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Crauss.

Archive for September, 2008

Glanzlichter und Schwächeanfälle

Dienstag, September 30th, 2008

Alle zwei Jahre, immer pünktlich zur Fußballeuropa- oder -weltmeisterschaft, wird der Buchmarkt überschwemmt von einer Fülle an Büchern über die schönste Nebensache der Welt. Diese tragen so illustre Titel wie »Fußball Unser«, »Sprechen Sie Fußball?« oder »Ersatzbankknigge – Der Fußball-Survivalführer für Frauen«. Nach dem jeweiligen Turnier erscheinen dann jene Bücher, in denen man jede Schwalbe von Cristiano Ronaldo, jedes Foul von Zinedine Zidane und jeden gelaufenen Kilometer von Michael Ballack genau nachlesen kann. Wer jedoch abseits von Statistiken und konventioneller Sportberichterstattung die Europameisterschaft 2008 noch einmal Revue passieren lassen möchte, für den ist »Der lange Weg nach Wien« aus dem kleinen ambitionierten Dresdner Verlag Voland & Quist eine positive Alternative.

Spiel(t) mir das Lied vom Tod!

Montag, September 29th, 2008

Das Siebengebirgsmuseum, das Schloss Drachenburg und die Nibelungenhalle, sie alle widmen vom 26. Juli bis zum 2. November 2008 ihre Räumlichkeiten dem Nibelungenlied und seinen zahlreichen Interpretationen. Die Lage der drei Ausstellungsorte ist gleichzeitig auch eine räumliche Verkörperung der Sage um den Nibelungenhelden Siegfried, denn eben dort soll das Lied bekanntermaßen seinen Anfang genommen haben …

Ungewöhnliche Einblicke

Freitag, September 26th, 2008

Es war sein Jugendtraum, der 1995 in Erfüllung ging: George Kremer erwarb sein erstes Werk Rembrandts, den »Alten Mann mit Turban«. An diesem Traum hatte Kremer seit seinem 10. Lebensjahr festgehalten. Damals besuchte er das Rijksmuseum in Amsterdam, und als er vor Rembrandts »Jüdischer Braut« stand, beschloss er, eines Tages selbst einen Rembrandt zu besitzen.
Auch nach 13 Jahren des Sammelns hat sich das Ziel Kremers nicht geändert: Gemeinsam mit seiner Frau möchte er eine Gemäldesammlung schaffen und erhalten, die die Beigeisterung für niederländische und flämische Malerei des 17. Jahrhunderts wecken und bewahren soll.

Die ungeheuerlichen Treffen der Leute aus Seesen am Harz

Freitag, September 26th, 2008

Andreas aus Freiburg erzählte mir, sein Vater habe einmal den gestrengen Schuldirektor seines städtischen Gymnasiums auf einem Markt in Istanbul getroffen. Was für ein Zufall! Wäre es auch ein Zufall, hätte er ihn im Ehebett mit seiner Frau angetroffen? »Sie hier – was für ein Zufall!« Im deutschen Fernsehspiel würde der Direktor antworten: »Den Zufall gibt es nicht. Davon bin ich überzeugt.« Der Germanist zitiert Max Frisch: »Es ist immer das Fälligste, was einem zufällt.«

Auf meinen Artikel »Quanten-Fußball« meldete sich ein Autor und wies mich auf sein jüngstes Buch hin. Sein Buch, das zu rezensieren mir zufiel, heißt Die geheime Physik des Zufalls.

Was machten die Spätaufklärer und Biedermeier, als es noch keine Mobiltelefone gab?

