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Crauss.

Archive for März, 2009

Dichterheimat

Dienstag, März 31st, 2009

Es ist eine der bemerkenswerten Eigenschaften der Globalisierung, daß sie uns unsere Heimat nicht vergessen läßt. Wahrscheinlich entwickeln wir erst ein Gefühl für Heimat, wenn wir reisen oder woanders neue Wurzeln schlagen müssen. Auffällig ist es jedenfalls, daß der Verlag Hoffmann und Campe seit Frühjahr 2007 den Dichtern seiner Heimatstadt Hamburg eine ganz besondere Reihe zuteil werden läßt. Gewappnet gegen die Schwierigkeiten der Globalisierung durch die vielen Standbeine der Ganske-Gruppe, der der Verlag angehört, betreibt Hoffmann und Campe Heimaterinnerung mit Stadtspaziergängen. Neben einem Lesebuch, Hamburg – 69 Dichter und ihre Stadt, und einer Darstellung von Samuel Becketts Hamburg erschien 2007 mit Nachts auf der Lombardsbrücke von Susanne Bienwald auch eine Darstellung der Lebensorte Hans Erich Nossacks.

Erinnerung an Speck

Freitag, März 27th, 2009

Shalom Auslander, Bernhard Robben (Moderation) und Simon Eckert (Schauspiel Köln, Rezitation) im Kölnischen Kunstverein/Die Brücke über eine hoffnungsvolle, humoresk-pessimistische Weltsicht und die Erkenntnis, dass der, der 72 Namen hat – und auf jeden der Namen das Copyright – ein Arschloch ist. Zugegeben, ein Arschloch mit viel Humor.

Anna Maier sagt nein

Freitag, März 27th, 2009

»LOVE« – Aufschrift am Haus des kurdischen Lebensmittelhändlers im Osten St. Gallens (Foto: Manfred Poser)Anna Maier hat Courage. Die »attraktive Fernsehlady« (so die Gratispostille »20 Minuten«) hielt die Sendung »Die 10« über die erotischsten Frauen der Schweiz für schlecht. Inhaltliche Änderungen kamen für den Sender 3+ nicht in Frage, also lehnte sie es wegen »Unzumutbarkeit« ab, die Sendung zu präsentieren. Die 10 erotischen Frauen würden »auf primitive Weise ins Lächerliche gezogen«. Sie sei »eine Moderatorin und keine Sprechpuppe« und müsse hinter dem Inhalt einer Sendung stehen können. Es wird sich wohl eine Sprechpuppe finden. Bravo, Anna!

Zwischen den Grenzen des neuen Europa

Mittwoch, März 25th, 2009

Erstmals in diesem Jahr heißt es in der kommenden Woche wieder: »Europa in der Literatur – Literatur in Europa«. Im Rahmen der Lesereihe »Reading Europe – Neue Autoren aus Europa« stellt der slowakische Autor Michal Hvorecký vor wenigen Wochen neu erschienenen Roman ESKORTA vor, der Verlagsankündigung zufolge »der Roman zum neuen Europa: politisch, sexy und exzessiv«. Er beschreibt die unglaubliche Geschichte von der Karriere eines Callboys an der Grenze zwischen Osten und Westen, zwischen Gegenwart und Zukunft, zwischen Himmel und Hölle der Gesellschaft …

T.C. Boyle: Ein Kultautor auf Abwegen

Mittwoch, März 25th, 2009

Es war der letzte Abend der diesjährigen lit.Cologne und es sollte ein stilechtes Highlight im Sinne des amerikanischem Glanz und Glamours werden. Schon um viertel vor sieben ist das Foyer des Tanzbrunnentheaters auf dem Messegelände Köln zum Bersten voll. Die Kölner High Society, wie etwa Cordula Stratmann oder Lübbe-Chef Klaus Kluge, erscheinen standesgemäß natürlich erst kurz vor Beginn der Veranstaltung, welcher für 19:30 Uhr anberaumt war. Nach einer kurzen und etwas holprig vorgetragenen Ankündigung betreten ein sich stilistisch auf Abwegen befindender Thomas Coraghessan Boyle und eine merklich nervöse Susanne Weingarten unter tosendem Applaus die Bühne.

