Ein blinder Fleck aufgehellt
Dienstag, Juni 30th, 2009
Mit Altem Rathaus und Münster, Beethovenhaus, Beethovens Standbild auf dem Münsterplatz oder der Beethovenhalle nebst Beethovenkopf besitzt Bonn eine Fülle von charakteristischen und einprägsamen Symbolen. Auch der Blick auf die Hofgartenseite des leuchtend gelb gefassten Stadtschlosses – vorzugsweise vor blauem Himmel – ist aus dem Selbstbild der Stadt und der Universität, die das ehemalige Residenzschloss der Kölner Erzbischöfe und Kurfürsten seit 1818 für ihre Zwecke nutzt, nicht wegzudenken.
Um Benutzern und Besuchern, aber auch Bewohnern und Gästen Bonns sowie nicht zuletzt der Kunstwissenschaft den Bau in der Fülle seiner Geschichten zu erschließen, war es an der Zeit, ihn seinem kunsthistorischen Rang entsprechend und mit zeitgemäßer, quellenkritischer und sorgfältiger Herangehensweise in den Blick zu nehmen. Es galt, einen blinden Flecken mitten im Herzen der Stadt aufzuhellen. Dieses Vorhaben ist mit dem Band Das kurfürstliche Schloß in Bonn 2008 in sehr erfreulicher Weise bewältigt worden.


Wissen Sie, über welche Ecken Element of Crime mit Velvet Underground zu tun hat? Oder The Black Heart Procession mit Pinback. Nein? Gut – brauchen Sie auch nicht. Es sind auch nur zwei Beispiele, wie verschiedene Bands miteinander personell verbunden sind. Mehr wissen Sie sicherlich zu den ganzen Projekten, die sich nach Auflösung der Beatles um die vier Musiker entwickelten. Die Musikgeschichte läßt sich mitunter wie ein Stammbaum lesen, der zeigt, daß jeder Musiker mit jedem indirekt etwas zu tun hatte. Eindeutig und direkt z.B. sind die Bezüge zwischen Fink und Halma.
Hesiod nannte als erster die Namen der neun Musen, allesamt Töchter des Zeus: Euterpe, Erato, Kalliope, Clio, Melpomene, Polyhymnia, Terpsichore, Thalia und Urania. Der Philosoph Platon ergänzte die Gruppe um einen Namen. Die zehnte Muse, das sei die »schöne Sappho«, die 200 Jahre vor ihm Lyrik verfasst hatte. Viel später lässt der römische Dichter Horaz (65–8 v. Chr.) die Toten in der Unterwelt in andächtigem Schweigen den Liedern Sapphos lauschen. Die »geradezu erschütternde Schlichtheit« (Max Treu) ihrer Gedichte wurde von allen bewundert …
Die literarische Tour d’Europe der Kritischen Ausgabe geht weiter – und das gleich im Doppelpack: Paris meets Wien in Bonn, heißt es am kommenden Mittwochabend, wenn Alban Lefranc und Michael Stavarič im buchLaden 46 aus ihren aktuellen Werken lesen. Dabei sind unsere beiden Gäste in gewissem Sinne selbst eine Verkörperung des europäischen Kulturaustausches …
»Europa« hat sich die Kritische Ausgabe in der ersten Jahreshälfte auf die Fahnen (und das aktuelle Heft) geschrieben. Denn das kulturelle Europa ist überaus lebendig und vielfältig. Und wer wäre zum Beweis dessen besser geeignet als einer, der in zwei europäischen Hauptstädten studierte, neben deutschen Literaturstipendien bereits einen österreichischen Literaturpreis erhalten hat und zudem zum Kader der AUTONAMA zählt, der deutschen Nationalmannschaft kickender Autoren? Noch dazu, wenn derjenige nicht nur Schwedisch, schreiben und stürmen kann, sondern auch noch singen?
Ein hoher, kostspielig wirkender Raum, in dessen Mitte ein leuchtender Kronleuchter hängt. Edel aber dennoch karg ausgestattet. Da bleibt viel Platz für den Auftritt des »Geizigen« Harpagon, des Protagonisten in Molières gleichnamigen Drama. Wenn Harpagon auf den Stuhl in der Mitte der Bühne steigt und wie in Trance über sein geliebtes Geld lamentiert, so wird dem Zuschauer schnell deutlich, wer hier der Star des Abends ist. Eindrucksvoll und leidenschaftlich gestikuliert der Geizhals und schwärmt von seiner im Garten vergrabenen Geldkassette, mit der ihn eine beinahe menschliche Liebe verbindet.
Bei einer Veranstaltung von Radfahrern traf ich Natalie aus den Pyrenäen, die mir bei einer Zigarette vor dem Veranstaltungssaal anlässlich meiner Jenseitsforschung sagte, für sie gebe es nur ein »Davor«, nie ein Danach. Das gab mir zu denken, denn kurz davor hatte ich bei der italienischen Philosophin Adriana Cavarero (»Platons Töchter« – »Nonostante Platone«, 1990) gelesen, das Patriarchat habe die Große Mutter gemeuchelt und als sein Thema den Tod ausgerufen, wogegen Frauen die Geburt betonten. Sie schreibt: »Die Männer, die von dem Geheimnis ausgeschlossen sind, Leben hervorzubringen, da dies ausschließlich der weiblichen Erfahrung zugehört, finden im Tod einen Ort, der, da er das Leben nimmt, als mächtiger angesehen wird als dieses selbst.«
April 1945 in Paris. Der Untergang des Nazi-Regimes zeichnet sich ab. Die großen Politiker wie Charles de Gaulle wissen: »Die Tage der Trauer sind vorbei. Die Tage des Ruhmes sind angebrochen.« Sie warten nur noch auf den Frieden. Und wissen nicht, was Warten wirklich bedeutet.