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Crauss.

Archive for April, 2009

Moderne Männerwelten

Dienstag, April 28th, 2009

Muße meets Muse: Oliver Uschmann tankt Inspiration (Foto: © Dennis Yenmez, Bochum)Mit einem Einzug und einem verbalen Achselzucken eröffnet der in Wesel geborene Autor Oliver Uschmann sein inzwischen zu einer stattlichen Tetralogie angewachsenes Romanwerk. Mietwillig betreten seine Hauptfiguren Hartmut und Ich die neue Wohnung in Bochum-Wiemelhausen, während der Vermieter mit einem unschlüssigen »Tja« (I, 7) nicht erkennen läßt, ob er sich über diese neuen Bewohner tatsächlich freuen soll. Der Leser hingegen darf und soll es auch, läßt ihn doch Uschmann an den intellektuellen Eskapaden, skurrilen Erlebnissen und eigentümlichen Aktionen seiner Protagonisten hautnah teilhaben.

 

Methodenzwänge

Freitag, April 24th, 2009

Das Album »Big Science« von Laurie Anderson (1982), hier quasi als SymbolbildMan kommt auf die Welt und wird in ihr erst einmal tüchtig herumgeschubst. Vieles wird einem zugemutet, und das meiste muss man akzeptieren, weil es so übermächtig ist und man selbst so klein. Manche begehren schon früh auf; andere schleppen sich duckmäuserisch dahin und bleiben so, wieder andere erleben spät ihr »Outing«, wenn die Eltern weit weg sind und die Bahnen frei. Vielleicht ist es einem in die Wiege gelegt, ob man »Revoluzzer« wird, wie das vor 30 Jahren hieß, oder ein Konservativer bleibt. Oder man wird konservativer Revolutionär …

»Wir machen keine Comedy!«

Montag, April 20th, 2009

Nadja Schlüter (Foto: © Merlin Senger)Die Verbindung von Poesie und Performance in Wettberwerbsform bringt Poeten mit unterschiedlichsten Texten auf die Bühne, löst die Wörter vom Papier und macht Literatur zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Nach ihrem Durchbruchsieg bei der deutschsprachigen U 20 Poetryslam-Meisterschaft 2005 in Leipzig hat sich die Bonner Germanistikstudentin Nadja Schlüter fest im nationalen Slamgeschäft etabliert. In ihren Texten reflektiert sie eindringlich Lebenssituationen und erzählt Anekdoten, die manchmal leichtfüßig-naiv, manchmal mit großer Wucht aus dem Feld des Selbsterlebten herauskommen.
 

Für die Kritische Ausgabe sprach Roberto Jurkschat mit ihr über ihre Erfahrungen und die Besonderheiten einer Kunstform, die im Begriff ist, aus dem Souterrain des Kulturbetriebes an dessen Oberfläche zu klettern.

Vom Gestus des Abbrechens

Freitag, April 17th, 2009

Elfriede Gerstl zählt, zumal in Deutschland, zu den weitgehend Unbekannten. Das ist mehrfach, und mit Recht, beklagt worden. Geändert haben die Klagen nicht viel. Abseits vom Markt und vom Literaturbetrieb, der sich um sie nicht kümmerte und von dem sie sich immer weiter entfernte, schuf sie ihr schmales und fast wie dahingehauchtes Werk. Man musste es selbst entdecken …

Moskau – eine europäische Stadt nach dem Atomschlag

Mittwoch, April 15th, 2009

Dmitry Glukhovsky und Robert Stadlober bei ihrer Lesung in Berlin (Foto: Crauss.)»Stellen Sie sich vor, Sie betreten wie jeden Tag die U-Bahn – und sehen erst 25 Jahre später das Tageslicht wieder!« – So empfängt einen die Website zu Dmitry Glukhovskys Roman Metro 2033, den es seit einem Jahr auf Deutsch gibt und der in der Übersetzung mit rund 780 Seiten mehr als doppelt so umfangreich ist wie das russische Original. K.A.-Redakteur Crauss war dabei, als der Autor zusammen mit Schauspieler Robert Stadlober sein Buch in Berlin vorstellte, und lässt uns einen Ausschnitt daraus mithören …