»Du mußt dein Leben ändern.«

Montag, März 23rd, 2009

Peter Sloterdijks neuer, großer Essay Du mußt dein Leben ändern. Über Religion, Artistik und Anthropotechnik erscheint am 24. März 2009 im Suhrkamp Verlag. Für die Besucher der lit.Cologne gab es am 18. März 2009 vorab schon einmal eine Kostprobe dieses furiosen Rittes durch die Philosophiegeschichte …

Das Leben gewählt

Montag, März 23rd, 2009

»Schön« wollen sie nicht sein, diese Gedichte. Ihre Diktion ist äußerst knapp, ihr Duktus hart, selbst die wenigen Verse, die weicher fließen, verzichten auf alle »verdächtige Pracht«. Ilana Shmueli, geboren 1924 in Czernowitz, hat erst spät, lang nach dem Tode des nahen Freundes Paul Celan, begonnen, Gedichte zu schreiben. Mit der Entstehung der Gedichte, aus denen sie jetzt eine Auswahl der Öffentlichkeit preisgegeben hat, hat freilich der späte Zeitpunkt ihrer schriftlichen Fixierung nur bedingt etwas zu tun …

Die Vier von der Dankstelle

Samstag, März 21st, 2009

Alles an diesem Abend wirkt etwas seltsam. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn einer Veranstaltung, deren Sinn sich nicht unmittelbar erschließen will, herrscht ein ausgesprochen tumultuarischer Trubel im Theaterhaus Köln, gelegen im bieder-studentischen Herumhängstadtteil Ehrenfeld. Alles kommt einem etwas spanisch vor. Eine orientierungslose Bedienung, die zumindest ihren Kollegen im iberischen Idiom matronenhaft dirigiert. Eine soßige Musik, die die gewohnt klebrige Konsistenz besitzt, um im gelblich-trüben Licht die Sinne durch übertriebene Sinnlichkeit abzudichten.

Ein Seufzer aus den 80ern

Freitag, März 20th, 2009

Das Thema ›Europa‹ nimmt seit je einen zentralen Platz in der Essayistik Hans Magnus Enzensbergers ein. Schon im zweiten Band seiner Zeitschrift Kursbuch (1965) bezieht er eine europakritische Position, wo er unter anderem über die sprachliche Scheidungslinie von Europa und der sogenannten ›Dritten Welt‹ reflektiert. Im wiederum kritischen Anschluß an die Schlußpassage aus Frantz Fanons Hauptwerk Die Verdammten dieser Erde (1961) wird die zunehmend marginale Rolle des nördlichen Kontinents als ›Europäische Peripherie‹ charakterisiert.

»… ein Lehrstück ohne Lehre vom Umgang der Verschiedenen miteinander«

Donnerstag, März 19th, 2009

Drei Jahre ist es etwa her, daß wir die Idee hatten, ein Heft dem Thema »Europa« zu widmen. Die Franzosen hatten per Volksabstimmung gerade den Verfassungsentwurf für die EU abgelehnt. Für die als Verträge von Lissabon bezeichnete veränderte Wiedervorlage gleicher Ideen fand sich kürzlich in Irland keine Mehrheit. Das Denken der Völker, das zeigte sich daran, ist in vielem national geprägt. Daß Europa ein komplexes, in sich oft widersprüchliches Gebilde ist, zeigen die Beiträge der neuen Kritischen Ausgabe, die jetzt erschienen ist.

