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Crauss.

Archive for Juli, 2008

Grenzgänger in der kroatischen Inselwelt

Dienstag, Juli 29th, 2008

»Wir wissen nichts, nicht einmal über uns selbst. Wir fangen gerade erst an zu verstehen.« Dieses Zitat von Virginia Woolf ist den Erzählungen in Marica Bodrožićs neustem Buch Der Windsammler vorangestellt. Es wirkt wie eine Art Motto, das über den elf Geschichten steht und eine Verbindung schafft zwischen den einzelnen Erzählungen, die Menschen zeigen, die auf der Suche sind, die hoffen und sich sehnen. Die Protagonisten der Geschichten sind allesamt Grenzgänger zwischen zwei Welten, sie sind »hier und da«, sie begeben sich auf die Suche nach der eigenen Vergangenheit, nach Identität und »fangen gerade erst an zu verstehen«.

Im Windschatten

Donnerstag, Juli 24th, 2008

Wie hat es angefangen? Mit meiner tranceähnlichen Fahrweise wahrscheinlich. Erst mit dem goldenen Volvo auf der Autobahn 110 gefahren, dann langsamer, 100, bis sich mein Idealtempo bei 95 einpendelte. So schnell (oder langsam) wie Lastwagen. Und diese fuhren auf der rechten Spur und boten mir bereitwillig ihre breiten Rücken an. Die idealen Führungsfahrzeuge, dachte ich mir; wie die Motorräder bei Verfolgungsrennen. Hinter einem Motorrad ist ein Radfahrer schon einmal 160 Kilometer in der Stunde gefahren. Man bleibt immer Radfahrer. (Als ich den Wagen erst ein paar Tage hatte, wollte ich mit ihm glatt auf einen Radweg einbiegen.) Und Radfahrer fahren gern hinter anderen her als „Hinterradlutscher“, böses Wort …

»Ick bün al dor!«

Freitag, Juli 18th, 2008

Den Wert der Literatur hat Lektoratsassistentin Barbara Wermann bereits früh kennen gelernt. Bereits früh wusste sie auch, dass sie ihr beruflicher Weg am liebsten zu einem Schulbuchverlag führen sollte. Nach dem Studium der Germanistik in Bonn und einem einjährigen Verlagsvolontariat in Köln bewarb sie sich – und kann, nach ihrem Wunscharbeitsplatz gefragt, nun zu Recht antworten: »Ick bün al dor!« …

Liebende Blicke, böse Blicke, penetrierende Blicke

Donnerstag, Juli 17th, 2008

Inspiriert von den Zeilen Goethes beginnt heute Abend eine Tagung an der Universität Bonn, die sich mit Blicken (in) der Literatur beschäftigt. Drei Tage lang halten Freunde, Weggefährten, Kollegen und Schüler Vorträge zu Ehren Helmut J. Schneiders, Professor am Institut für Germanistik seit 1993, der in diesem Jahr 65 geworden ist.

Romantiker in fremdem Land

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Claus Sommerhage begegnete mir 1994 in Estland. Ich war zum ersten Mal dort. Mein Gastgeber Matti Sirkel, Präsident des Estnischen Schriftstellerverbandes, hatte ihn gebeten, in Tartu (Dorpat, ein baltendeutsches Klein-Athen des Nordens) im »Deutschen Haus« eine Lesung für mich zu organisieren. Sommerhage, damals Gastprofessor am Germanistischen Institut der dortigen Universität, sagte sofort zu. Schon nach unserem ersten Gespräch wußte ich: Hier stand mir kein abgebrühter Gedichtezerleger und ausgekochter Prosasezierer gegenüber, sondern jemand, der mit der lebendigen Wortkunst lebte und nicht von ihren Ruinen und Exkrementen …

Sechs Jahre, vier Monate, zwei Wochen und ein Tag

Dienstag, Juli 15th, 2008

Große grüne Wassermelonen, als Erfrischung aus dem Kühlschrank, man schätzt sie besonders im Sommer. Wassermelonen kommen zum Beispiel aus Mexiko und werden von dort mit dem LKW in die USA transportiert. Auf diesem Wege gelangten auch Arnon Grünbergs Helden Paul und Tito Andino in die Vereinigten Staaten.

Alles wird Elgaland-Vargaland!

