Das Goldene Leben
Freitag, Mai 22nd, 2009
Im Sommer vor 40 Jahren ist Theodor W. Adorno in der Schweiz gestorben, und geboren wurde im selben Jahr der »Frankfurter Ring«, ein »Magazin für Körper, Geist & Seele«. Der Okkultismus war für Adorno die »Metaphysik der dummen Kerle«, und »Okkultisten« war sein Begriff für Astrologen, Spiritisten und Geistergläubige. Diese Leute sähen das Sein mit Geist infiziert, aber – da sei kein Geist. Vielleicht muss man hier wörtlich zitieren: »Indem sie [die ›Okkulten‹] bestimmtes Sein als Geist ausgeben, unterwerfen sie den vergegenständlichten Geist der Daseinsprobe, und sie muss negativ ausfallen. Kein Geist ist da.«


Auf Giovannas Rat hin las ich den italienischen Roman »La solitudine dei numeri primi« von Paolo Giordano, deutsch: »Die Einsamkeit der Primzahlen«. Der Autor dieses Bestsellers ist 30 Jahre alt. Die ersten beiden Kapitel sind großartig. Ich blieb dran, war dem Buch über zwei Drittel gewogen, doch dann schlichen sich weniger überzeugende Motive ein, und das Ende schien mir nach Holzfällerart: nicht schlecht, aber nach dem Vorangegangenen psychologisch nicht schlüssig. Bücher sind heute streng aufgebaut (wie Mathematik), und manch ein Autor fällt dann seinen Prämissen zum Opfer und kann sich nicht mehr vom vorher konzipierten Schluss lösen …