Im »Streit der Worte« die Stimme

Donnerstag, März 19th, 2009

Die menschliche Stimme lässt sich schwer fassen – einerseits ist sie an einen Sprechenden, ein Medium gebunden und kann nicht losgelöst von diesem existieren, andererseits ist sie unbedingt nötig, um Geschichten – Gefühlen, Gedanken, Träumen, auch Traumata – Gehör zu verschaffen. Sie kann ungehört verhallen. Oder aber sie kann zu einem Ereignis werden, dass noch Tage später nachklingt und scheinbar längst Vergangenes mitten in die Gegenwart hinein holt.

Eine Reise durch Adam Davies’ Leben

Mittwoch, März 18th, 2009

Tief im Stadtteil Köln-Nippes verloren, irren meine Begleitung und ich durch die dunklen Straßen. Da entdecken wir, hinter Büschen versteckt, die Kulturkirche. Doch wo ist der Eingang? Wir stehen verwirrt im Hof, als ein kleiner Mann aus einer Seitentür hüpft (auf welcher groß »KEIN EINTRITT« steht) und uns bemerkt. »I think the entrance is just around the corner«, sagt er freundlich und macht mit seinem Arm die Geste eines weiten Bogens. Wir bedanken uns und huschen weiter…

»Op dat ma jut jeht«

Dienstag, März 17th, 2009

Die Stadt Essen und das Ruhrgebiet dürfen im nächsten Jahr den hart umstrittenen Titel »Europäische Kulturhauptstadt« tragen. Zu diesem Anlass präsentieren die westfälischen Lebenskünstler Fritz Eckenga, Helge Schneider, Jochen Malmsheimer, der Poetry Slammer Sebastian23, Jazz-Sängerin Eva Kurowski und das Krimi-Autorinnen-Duo Minck und Minck im Rahmen der Lit.Cologne 2009 ihre Heimat: das Ruhrgebiet. Das Spardosen-Terzett sorgt dabei für die musikalische Unterstützung.

Andere Welten

Freitag, März 13th, 2009

Ein Elektroboot, 1893 auf einem See im Jenseits dahingleitend, brachte mich auf die Science Fiction. Es gibt eingefleischte SF-Fans wie den US-Philosophen Steve Shaviro und meinen Freund Marco Pierfranceschi – und die anderen, die partout nichts damit anfangen können. Ich gehörte immer zu letzteren, doch Giovanna meint, SF unterscheide sich kaum von Werken über alte Griechen und Ägypter, es gehe nur ums Jetzt. Ihr zuliebe und mit ihr habe ich alle einschlägigen Filme der vergangenen Jahre gesehen: die Folgen von »Matrix« und »X-Men«, »Das fünfte Element«, alle »Alien«-Filme, aber auch viel Zweitklassiges …

»Die Schrift war immer ein Refugium für die Juden«

Freitag, März 13th, 2009

Liliana Ruth Feierstein (Foto: buch-jugedu.de)Zum dritten »Fest des jüdischen Buches« lädt die Jüdische Gemeinde in Duisburg am Sonntag, den 15. März ein. Von 11 bis 19 Uhr dreht sich in der Synagoge am Duisburger Innenhafen alles um Literatur, unter anderem werden Robert Schindel, Lena Gorelik und der israelische Autor Assaf Gavron dort lesen. – Mit Organisatorin Liliana Ruth Feierstein sprach Stefan Andres.

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In der K.A. plus

Ein Sommer mit Kikujiro
Japan-Liebhaber Manfred Poser hat ein Buch von und über Takeshi Kitano entdeckt
»Heute ist sein Werk Gegenstand globaler Diskussion«
Oder: Strategie der Exkulpierung und Apologie in biografischem Gewand – Zu Reinhard Mehrings Carl-Schmitt-Biographie
Objektwelt und Traumwelt
Manfred Poser versucht, zwischen unserer gegenständlichen Welt und der fünften Dimension zu vermitteln. Ob das gutgeht?
David, Jan und Elvis
Manfred Poser war lange auf Radtour – und hat als radelnder Mönch viel Bedenkenswertes erlebt
Das neue Denken
Manfred Poser wütet und trauert über Hoffnungen, die es nicht mehr gibt
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