Einer, der »im Herzen barfuß« ging

Montag, April 13th, 2009

Klavki (1972–2009) (Foto: © Frank Peter)Im März 2005 sprach er mich an, bei einem der Poetry Slams in den »wilden Mit(t)-Nullern« in der Schaubude, wo er wieder mal auf Platz Eins gelandet war. Konspirativ flüsternd mitten im Kneipenlärm: Er wolle in die Zeitung, wie man das mache. Da war Klavki schon drin, als jemand, der mit seinen performativen Textaktionen Aufmerksamkeit erregte, mit seinen seltsam erhellenden Flüchen, die er durch die Mikros der Slams jagte, durch die er in Kiel und rasch darüber hinaus bekannt wurde. Jetzt ist er 36-jährig gestorben …

Erlöse uns

Freitag, April 10th, 2009

Die Leiden der Erlöser. Heiligenfiguren in Gleisdorf (Steiermark). (Foto: © Manfred Poser) Wieder einmal entfällt der Ausreißversuch auf einen Karfreitag. Das Leiden des Herrn! Die Dreifaltigkeit entspricht dem Dreiklang Körper, Geist und Seele, und Jesus Christus wäre der Körper, denn Gott ist Fleisch geworden. Christus nahm für die Sünden der Menschen den Tod auf sich und erlebte die Auferstehung am dritten Tage. Für meine Recherchen hatte mir The Psychic Stream von Arthur James Findlay (1939) ausgeliehen und musste einen Koloss von 1.160 Seiten nach Hause tragen. Dicker als Der Turm! Aber viel spannender. Ich bin immerhin bis Seite 310 vorgedrungen, während Freund Helmut gestand, beim Turm nur bis Seite 40 gekommen zu sein. Findlay (1883–1964) war Spiritualist, und auf den britischen Inseln ist der Spiritualismus als Kirche anerkannt. Er, der ein Hineinwirken des Jenseits in unserer Welt und den Kontakt zu Geistern zum Fundament hat, betrachtet sich als Konkurrent des Katholizismus.

Just left the building: Elfriede Gerstl

Donnerstag, April 9th, 2009

Sie sei so gestorben, wie sie gelebt, wie sie geschrieben hat, schrieb uns an diesem Gründonnerstag Matthias Fallenstein aus der österreichischen Bundeshauptstadt: ganz still und ohne Aufhebens. Elfriede Gerstl, die vielfach ausgezeichnete Wiener Literatin, ist tot.

Von der Reibung der Lautung: Tondehnung, Pathos und die Dekonstruktion des Gesangs

Montag, April 6th, 2009

Was für Ereignisse überschlagen sich doch augenblicklich, denke man nur an die himmelstürzende Aufregung, in die die Wohlmeinenden und Wohlgesinnten Papst und Vatikan stürzten. Bereits frühzeitig wurde der Exkommunikationstermin, also kurz vor dem Ausschwitztag 27. Januar, als zumindest geschmacklos beklagt. Nun, was sollten dann jene datumsschwitzenden Zeitgenossen gerade vom 30. Jänner halten, an dem nun die Berliner Band Klez.e ihr neues und drittes Album ausgerechnet unter dem Titel Vom Feuer der Gaben im Zentrum der Hauptstadt (allerdings ohne Fackelmarsch) in die Ohren trug.

Darf’s ein bisschen bunt sein?

Donnerstag, April 2nd, 2009

K.A. plus-TestbildDie Titelseiten vieler regionaler und überregionaler Zeitungen sind in den letzten Jahren bunter geworden, setzen vermehrt auf den vermittelnden Effekt von Bildern. Auch unsere Printausgabe hüllt sich inzwischen wieder in einen farbigen Mantel. Einzig von der Titelseite der K.A. plus verschwanden nach und nach beinahe alle Illustrationen. Doch war diese Entwicklung entgegen dem all überall zu beobachtenden Trend zu mehr Farbe und Fotografie die richtige Entscheidung?
 

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Das neue Denken
Manfred Poser wütet und trauert über Hoffnungen, die es nicht mehr gibt
Schwarz und Weiß
Manfred Poser sitzt wie viele täglich vor schwarzen Buchstaben auf weißem Papier. Aber da ist mehr ...
Ordnung und Sprache
Manfred Poser wird wieder einmal vom Sortierengel heimgesucht, der Theorie einfordert – und Ordnung
Der Schein trügt
Warum das Leben ohne Tageszeitung ärmer wäre – am Beispiel der Berner Band Schöftland
Lookism oder die hässliche Seite der Schönheit
Einige Gedanken zur Rolle der Schönheit in Gesellschaft, Globalisierung und Arbeitswelt
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