Freitag, Juli 11th, 2008

Deutschland ist also verdienter Vize-Europameister 2008 im Fußball geworden. Ein Meer aus orangfarbenen „Leiberln“ auf Leibern, grell bemalte und kostümierte Fans, flatternde Mini-Flaggen an den Autos … Man könnte das alles für fröhlichen Chauvinismus halten, doch ein junger Teilnehmer hat es fürs Fernsehen auf den Punkt gebracht: „Ob Deutschland oder Spanien war uns egal. Hauptsache Party.“

Kafka immer neu entdecken

Mittwoch, Juli 9th, 2008

Gerade jetzt in den Wochen vor und nach Franz Kafkas 125. Geburtstag werden Komplexität und Facettenreichtum seines oft nur schwer zugänglichen Werks in den Medien einmal mehr hervorgehoben. Zur Zeit ist in der Buchhandlung Bouvier eine Ausstellung zu sehen, die zeigt, wie zeitgenössische Künstler sich mit dem Autor und seinen Texten auseinandersetzen und in ihren Werken neue Sichtweisen auf Leben und Werk des Schriftstellers ermöglichen. »Kafka in der zeitgenössischen Kunst« ist das Resultat eines äußerst produktiven Dialogs zwischen Literatur und bildender Kunst und macht Lust, Kafkas Texte immer aufs Neue zu lesen und zu entdecken.

Auswege aus der Krise

Dienstag, Juli 8th, 2008

Fast hatten wir uns dran gewöhnt, und die jährlichen Meldungen würden uns nicht weiter berühren: Die Plattenindustrie steckt in der Krise. Allein der fortschreitende Abwärtstrend bei der EMI hat dieses Thema in den letzten Monaten wieder in die Schlagzeilen der Tageszeitungen gebracht. Die neue Firmenpolitik seit der Übernahme durch den Finanzinvestor Terra Firma tat ihr übriges und hatte für einige hier unter Vertrag stehende Künstler Konsequenzen: von Firmenwechsel bis zum Protest durch die Verzögerung der Veröffentlichung ihrer neuen Platten. Die Krise jener Firma, die Bands wie die Beatles, Queen oder Radiohead groß gemacht hat, verdeutlicht aber nur einen Teil des Problems. Auch weniger krisengeschüttelte Konzerne müssen sich weiter gegen den Verkaufseinbruch physischer Tonträger, der vor ca. zehn Jahren mit der Möglichkeit, CDs 1:1 zu vervielfältigen, begann und später durch mp3s verschärft wurde, wappnen. Geldverdienen mit CDs und LPs, so heißt es immer wieder: Das war gestern.

Einer der Guten

Freitag, Juli 4th, 2008

Früher, vor dem Mauerfall, als ich selbst noch schrieb und Freunde hatte, die auch schrieben; als wir alle natürlich Germanistik studierten und uns zumindest gelegentlich in der ›Rostlaube‹ der FU Berlin aufhielten – damals gab es unter uns ein Dogma: Einen Roman, der in der ›Rostlaube‹ spielt, kann man nicht schreiben. Nun spielt Ulrich Peltzers Roman Teil der Lösung nicht in der ›Rostlaube‹ und nur angelegentlich in der Germanistik der Humboldt-Universität, aber natürlich war das damals sinnbildlich gemeint: Ein Roman, der zu dicht an der eigenen Lebenswelt dran ist, übernimmt, was er an vermutlich eben doch zufälligen Realien der eigenen Umgebung kriegen kann – so ein Roman kann nicht funktionieren, denn er wird immer diesen unangenehmen Beigeschmack von Banalem, von Überdruss und Luxushaftem unserer angeblichen Probleme haben. Wenn der literarische Anspruch der eigenen Erfahrung untergeordnet wird, entsteht in aller Regel vor allem Anspruchsloses.

Textuelle Erfolgsfaktoren

Mittwoch, Juli 2nd, 2008

Mancher ist verblüfft, wenn Germanisten Unternehmen beraten. Marius Kursawe ist eines der Beispiele dafür, dass diese Kombination aber durchaus Sinn macht – und er legt in seinen Antworten zu unserem »Germanisten-Fragebogen« anschaulich dar, welcher Weg ihn zum »Kommunikationsberater« führte …

Junge Magazine auf dem Weg zu guter alter Tradition

Mittwoch, Juli 2nd, 2008

Logo des »Treffens Junger Magazine« 2008Das »Treffen Junger Magazine« findet nun schon zum zweiten Mal statt und wird der Logik des Rheinländers zufolge somit spätestens beim nächsten Mal als gute alte Tradition betitelt. Nicht umsonst schließlich traf man sich 2007 das erste Mal in Köln. Dieses Mal allerdings verschlägt es die Macher der Zeitschriften BELLA triste, sprachgebunden, EDIT, [SIC], la mer gelée, Kritische Ausgabe, plumbum, spella, polar und goon in nördlichere Gefilde: Am 4. und 5. Juli tummeln sich die Redakteure zwei Tage lang in Göttingen zu dem von nun an jährlichen Symposium der jungen Literatur- und Kulturzeitschriften.

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Manfred Poser wütet und trauert über Hoffnungen, die es nicht mehr gibt
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Manfred Poser sitzt wie viele täglich vor schwarzen Buchstaben auf weißem Papier. Aber da ist mehr ...
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Manfred Poser wird wieder einmal vom Sortierengel heimgesucht, der Theorie einfordert – und Ordnung
Der Schein trügt
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