Samstag, September 20th, 2008

Heutzutage braucht man ja nur einen Schritt vor die Haustür zu machen und schon stolpert man über einen Menschen mit Telefon am Ohr. Egal, ob Bus, Bahn, öffentlicher Platz, Toilette oder Restaurant – in allen Lebenslagen wird telefoniert. Das Bedürfnis sich mitzuteilen, sich mit anderen zu unterhalten und Neuigkeiten oder meist auch nur Alltäglichkeiten auszutauschen, ist enorm groß. Es existiert eine gewisse Angst, sich mit sich selbst beschäftigen zu müssen, sich vielleicht sogar einigen langweiligen Minuten preiszugeben. Damit das nicht passiert, wird das Handy mehr und mehr zum Geselligkeitsinstrument …

Just left the building: Helmut Kindler

Freitag, September 19th, 2008

An ihm kam und kommt man einfach nicht vorbei. Ob als fleißiger Literaturstudent oder tratsch-verliebte Hausfrau, als geschichtlich Interessierter oder Tierfreund, als trotziger Teenager oder Liebesschmonzetten-Konsument – Helmut Kindler hat uns als Verleger wohl schon in den verschiedensten Lebenslagen begleitet. Nun ist er am vergangenen Montag im Alter von 95 Jahren in Küsnacht bei Zürich gestorben.

Die Säuferkoje

Freitag, September 19th, 2008

Das Oktoberfest in meiner Münchner Stadt, die gute alte „Wies’n“, die soll mir schon einen Beitrag wert sein. Letztes Jahr war ich nach 20 Jahren wieder dort, mit einer Gruppe Freunden, und vor dem „Augustiner“-Zelt (so schön; mein Vater trank immer Augustiner) – recht eingekeilt, aber verschwenderisch von der Sonne beschienen – genossen wir unsere Maß’/Massen Bier, und die Welt war in Ordnung. Mit den Jahren war die Wies’n (auf Asphalt) oder das Oktoberfest (zum größten Teil im September) zum „Kult“ geworden, aber was hilft’s? – Dieses Jahr bin ich weit weg …

Just left the building: Wendelin Schmidt-Dengler

Mittwoch, September 17th, 2008

»Jedenfalls sind Sie ein Mensch / der Augen und Ohren offen hat / und der nichts verschweigt / das ist seine Natur«, heißt es in Thomas Bernhards Jagdgesellschaft. Dieses Zitat Bernhards beschreibt sehr treffend die Lebens- und Arbeitsweise des kürzlich verstorbenen Germanisten Wendelin Schmidt-Dengler. Der österreichische Literaturpapst erlag am vorvergangenen Sonntag, den 7. September 2008, nach kurzer Krankheit einer Lungenembolie …

Gott verdamme mich oder: Basara schreibt besser

Dienstag, September 16th, 2008

Rezensionsexemplare treffen ein, man blättert, sieht sich die Einbände an, murmelt mit Sabber in den Mundwinkeln vor sich hin, erinnert sich an die ersten Leseerlebnisse, oh ja, grandiose Stunden waren das, angefüllt mit Abwesenheit, hatte da nicht jemand gerufen, und ehe man sich versah, schrieb man selbst, vielleicht geschult an den Romanen von Thomas Mann, versuchte man sich mit viel zu langen Sätzen, die manchmal noch aus einem heraus brechen. Kurze Zeit liest man Hemingway. Dann werden auch die eigenen Sätze kürzer.

»Später erfuhr ich, dass es Luhmann gibt«

Freitag, September 12th, 2008

Zugegeben: Der Journalist und Buchautor Jürgen Kaube ist gar kein Germanist. Er hat dieses Fach »nur« sechs Semester und ohne Abschluss studiert. Gleichwohl, dachten wir, könne der Diplom-Volkswirt und Soziologe, der Kaube tatsächlich ist, sicher aufschlussreiche Antworten geben. Zumal er als Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für die »Forschung und Lehre«-Seiten ebenso verantwortlich zeichnet wie für die »Geisteswissenschaften«-Rubrik und demzufolge mit dem diesem Fragebogen zugrundeliegenden Thema gut vertraut sein dürfte …

Auf schmalem Grat zwischen Integration und Selbstaufgabe

Donnerstag, September 11th, 2008

Die Auseinandersetzung mit dem Thema der kulturellen und sprachlichen Identität zieht sich wie ein roter Faden durch die Werke der verschiedenen Autoren, die bereits im Rahmen der Veranstaltung »Reading Europe« in Bonn zu Gast waren. Auch der schwedische Autor Jonas Hassen Khemiri setzt sich in seinem neusten Roman Montecore sowie in seinem Theaterdebüt Invasion! mit diesem, für Europa so wichtigen, Thema auseinander. Er ist der neunte Gast der Lesereihe und wird am Donnerstag, den 11. September 2008 im Rheinischen Landesmuseum aus seinem ersten Bühnenstück und dem Roman lesen.

