen sind die endlosen abendlichen Andachten in der Landsberger Stadtpfarrkirche bei der Maiandacht, mit dem Rosenkranz, wo im Dämmer die Besatzung des rechten Kirchenschiffs ihren Text ablieferte, bis die Stimmen verwehten, und dann die linke Seite einsetzte. „Der du für uns gekreuzigt bist worden …“ Gerade die grammatikalische Umstellung hatte unbezwinglichen Charme, der Satz hielt sich und schwang noch lange nach. Poesie …