Das Geheimnis der 16 Geheimnisse

Donnerstag, September 11th, 2008

Kunst und Kunstfertigkeit sind, wortfamiliär, eng verwandte Begriffe – und mitunter doch sehr verschieden. Dieser Unterschied ließe sich zum Beispiel daran erklären, daß es zwar von hoher Kunstfertigkeit zeugt, ein Lied der Vorlage gleich nachzuspielen, ihm keine aber eigene Note zu verpassen. Kunst dagegen wäre dann, ein Lied zu covern, indem ihm die Musizierenden neues Leben einhauchen. Wie wenig das im Interesse der Plattenbosse ist, haben uns in den letzten Jahren etliche Radiofetzen, die uns in den Kaufhäusern rund um den Globus belästigten, bewiesen. Wer aber Musik macht und dies aus einer eigenen Passion heraus, kommt nicht umhin, gerade auch wenn Kunstfertigkeit vorhanden ist, seine eigene Note mit einfließen zu lassen und somit dem Originalitätsanspruch gerecht zu werden. Für den Hörer ist dabei das Endergebnis wichtig, und nicht, ob dies vielleicht gar nicht Ziel der Coverversion war …

Fliegerische Abenteuer

Freitag, September 5th, 2008

Jedes Jahr im Mai veranstaltet mein Verein „Old Bicycle Fan Club“ (OBFC) in dem Dorf Rehetobel, zehn Kilometer von St. Gallen entfernt, einen Flohmarkt. Meistens regnet es. Er wird vor der Scheune aufgebaut, in dem auch die 80 alten Räder unseres Velomuseums stehen. Rechts daran vorbei: der Blick auf das Alpstein-Massiv …

Stimmen von jenseits des Grabes

Dienstag, September 2nd, 2008

Wie kaum ein anderer deutscher Autor steht er für die literarische Verarbeitung historischer und politischer Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Sein Romanerstling Heißer Sommer von 1974 erzählt die Geschichte der 68er, Die Entdeckung der Currywurst thematisiert den zweiten Weltkrieg und speziell die letzten Kriegstage, seine Erzählung Am Beispiel meines Bruders – vielleicht sein eindringlichstes Buch – setzt sich mit seinem älteren Bruder auseinander, der sich freiwillig zur SS meldete, an der Front schwer verwundet wurde und kurze Zeit später an seinen Verletzungen starb. In Der Freund und der Fremde schließlich erzählt er von seiner Freundschaft mit Benno Ohnesorg, der 1967 während einer Demonstration von der Polizei erschossen wurde.

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Aktuell

In der K.A. plus

Ein Sommer mit Kikujiro
Japan-Liebhaber Manfred Poser hat ein Buch von und über Takeshi Kitano entdeckt
»Heute ist sein Werk Gegenstand globaler Diskussion«
Oder: Strategie der Exkulpierung und Apologie in biografischem Gewand – Zu Reinhard Mehrings Carl-Schmitt-Biographie
Objektwelt und Traumwelt
Manfred Poser versucht, zwischen unserer gegenständlichen Welt und der fünften Dimension zu vermitteln. Ob das gutgeht?
David, Jan und Elvis
Manfred Poser war lange auf Radtour – und hat als radelnder Mönch viel Bedenkenswertes erlebt
Das neue Denken
Manfred Poser wütet und trauert über Hoffnungen, die es nicht mehr gibt
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